5 Regeln und Tipps, die man beim Nachttauchen beachten sollte


Neulich haben wir hier fünf Gründe aufgezählt, warum das Nachttauchen rockt. Damit nicht genug: Wir haben noch einen zweiten Teil zum Thema Nachttauchen auf Lager! Hier sind unsere 5 Regeln und Tipps, die man bei Nachttauchgängen beachten sollte.

Nachttauchgänge bringen ein erhöhtes Risiko mit sich, aus dem sich einige Besonderheiten ergeben, die man vor und während der Tauchgänge beachten sollte. Folgende drei Aspekte spielen dabei eine Rolle:

  • eine eingeschränkte Sicht und erschwerte Orientierung
  • die menschliche Psyche beziehungsweise Angst und Nervosität
  • die veränderte Unterwasserwelt bei Nacht

Daraus ergeben sich wiederum einige Verhaltensregeln und Tipps, die beim Nachttauchen zu beachten sind.

 

1. Planung von Nachttauchgängen & Wahl des Tauchplatzes

 

Neben den Punkten, die bei der Planung aller Tauchgänge zu beachten sind, sollten vor Nachttauchgängen einige besondere Dinge  berücksichtigt werden. Dazu gehören:

  • Nachttauchgänge sollten bei möglichst idealen und einfachen Bedingungen durchgeführt werden, also zum Beispiel nicht bei starkem Wellengang, Strömung oder in großer Tiefe. Auch sollten es keine Deko-Tauchgänge sein. Ausnahmen gelten eventuell für erfahrene Nachttaucher.
  • Ein Nachttauchgang sollte in einem Gebiet stattfinden, in dem sich zumindest der Guide sehr gut auskennt.
  • Die Rettungskette muss genauso einwandfrei funktionieren wie tagsüber. Eine Tauchbasis muss daher evtl. länger geöffnet haben, die Erreichbarkeit von Rettungsdienst und Dekokammer muss gesichert sein. An Land sollte jemand warten, der gegebenenfalls die Rettungskette einleiten kann.
  • Nachttauchgänge sollten in kleinen Gruppen durchgeführt werden.
  • Nachttauch-Anfänger sollten mindestens 20-30 Tauchgänge Vorerfahrung haben.
  • Ein- und Ausstieg sollten für die Taucher und für Rettungskräfte unkompliziert erreichbar sein und bei Bedarf mit Licht (über und unter Wasser) gekennzeichnet werden.

2. Ausrüstungscheck für Nachttauchgänge

 

Das wichtigste Ausrüstungsteil ist bei Nachttauchgängen natürlich die Lampe. Doch es gibt noch ein paar mehr Dinge zu beachten als nur, die Lampe nicht zu vergessen:

  • Alle Lampen sollten voll aufgeladen und ihre Brenndauer bekannt sein!
  • Pro Gruppe sollte mindestens eine Ersatzlampe mitgeführt werden. Besser: Jeder Taucher hat eine Ersatzlampe.
  • Signalblitze können dafür genutzt werden, den Ein- und Ausstieg zu beleuchten. Eventuell muss auch an eine Beleuchtung für über Wasser gedacht werden.
  • Tiefenmesser, Finimeter, Kompass und Computer sollten nachleuchtend sein. Nachttauch-Anfänger müssen darauf hingewiesen werden, was das heißt.
  • Lampen sollten zum Beispiel am Jacket befestigt werden.
  • Tauchlampen werden nur, wenn es nicht anders geht, über Wasser eingeschaltet, um ihre Brenndauer nicht zu verkürzen (bei LED-Lampen nicht so wichtig) und eine Verwechslung der Lichtsignale mit Notsignalen zu vermeiden.

3. Briefing vor Nachttauchgängen

 

Das Briefing fällt vor Nachttauchgängen für gewöhnlich etwas ausführlicher aus als tagsüber. Dabei muss vor allem berücksichtigt werden, ob in der Gruppe Nachttauch-Anfänger mittauchen werden.

  • Anfänger können vor Nachttauchgängen nervös sein. Es gilt, sie in Ruhe auf den Tauchgang vorzubereiten, sie ausführlich über die Besonderheiten des Nachttauchens zu briefen und zu nichts zu drängen.
  • Vor Nachttauchgängen wird meist genau festgelegt, wie lange sie dauern und wie tief sie sein werden. Diese Angaben werden an den „Diensthabenden“ an Land weitergegeben. Daher ist sich streng daran zu halten (sonst wird gegebenenfalls eine Rettungskette ausgelöst).
  • Gibt es keine Zeitvorgabe seitens der Tauchbasis oder des Kapitäns, bestimmt die Brenndauer der Tauchlampen die Tauchzeit – außer natürlich der Luftverbrauch erfordert eine Umkehr!
  • Folgende Fragen müssen geklärt werden: Was ist zu tun, wenn die Hauptlampe ausfällt? Wie sind Computer, Tiefenmesser, Finimeter und Kompass ablesbar? Was ist bei Verlust des Buddys zu tun? Wie wird unter Wasser kommuniziert (siehe Punkt 4)? Was ist beim Ein- und Ausstieg zu beachten? Gibt es dort Licht oder Stolperfallen? Wartet dort jemand?
  • Buddy-Teams bleiben nah beieinander.

