Wer ist der "Inverkehrbringer"?

Autoren: Hanno von Roth, Markus Müller


INVERKEHRBRINGER - Solch ein Wortungetüm kann faktisch nur ein Wortkonstrukt der erfindungsreichen EU-Regulierungsbehörde, nebst ihrer regelungswütigen EU-Beamten sein! Wie so häufig versucht die EU mit immer neuen, fragwürdigen und teilweise auch unnötigen Vorschriften und Gesetzen krampfhaft an Profil zu gewinnen.


Durch die Aufregung über das Monstrum der DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) wurde ganz übersehen, dass besagte EU-Beamte eine weiteres Gesetz "auf den Markt" gebracht haben, das von den betroffenen Firmen und deren Kunden weitgehend unbeachtet geblieben ist: Die neue Verordnung über die Behandlung der "Persönlichen Schutzausrüstung". Und diese EU-VO 2016/425 hat es in sich, denn hier kommt der "Inverkehrbringer" ins Spiel: Jeder Hersteller, Importeur, Händler usw., der persönliche Schutzausrüstungen - in unserem Fall Tauchausrüstungen - auf den Markt bringt, ist ein solcher "Inverkehrbringer" und unterliegt der strafbewehrten PSA-VO. 


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Und hier haben sich die EU-Bürokraten mal etwas Gutes ausgedacht: Bisher wurden Tauchausrüstungen dem Warenverkehr in Richtung Endkunde oder Wiederverkäufer hauptsächlich ohne konkrete und detaillierte Anweisungen zur Reinigung und Desinfektion zugeführt. Durch die neue EU-VO 2016/425 ist dem Hersteller dieses Handeln zukünftig untersagt. Es wird hier ein strafbewehrter, rechtlich sicherer Raum geschaffen, der letztlich den Nutzer und sein höchstes Gut, nämlich seine Gesundheit, konsequent schützt.   

Aber nicht nur Hersteller und Händler geraten durch die Verordnung ins Visier der EU-Aufsicht. Auch auch auf die Verleiher wird durch die Verordnung richtigerweise immer mehr Druck ausgeübt, ihren Kunden, also den Benutzern der Leihausrüstung ein geeignetes Reinigungs- und Desinfektionsmittel zur Nutzung zu nennen. Die Intention der EU ist es hier, dass auch Verleiher endlich selbst konsequent und nachhaltig in Aktion treten, die entsprechenden Produkte zur Reinigung und Desinfektion anzuwenden. Und hier ist z.B. nicht nur der Atemregler, sondern die gesamte Ausrüstung, von den Füßlingen, über den Anzug, bis zur Maske gemeint! Ein Vorgang der längst überfällig und nötig ist, denn insbesondere im Verleihgeschäft, ist die Keim- und Bakterienbelastung an der Ausrüstung exponentiell hoch. 

 

Aber unabhängig ob es sich um die private oder geliehene Ausrüstung handelt, mantraartige Aussagen wie z.B. „…die beste Desinfektion ist, einfach durch Salzwasser ziehen“ oder „…die beste Desinfektion findet bei 30 Grad im Schonwaschgang statt“, die immer wieder gerne herangezogen werden und als probates Mittel der Argumentation gelten, darf man mittlerweile getrost nicht mehr ernst nehmen und der Kategorie ‚Relikte einer längst vergangenen Zeit‘ zuordnen. Der moderne Taucher ist unaufhaltbar im neuen Jahrtausend angekommen und für ihn gehören, neben den ganzen innovativen Equipmentneuerungen, wie selbstverständlich auch die Reinigung und Desinfektion zum unbeschwerten Taucherlebnis dazu. Hier ist die Argumentation genau gegensätzlich: Es wird darüber gesprochen, dass man seine Unterwäsche und Socken schließlich auch täglich wechselt und geliehene gar nicht erst anziehen würde, wenn sie nicht ordnungsgemäß desinfiziert würde.

Doch warum treibt die EU das Thema mittlerweile mit voller Härte und einem strafbewehrten Machtwort so stringent voran? 

Sicher aus zweierlei Gründen: 

 

Zum Einen, weil, was viele nicht wissen, dieser Verordnung erst einmal nur eine Richtlinie voran ging, um die sich, zum Leidwesen der EU, jedoch fast niemand geschert hat. Die EU war hier durchaus bereit, das Thema sanft und mit Glaceehandschuhen an die Inverkehrbringer heranzutragen, was diese jedoch, mit vereinzelten Ausnahmen, nahezu im Kollektiv mit einem müden Lächeln in der nächsten Schublade verschwinden ließen. 

 

Zum Anderen, was an dieser Stelle einfach noch schwerer wiegt, schlicht zum Schutz des Menschen!  Hier geht es mal nicht um Banalitäten wie die Krümmung der Banane oder um die Frage, ob nun Sommerzeit ja oder nein. Wenn es um die Sicherheit und Hygiene beim Tauchen geht, darum Leben und Gesundheit der Taucher zu schützen, hört endlich der Spaß auf und Brüsseler Ernst beginnt: Zum Glück in diesem Fall mit der Verordnung über die Aufbereitung der "Persönlichen Schutzausrüstung"! Was bei Berufstauchern seit vielen Jahren gesetzlich vorgeschrieben und dementsprechend der Gold-Standard ist, wird nun endlich auch im privaten Tauchsegment durchgesetzt. Reinigung und Desinfektion soll die Funktionsfähigkeit sowie die einwandfreie Hygiene der Ausrüstung sichern und dadurch die Gesundheit des Tauchers schützen. Oft erkrankt der Taucher viele Tage nach dem Taucherlebnis. Die Herkunft von Fieber, Übelkeit oder schlimmeren Erkrankungen kann er sich weder erklären noch einen Zusammenhang zwischen z.B . der Leihausrüstung und der Krankheit herstellen.

 

Viele "Inverkehrbringer" haben in der Zwischenzeit ihre Ausrüstungen mit EW80-Produkten testen lassen (siehe unten) und empfehlen wegen der ausgezeichneten Materialverträglichkeit das Reinigungsmittel ‚EW80 clean‘ und das Desinfektionsmittel ‚EW80 des‘.

 

Der informierte Taucher sollte sich also dafür interessieren, ob die zu kaufende PSA in der Gebrauchsanweisung Vorgaben über die Produkte zur Aufbereitung besitzt, die ihm durch eine hohe Materialverträglichkeit die ständige Funktion sichert. Ebenfalls sollte er bei der Auswahl der Tauchschule oder Tauchbasis nachfragen, ob die Ausrüstung entsprechend der PSA-Verordnung hygienisch einwandfrei nach dem vorher gehenden Tauchgang desinfiziert wurde. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken!



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Kommentare: 1
  • #1

    _DER_ Taucher (Montag, 25 November 2019 09:33)

    Ich habe einen großen Tauchshop, mir darüber aber noch nie Gedanken gemacht... War mir auch ganz neu! Warum erfährt man als EU-Bürger/Unternehmen so wenig über solche Verordnungen und warum richten sich die Hersteller nicht nach der Gesetzgebung? Werde mal die Manuals meiner Waren checken und ggfls. die Hersteller um Stellungnahme bitten.

    Wie so oft, interessanter Artikel @dekopause-Team.