Flusstauchen und Scuben in der Traun: Kopf ins Wasser, Kino gucken!


Fischreichtum, tolle Sichtweiten und eine beinahe exotische Landschaft – im Süßwasser zeigt sich diese Kombination nur selten. Im Fluss Traun in Oberösterreich jedoch steckt man nur den Kopf ins Wasser und schon geht das Unterwasser-Kino los. Alles was man tun muss, ist: sich treiben lassen.

Die Landschaft am Traunfall am Rande des Salzkammerguts erinnert ein wenig an die Tropen: über dunkelgrüne, von Moos bedeckte und rund geschliffene Felsen stürzen Wasserfälle fünf Meter in die Tiefe. Einige Felsen sind ausgehöhlt und bilden Bögen. Darunter hat die Traun eine enge Schlucht geformt. Um dort hinein zu gelangen, springen wir aus knapp vier Metern Höhe hinunter – gleich hier beginnt das Süßwasser-Abenteuer Scuben. Vier Scubing-Touren hat die Tauchbasis Atlantis Qualidive im Angebot. Am Traunfall startet Tour 1, „die Sportliche“.

Der Sprung ins leicht kühle Wasser ist die größte Herausforderung der Tour. In Schnorchelmontur stehen wir Schlange. Jeder zögert am Abgrund – mal kurz, mal etwas länger – und wer schon unten ist, feuert den nächsten oben an. Am Ende landen alle mit einem dicken Platscher und grinsend im Wasser. Wer sich den Sprung nicht zutraut, kommt mit ein wenig Geschick zu Fuß den Abhang hinunter.

 

Traumhafte, vom Fluss geformte Landschaft

 

Kurz darauf geht es durch kleine Canyons den Fluss hinab. Wir trinken das direkt aus den Felsen fließende Wasser, tauchen unter kleinen Vorsprüngen hindurch, entdecken die ersten Forellen. Der Fluss bestimmt, wie schnell wir uns fortbewegen und nimmt uns mit durch eine wahrlich traumhafte, vom Wasser geformte Landschaft. Die Felsen mal glattgeschliffen, mal wellenförmig, mal mit grünen Algen oder dichten Muschelkolonien bewachsen.

Amerikanische Flusskrebse krabbeln über Steine oder sitzen in ihren Verstecken. Sie sind vor Jahren versehentlich in den Fluss geraten. Und sie verbreiten sich so stark, dass sie die Fischbestände gefährden. Denn sie fressen Fisch-Laich. Unser Scubing-Guide nennt die Krebse deshalb eine „Pest“. Wir freuen uns trotzdem über sie.

 

Durch Stromschnellen schießen

 

Sonnenstrahlen tanzen auf dem Grund des Flussbettes und lassen die Unterwasserwelt glitzern. Als das Wasser immer schneller fließt, schwimmen Forellen fast flinker vorbei, als man gucken kann. Fotos ergeben nur noch unkenntliche Schlieren. Wir nähern uns einer Stromschnelle. Jetzt heißt es, sich langmachen, die Arme weit nach vorne strecken und durch wildes Geblubber über die flache Felslandschaft schießen. Ein großer Spaß! Ich schalte die Videofunktion ein und lasse die Kamera laufen, ohne sie kontrollieren zu können.

 

Hinter der Stromschnelle klettern wir über Felsen, hier ist das Wasser zu flach zum Scuben. Anschließend lassen wir uns weiter treiben durch die fabelhafte Landschaft, über große Barbenschwärme, durch weitere Stromschnellen, vorbei an kräftigen Forellen. Am Ausstieg lauert ein gut ein Meter großer Hecht auf Beute. Selbiges tun die Angler und Fliegenfischer oberhalb der Wasserlinie.

 

Betauchbare Tunnel und Wehreinbauten

 

In der Traun lohnt sich aber auch das Tauchen mit Pressluft. 13 Touren bietet Atlantis Qualidive an. Zu sehen gibt es Unterwasser-Schluchten, Höhlen und Tunnel zwischen zwei und 12 Metern Länge, unter Wasser liegende mittelalterliche Treppelwege und Wehreinbauten, überstaute Brunnenhäuser, versunkene Bäume, riesige Hechte, Flusskrebse, Aiteln, Barsche, Aalrutten, Barben und mit etwas Glück auch große Huchen.

