Die 5 wichtigsten Gründe, einen Tauchgang abzubrechen


Foto: Thomas Brenner / CC-Lizenz unter http://www.flickr.com/photos/thomasbrenner/3975159756/
Foto: Thomas Brenner / CC-Lizenz unter http://www.flickr.com/photos/thomasbrenner/3975159756/

Niemand bricht gerne einen Tauchgang ab, aber Taucher müssen auch mal „nein“ sagen können. Wer sich unwohl fühlt oder mit Unerwartetem konfrontiert wird, kann und sollte über einen Abbruch nachdenken. Gründe dafür gibt es viele. Hier die fünf wichtigsten.

Es gibt einige sehr eindeutige Gründe, einen Tauchgang abzubrechen, zum Beispiel:

  • Wenn der Buddy verschwunden ist wird maximal eine Minute gesucht, dann aufgetaucht.
  • Wenn der Druckausgleich nicht funktioniert, ist der Tauchgang damit zwangsläufig beendet.
  • Wenn die Nadel des Finimeters auf 50 steht, wird der Tauchgang normalerweise ebenfalls sehr bald beendet.

Doch es gibt auch einige Gründe, die in der Praxis für Unsicherheit sorgen können.

 

Unsere Top-5-Liste:

 

1. Gruppendruck

 

Gruppendruck ist ein großes, nicht genug beachtetes Thema im Tauchsport. Wer beim Tauchen keine Rücksicht auf andere nehmen kann oder will, gehört nicht mit anderen Tauchern ins Wasser. Jeder Taucher hat aber auch die Verantwortung, vor, während und nach Tauchgängen ehrlich über sein Wohl- oder Unwohlbefinden zu sein. Wer sich unter Druck gesetzt fühlt oder seinem Tauchpartner nicht vertraut, hat das Recht, einen Tauchgang abzusagen oder abzubrechen. In unserer ausführlichen Analyse erfahrt ihr, wie Gruppendruck im Tauchsport entsteht und was das in der Praxis bedeutet.

 

2. Strömung und mangelnde Kondition

 

Während einige Taucher Strömungstauchgänge lieben, löst Strömung bei anderen eher mulmige Gefühle aus. Kritisch wird es, wenn die Kondition eines Tauchers nicht zur Strömung passt. Wer sich abstrampelt, gerät außer Atem. Wer außer Atem gerät, ist nicht entspannt, verbraucht mehr Luft, wird nervös und ist anfälliger für Panik und unüberlegte Reaktionen. Wer also wenig Erfahrung mit Strömungstauchen hat, sich generell bei Strömung unwohl fühlt oder einfach keine starke Ausdauer hat, sollte Tauchgebiete mit starker Strömung lieber meiden oder sich langsam an das Thema herantasten. Auch wer unter Wasser unerwartet mit Strömung konfrontiert wird, kann noch immer „nein“ sagen, anstatt mitten hinein zu tauchen. In einem weiteren Beitrag bei dekopause findet ihr 7 Tipps für richtiges Verhalten beim Strömungstauchen.

 

3. Sturm, Wellen und Wetterumschwünge

 

Ein Taucher entscheidet immer selbst, ob er bei heftigem Wind und Wellengang tauchen geht oder nicht. Auch wenn es ärgerlich ist, in voller Montur umkehren zu müssen: Wer am Einstieg von Wellen hin- und her gewirbelt wird und sich kaum die Flossen anziehen kann, muss damit rechnen, dass das Wasser beim Ausstieg noch unruhiger sein kann. Ich habe selbst einmal Taucher gesehen, die am Ende eines Tauchganges wegen schlechten Wetters in lebensbedrohliche Schwierigkeiten geraten sind. Wer als Spielball der Wellen unkontrolliert gegen Felsen schleudert, Wasser schluckt und zu ertrinken droht, wünscht sich sicher, er wäre an diesem Tag nicht ins Wasser gegangen.

 

4. Probleme mit der Ausrüstung

 

Wenn ein Ausrüstungsteil nicht oder nur eingeschränkt funktioniert, kann das ein triftiger Grund sein, den Tauchgang abzusagen beziehungsweise abzubrechen. Das gilt für eingeklemmte Jacket- oder Trockenanzug-Ventile, abblasende Finimeter, geplatzte O-Ringe, Automaten, die Wasser ziehen, undichte oder nicht passende Tauchermasken und viele Probleme mehr. Kleinigkeiten können hier zu fatalen Unfällen führen.

 

Folgende Maßnahmen minimieren das Risiko eines Tauchunfalls wegen Ausrüstungsproblemen:

  • Werkzeuge und Ersatzteile mitführen, die auf die Tauchausrüstung abgestimmt sind, um kleinere Reparaturen durchführen zu können.
  • Ausrüstung pflegen: Reinigung und Desinfektion sowie regelmäßige Revision durch einen Fachmann und sachgemäße Lagerung.
  • Buddy-Check vor jedem Tauchgang durchführen. 

5. Verstärktes Unwohlsein

 

Wer sich unwohl fühlt, ist nervöser als jemand, der sich wohl fühlt. Nervosität kann schützen, birgt beim Tauchen aber auch ein gewisses Risiko. Dabei sind die Gründe für das Unwohlsein unter Wasser nicht immer auf Anhieb klar. Tauchen ist Kopfsache und manchmal führen Umstände zu Unwohlsein, die an sich eigentlich keine Gefahr darstellen und dem Taucher auch gar nicht als Ursachen bewusst sind. Dazu können zum Beispiel gehören: schlechte Sicht, Dunkelheit, erschwerte Orientierung beziehungsweise ein unbekanntes Tauchgebiet, Seekrankheit, mangelndes Vertrauen in den Tauchpartner, neue oder geliehene Ausrüstung, körperliche Anstrengung, ungewohnte Verantwortung, wenig Erfahrung, Restalkohol, schlechte Tagesform und vieles mehr.

 

Deshalb gilt es, einen Tauchgang auch dann abzubrechen, langsam zu beenden oder umzuplanen, wenn man die Gründe dafür zunächst selbst nicht kennt oder als Guide nicht gleich nachvollziehen kann. Möglicherweise hilft auch ein „abschwächen“ durch Verringerung der Tiefe und / oder der Tauchgeschwindigkeit, Antreten des Rückweges und beruhigende Maßnahmen wie Augenkontakt und „Händchenhalten“.


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