Seekrankheit: Symptome und Tipps zur Vorbeugung mit Medikamenten und anderen Mitteln

Autorin: Sonja Kaute


Seekrankheit-Tauchen-Symptome-Medikamente-Vorbeugung.jpg / FtLaudGirl / iStock.com
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Der Tag kann noch so schön, das Tauchgebiet noch so faszinierend sein: Seekrankheit kann alles ruinieren. Deshalb ist es für Taucher besonders ärgerlich, unter Seekrankheit zu leiden. Wir zeigen auf, wie Seekrankheit entsteht, welche Symptome dafür typisch sind und wie man mit Medikamenten oder anderen Mitteln Seekrankheit vorbeugen kann.    

Wer für Seekrankheit anfällig ist, kennt vermutlich den ein oder anderen Tipp im Umgang mit den Symptomen. Manche davon sind gut, andere weniger gut oder sie funktionieren schlicht nicht bei jedem oder in jedem Fall. Und vor allem wirken einige davon nur, wenn man sie zum richtigen Zeitpunkt anwendet. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Seekrankheit:

 

Warum werden wir seekrank?

 

Seekrankheit ist eine Form der Reise- und Bewegungskrankheit. Diese kann dann entstehen, wenn unsere Sinneseindrücke widersprüchliche Informationen aufnehmen. Das betrifft insbesondere das Gleichgewichtsorgan im Ohr, das, wenn wir zum Beispiel auf einem Boot sitzen, Drehbewegungen und Beschleunigung wahrnimmt. Hinzu kommt die Wahrnehmung über die Augen und die Rezeptoren, die dem Gehirn vermitteln, ob und wie sich unsere Muskeln bewegen. Diese Eindrücke widersprechen sich zum Beispiel bei Wellengang während einer Bootsfahrt: Das Auge vermittelt, dass sich das Innere des Bootes nicht bewegt, alles darum herum aber schon. Die Muskeln bewegen sich nicht, das Gleichgewichtsorgan vernimmt aber, dass der Körper schaukelt. Ähnlich ist es, wenn man als Taucher zum Beispiel über wogenden Kelp schwebt: Die Muskeln bewegen sich kaum, der Körper schwankt aber und die Augen sehen abwechselnd wogenden Kelp und stillstehenden Boden. Das Gehirn empfängt somit Informationen, die nicht zusammenpassen. Und daraus entsteht, wenn man Pech hat, Seekrankheit.

 

Warum wird nicht jeder Mensch seekrank?

 

Manche Menschen sind anfälliger für Seekrankheit als andere. Auf Tauchbooten ist das gut zu beobachten. Während die einen ruhig dasitzen und unbehelligt umherlaufen, sich unterhalten und essen können, hängen die anderen über der Reling, können nichts bei sich behalten und man kann ihnen an der weißen, manchmal fast grünlichen Gesichtsfarbe ansehen, wie schlecht es ihnen geht. Heftige Seekrankheit, die man über Stunden aushalten muss, kann nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine echte Belastung sein. Wer noch nie selbst seekrank war, kann das kaum nachvollziehen. Doch sollte man sich nie zu sicher sein, dass man nie seekrank wird. So manch einer hat schon eine böse Überraschung erlebt.

 

„Jeder Mensch kann in jeder Phase seines Lebens von Reisekrankheit betroffen sein“, heißt es bei Wikipedia. Das gelte auch für Seeleute, die ein Leben lang unbehelligt auf See waren. „Obwohl die individuelle Neigung zur Reisekrankheit sehr unterschiedlich ausfällt, lassen sich durch entsprechend harte Versuchsbedingungen bei jedem Menschen mit gesundem Gleichgewichtsorgan Symptome auslösen.“

 

Symptome von Seekrankheit

 

Seekrankheit beginnt oft mit leichten, beinahe unauffälligen Symptomen: Müdigkeit und häufiges Gähnen, Kopfschmerzen, verstärkter Speichelfluss, leichtes Schwitzen oder Frösteln, man fühlt sich etwas unwohl. Steigert sich die Seekrankheit, kommen weitere Symptome hinzu:

  • Schwindelgefühl
  • kalte Schweißausbrüche
  • starke Blässe im Gesicht
  • große Schläfrigkeit
  • Desinteresse, langsame Reaktionen bis hin zur Lethargie
  • starke Übelkeit und Sodbrennen
  • Erbrechen, wobei dies nur kurzfristig Erleichterung bringt

Die Symptome werden wellenartig schlimmer und können auch über Stunden, sogar Tage anhalten. Der starke Brechreiz kann auch dann noch weitergehen, wenn der Magen leer ist, so dass eine Dehydrierung droht – was insbesondere bei Tauchern gefährlich ist. Seekrankheit kann sich tatsächlich steigern bis zu einer depressiven Verstimmung und dem Gefühl, am liebsten sterben zu wollen. Besonders schwer Betroffene können sich selbst auf hoher See gut vorstellen, über Bord zu springen.

 

Kann man auch unter Wasser seekrank werden?

 

Klare, wenn auch unerfreuliche Antwort: Und ob! Es gibt Taucher, die behaupten, die Seekrankheit würde aufhören, sobald man im Wasser ist. Man solle also sein Tauchgerödel fertigmachen - auch wenn dies die Seekrankheit noch verschlimmert - und zusehen, dass man schnell ins Wasser kommt. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Man auch an der Wasseroberfläche und selbst beim Tauchen seekrank sein und dann kann das nicht nur den Tauchgang versauen, sondern einen obendrein vor die Herausforderung stellen, sich unter Wasser übergeben zu müssen. Übrigens: Im Normalfall sollte man den Atemregler dabei im Mund behalten. Die meisten Atemregler kommen damit klar und eine leichte, kurzfristige Verschmutzung ist besser als das Risiko, den herausgenommenen Atemregler nicht mehr wiederzufinden, bevor der Atemreiz einsetzt. Im Fall der Fälle sollte man den Atemregler nach dem Tauchgang natürlich vernünftig reinigen.

 

Seekrankheit vorbeugen: Die besten Tipps

 

Ist die Seekrankheit einmal ausgebrochen, ist es schwer, sie in den Griff zu bekommen. Deshalb sollte man versuchen, der Seekrankheit vorzubeugen – und zwar schon lange vor Betreten des Bootes:

  • Tauchplatz und Boot gut wählen: Wer vor allem auf kleineren Booten seekrank wird, sollte sich vielleicht eher auf größere Boote begeben oder auf Tauchgänge von Land konzentrieren. Und wer weiß, dass er in einem Gebiet mit starkem Wellengang oder bei entsprechendem Wetter unterwegs sein wird, sollte besonders auf die folgenden Punkte achten.
  • Kein Alkohol am Abend vor einer Bootsfahrt oder -safari. Alkohol, selbst kleinere Mengen davon, kann die Wahrscheinlichkeit, am nächsten Tag seekrank zu werden, deutlich erhöhen.
  • Genug schlafen: Wer körperlich und psychisch ausgeruht und fit ist, ist weniger anfällig.
  • Tabletten oder andere Mittel gegen Seekrankheit nehmen. In Deutschland sind leichtere Medikamente und Mittel gegen Reisekrankheit zu finden: Pflaster, Kautabletten, Armbänder mit Akupunktur-Effekt, Medikamente gegen Schwindel oder Übelkeit. Diese schlagen aber nicht bei jedem von Seekrankheit Betroffenen gleich gut an. Im Ausland gibt es besonders in Ländern, in denen Bootsfahrten zum Alltag gehören, gute Medikamente gegen Seekrankheit. Es kann sich lohnen, vor Ort in eine Apotheke zu gehen und nach dem passenden Medikament zu fragen. Dabei sollte man beachten, dass die meisten Mittel müde machen und sie wegen weiterer möglicher Nebenwirkungen nicht alle geeignet sind, um unter ihrem Einfluss tauchen zu gehen. Dazu sollte man sich beraten lassen. Eventuell gibt es ein passendes Medikament auch auf dem Tauchboot, aber, ganz wichtig: Man muss diese Medikamente frühzeitig nehmen, sonst wirken sie nicht. Das heißt: Mindestens morgens ein paar Stunden vor dem Bootstrip, eventuell sogar am Tag davor. Eine Einnahme bei den ersten Symptomen ist zu spät.
  • Richtig essen und trinken: Man sollte viel trinken, aber Getränke wie Kaffee, Alkohol und schwarzen Tee eher meiden, wenn der Magen sowieso schon aufgewühlt ist. Auch stark gekühlte Getränke können den angeschlagenen Magen reizen. Bei den Mahlzeiten sollte man wenn möglich auf scharfes, fettiges und säurehaltiges Essen verzichten. Je nach Versorgung auf dem Boot kann das eine Herausforderung sein, aber nicht essen ist keine ernsthafte Option: Ein leerer Magen ist ebenso kontraproduktiv wie ein überfüllter. Es kann sinnvoll sein, Snacks wie salzige Cracker im Gepäck zu haben.
  • Ingwer-Bonbons oder -kaugummi, Knoblauch, Pfefferminzöl hinter den Ohren: Diese drei Mittel sollen manchen Seekranken ebenfalls helfen. Ob dies individuell der Fall ist, muss jeder für sich herausfinden. Vorbeugend einpacken schadet zumindest nicht.