 

4. Kommunikation bei Nachttauchgängen

 

Über Wasser bleiben die Tauchlampen aus. Sollte man sie dennoch kurz benötigen, wird damit nicht wild rumgefuchtelt. Das könnte sonst als Notsignal missverstanden werden. Unter Wasser hingegen findet die Kommunikation teilweise über Lichtsignale statt:

Das Bewegen der Lampe im Kreis gilt als "OK"-Zeichen:

Ein Auf- und Ab-Bewegen der Lampe bedeutet "Nicht OK" / "Problem":


Abbildung: Mikkel Bjerregård / Wikimedia Commons unter CC-Lizenz (BY-SA 3.0)
Abbildung: Mikkel Bjerregård / Wikimedia Commons unter CC-Lizenz (BY-SA 3.0)
Abbildung: Mikkel Bjerregård / Wikimedia Commons unter CC-Lizenz (BY-SA 3.0)
Abbildung: Mikkel Bjerregård / Wikimedia Commons unter CC-Lizenz (BY-SA 3.0)

Wird die Lampe an einer bestimmten Stelle auf dem Boden im Kreis bewegt, bedeutet das „Schau dort hin“.

 

Allgemein gilt:

  • Die Lampe wird beim Tauchen immer ruhig geführt und hin- und her geschwenkt. Der Guide wird das Licht auch für die Orientierung benötigen, sollte aber nicht allzu hastig damit herumfuchteln, um die Ruhe des Nachttauchens zu wahren und die anderen Taucher nicht zu verwirren.

 

  • Wichtig ist, das Blenden der Tauchpartner mit der Tauchlampe unbedingt zu vermeiden. Dazu können diese Lichtzeichen auch in Richtung des Bodens gemacht werden. Allerdings kann es dann zu Missverständnissen zwischen „OK“ und „Schau dort“ kommen.
Abbildung: Mikkel Bjerregård / Wikimedia Commons unter CC-Lizenz (BY-SA 3.0)
Abbildung: Mikkel Bjerregård / Wikimedia Commons unter CC-Lizenz (BY-SA 3.0)
  • Häufig wird daher auf die Lichtsignale verzichtet und stattdessen werden die Handzeichen angeleuchtet:

 

5. Biologie: veränderte Unterwasserwelt beim Nachttauchen

 

Wie ihr vielleicht schon aus unserem ersten Beitrag zum Nachttauchen wisst, verändert sich die Unterwasserwelt nachts teilweise drastisch. Gepaart mit den erschwerten Bedingungen beim Nachttauchen ergeben sich folgende Verhaltenstipps:

  • Schlafende Fische dürfen nicht angefasst werden! Sie sind teilweise umgeben von einem fast durchsichtigen, geruchsneutralen Schutzkokon, der sie für Fressfeinde unsichtbar macht. Diesen würde man zerstören.
  • Nachts kommen viele hungrige Jäger wie Muränen, Conger und Haie aus ihren Verstecken und schwimmen frei durchs Wasser. Man sollte aufpassen, sie nicht zu verschrecken und ihnen nicht zu nahe zu kommen. Denn sie verhalten sich nachts teilweise anders als tagsüber.
  • Nachts gilt es, besonders auf seine Tarierung zu achten und Abstand zu halten zu Felsen und Korallen, um nichts zu beschädigen und sich nicht zu verletzen.
  • Lebewesen sollten nicht direkt mit der Lampe angeleuchtet werden, um sie nicht zu verschrecken. Manche Lampen lassen sich dimmen, am besten ist es aber, etwas neben die Tiere zu leuchten.

 



Sagt uns Eure Meinung!

 

Stimmt ihr uns zu oder haben wir noch etwas vergessen? Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Nachttauchen gemacht? Sagt uns Eure Meinung oder teilt uns Eure Themenideen mit: bei FacebookTwitter oder per E-Mail an dekopause@ew80.de!


Update, 22.11.2013

 

Nach einer angeregten Diskussion in der offenen Facebook-Gruppe „Erfahrungsaustausch Tauchen“ haben wir den Beitrag an ein paar Stellen modifiziert. Das betrifft das Einschalten der Lampen über Wasser und die Angabe zur Anzahl der (Backup-)Lampen. Vielen Dank für das Feedback!


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