 

Wir tauchen durch leichte Strömung um eine Insel herum. Auch hier gibt es kleine betauchbare Tunnel und Höhlen. An der schönsten Ecke liegen Baumstämme im Wasser. Äste und Blätter ragen von oben ins Wasser hinein. Wer sich auf den Rücken dreht und die Luft anhält, kann durch die spiegelglatte Oberfläche Himmel und Bäume sehen. Das Sonnenlicht bahnt sich in dutzenden Strahlen den Weg durch das grüne Wasser, die Blätter und das Astgewirr. Was für ein einzigartiger Anblick! Franz Pramendorfer, der die Tauchbasis zusammen mit seiner Frau leitet, nennt ihn „voll geil“.

Mein Buddy hat sich rücklings auf den Boden gelegt und starrt minutenlang in diese Idylle. Ich spreche ihn nach dem Tauchgang darauf an. Er grinst und sagt: „Das einzige, was noch gefehlt hat, war ein Engel, der von oben herab schwebt.“ Wunderschöne, kitschige Natur.


Mehr Videos vom Scubing in der Traun findet ihr in meiner YouTube-Playlist Tauchen.


Weitere Fotos vom Flusstauchen und Scuben in der Traun


Weiterführende Informationen

 

Die Traun: Die Traun ist ein Nebenfluss der Donau und rund 150 Kilometer lang. Eine bedeutende Rolle hat die Traun beim Transport von Holz und Salz durch das Salzkammergut gespielt. Mehr Infos bei Wikipedia.

Anreise: Von der A1 (Salzburg-Wien) kommend die Abfahrt Steyrermühl nehmen, dann rechts und rund drei Kilometer Richtung Lambach. Beim Steckerlfischstand auf der rechten Seite links abbiegen über die Traunfallbrücke. Nach circa 200 Metern an den Hinweisschildern „Tauchbasis Atlantic Qualidive“ wieder links abbiegen. Oder wenig später links den Hinweisschildern zur Tauchbasis „Magic Dive“ folgen.

 

Tauchbasen: Die Traun wird von zwei lokalen Tauchbasen betaucht: Atlantis Qualidive von Ursula und Franz Pramendorfer und Magic Dive von Harald Buchner.

 

Tauchbasis Atlantis Qualidive: Die Tauchbasis ist die nach eigenen Angaben erste österreichische Flusstauchbasis. Sie wurde 1993 eröffnet und 2004 direkt am Traunfall neu gebaut. Hier werden maximal 40 Taucher pro Tag aufgenommen, Anmeldung besonders am Wochenende empfehlenswert! Die Tauchbasis ist super ausgerüstet: Flaschen- und Bleitransport per E-Mobil, warme Dusche draußen, Waschbecken für die Ausrüstung, Verleih, Sauna, Infrarotkabine, beheizter Aufenthaltsraum, Umkleidekabinen, Toilette, Liegewiese mit Grillstellen, Gasthof direkt nebenan, Getränke gibt es an der Basis. Und: Hier geht der Chef noch selbst ins Wasser – nach so vielen Jahren durchaus ungewöhnlich. Weitere Infos, u.a. zu Touren, Unterkünften und Preisen

 

Flusstauchen und Scuben: Flusstauchen und Scuben (Flussschnorcheln) sind nicht gefährlich, wenn man die Anleitung der Basis befolgt. Im Sommer reicht ein 7mm-Nassanzug oder ein Halbtrocki, das Wasser ist wirklich nicht kalt. Die Traun eignet sich hervorragend für UW-Fotografen und -Filmer, allerdings sind beim Scuben wegen der Stromschnellen kompakte Kameras empfehlenswert. Atlantis Qualidive bietet 13 Tauchtouren mit einer maximalen Tiefe von 18 Metern und vier Scubing-Touren an. Das Scuben ist immer geführt. Beim Scuben sieht man immer mehr Fische als beim Tauchen. Landschaftlich wunderschön ist Tour 1, massig Fische und große Schwärme sieht man dagegen auf der sechs Kilometer langen „5000-Fische-Tour“.

 

Beste Tauchzeit: Beste Tauchzeiten sind Januar bis März und Mitte Juni bis Ende Oktober. Mitte Mai bis Anfang Juni ist Hochwasser, hier ist tauchen meist nicht möglich und das Scuben wird zum Wildwasser-Scuben mit weniger Sicht und mehr Speed. Die Sichtweite beträgt fünf bis an manchen Stellen 20 Meter. Zwei bis drei Tage Aufenthalt lohnen sich an der Traun.

 

Ausflüge: Es lohnt sich, das Salzkammergut mit seinen zahlreichen Seen zu erkunden. Zahlreiche sportliche Aktivitäten von Wandern über Segeln bis zu Canyoning und vielem mehr sind hier möglich. Und: Der Attersee, einer der beliebtesten Tauchseen Österreichs, liegt nur eine knappe halbe Stunde entfernt: Hier geht’s zu unserem Bericht vom Attersee.


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