Wenn die Seekrankheit doch ausbricht…

 

Wenn alles Vorbeugen nicht hilft, die Seekrankheit trotzdem ausbricht, gibt es noch ein paar Tipps, wie man versuchen kann, sie im Zaum zu halten. 

  • Hinlegen und Augen schließen. Damit schaltet man einen der Sinne, die widersprüchliche Informationen ans Gehirn senden, quasi aus. Einschlafen kann die Symptome verringern.
  • Frühzeitig Rausgehen an Deck, denn im Innenraum des Bootes wird die Seekrankheit schlimmer. Das gilt insbesondere für Räume ohne Fenster wie vielleicht die Bord-Toilette oder die Schlafkabine. An Deck sollte man sich dort aufhalten, wo das Boot am wenigsten schaukelt, also eher mittig als an Bug oder Heck. Wichtig ist auch, dass man keine Abgase oder sonstige schlechte Luft einatmet.
  • Den Horizont ansehen oder einen Punkt an Land fixieren. Klingt komisch, es hilft aber, den Blick auf die Linie zwischen Meer und Himmel oder auf feste Punkte an Land zu richten. Lesen, andere Personen ansehen oder das Hinabschauen zur Tauchausrüstung beim Anrödeln verschlimmern die Symptome der Seekrankheit.
  • Summen oder Singen: Dem ein oder anderen soll es helfen, gegen die Übelkeit und den Brechreiz anzusummen oder zu -singen.

Wenn nichts hilft gegen den Brechreiz…

 

An Bord: Wenn der Brechreiz an Bord nicht zu bekämpfen ist, gibt es trotzdem noch ein paar wenige Tipps. Auf manchen Safaribooten gibt es Tüten für den Fall der Fälle und wenn man nicht umhinkommt, die „Fische zu füttern“, sollte man unbedingt versuchen, dabei auf der windabgewandten Seite des Bootes zu sein, um die anderen Gäste nicht zu bespritzen.

 

Unter Wasser: Wenn man sich unter Wasser übergeben muss, sollte das Mundstück im Mund behalten werden, damit man beim Atemreflex nach dem Erbrechen gleich wieder Luft bekommt. Die meisten Atemregler dürften das Erbrochene problemlos nach außen leiten, eine ordentliche Reinigung [SKa3] anschließend macht natürlich trotzdem Sinn. Und man kann natürlich beim Tauchgang auf den Ersatz-Regler zurückgreifen, wenn der Hauptregler verdreckt ist.



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