James Cameron stellt sich im Marianengraben der „DeepSea Challenge“


James Cameron, Filmemacher und Unterwasser-Pionier, wird in Kürze einen Tiefenrekord angehen, auf den die Welt seit über 50 Jahren wartet. Acht Jahre lang hat der Kanadier an einem Tauchboot getüftelt, das diese Mission aushält. Jetzt ist es so weit, die „DeepSea Challenge“ startet in den nächsten Wochen.

Um „Fischologie, Fischolosophie, Metafischiges und eine Prise Science Fischktion“ geht es im neuen Werk von Gerhard Wegner. In „Das wahre Buch der Fische“ skizziert der Präsident von Sharkproject in humorvollen, selbstgezeichneten Cartoons eine Welt unter fischiger Herrschaft – böse Seitenhiebe inklusive.

James Cameron unternimmt derzeit die letzten Tests, um mit seinem grünen Mini-U-Boot zum tiefsten Punkt der Erde zu tauchen – in den Marianengraben  im Westpazifik auf rund 11.000 Metern Tiefe. Bereits während einer dieser Testfahrten hat Cameron einen Tiefenrekord gebrochen: Seine „DeepSea Challenger“ ist schon jetzt das bisher am tiefsten getauchte bemannte Mini-U-Boot der Welt, Cameron der Pilot, der in der Geschichte der Menschheit mit einem einsitzigen Tauchboot die größte Tiefe erreicht hat. Die Tiefsee-Expedition von James Cameron mutet an wie einer seiner Filme: In „The Abyss“ geht es um die Crew eines Mini-U-Bootes, die in großer Tiefe um ihr Überleben kämpft. Untertitel des Films: „Abgrund des Todes“.

 

Bis heute einzige bemannte Tauchfahrt in den Marianengraben

 

Die erste und letzte Tauchfahrt in den tiefsten Punkt des Marianengrabens wurde zu Jaques Cousteaus Zeiten unternommen: 1960 starteten sein Kollege Jacques Piccard und Don Walsh mit dem Tauchboot „Trieste“ in die Tiefe. Für den Hinweg brauchten sie fünf Stunden, drei für den Aufstieg. Auf dem Grund verbrachten sie nur 20 Minuten – eingehüllt in einen dicken Nebel aus durch die Landung aufgewirbelten Sedimenten. Gesehen haben sie so gut wie nichts und somit auch keine Fotos gemacht. Diese Tauchfahrt ist bis heute die einzige bemannte Tauchfahrt in den Marianengraben geblieben. Alles, was wir von dort unten wissen, stammt aus wenigen Momentaufnahmen von Roboterkameras.

 

„Natürlich bin ich besorgt“

 

James Cameron sieht sich ein halbes Jahrhundert später wesentlich besseren Bedingungen gegenüber als das erste Expeditionsteam: Er wird mit seiner „DeepSea Challenger“ vermutlich keine zwei Stunden bis zum Grund brauchen und dort bis zu sechs Stunden lang bleiben können. Genug Zeit, um Proben zu sammeln und die Umgebung auf Fotos und Videos zu dokumentieren. Dennoch, der Trip wird alles andere als einfach: Cameron wird sich in der Enge des Tauchbootes kaum bewegen können, die Kommunikation mit dem Team an der Oberfläche wird schwierig, vielleicht sogar unmöglich sein. „Natürlich bin ich besorgt“, sagt Cameron im folgenden Video von National Geographic. „Und das ist gut so als Forscher“, fügt er hinzu.

„DeepSea Challenge“ hat bereits vor offiziellem Start zwei Todesopfer gefordert: Andrew Wight und Mike deGruy, Mitglieder des Expeditionsteams von James Cameron, kamen im Februar bei einem Helikopter-Absturz ums Leben (siehe Beitrag hier im Magazin).

 

Beklemmungsgefühle und Spannung

 

Beim ersten Betrachten des Videos ist mir eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen. Wenn ich Cameron eingequetscht zwischen Instrumenten und Ausrüstung in der nur 109 Zentimeter breiten Pilotenkapsel des Tauchbootes sitzen sehe und mir vorstelle, wie er damit 11 Kilometer durch die Finsternis hinabsteigt – alleine – kriege ich Beklemmungsgefühle. Gleichzeitig klopft das Herz vor Spannung über mögliche neue Entdeckungen. Cameron zitiert in dem Video Jacques Cousteau, der oft sagte: „Wenn wir wüssten, was wir entdecken werden, müssten wir nicht danach suchen.“

 

Niemand weiß, ob es dort Fische gibt

 

Tatsächlich weiß James Cameron nicht, was ihn im Marianengraben erwartet. Nicht einmal, ob es dort Fische gibt, ist bekannt. Cameron: „Möglicherweise gibt es sie nicht, weil das Kalzium in ihren Knochen sich unter solch hohem Druck einfach auflösen würde.“ Camerons Tauchboot wird durch den enormen Wasserdruck im Marianengraben etwa 6,4 Zentimeter zusammengedrückt werden . Zahlen wie diese verdeutlichen, dass es sich wahrlich um eine Challenge, eine Herausforderung, handelt. Meine Daumen sind gedrückt!

 

Update, 26. März 2012

 

James Cameron hat am Abend des 25. März (deutscher Zeit) seine Tauchfahrt in den Marianengraben begonnen und ist am frühen Morgen des 26. März gesund zur Oberfläche zurückgekehrt. Als er den Grund des Marianengrabens erreichte, twitterte er: „Bin gerade am tiefsten Punkt der Erde angekommen. Den Grund zu erreichen hat sich noch nie so gut angefühlt. Ich kann’s kaum erwarten, das, was ich sehe, mit euch zu teilen.“ Internationale Meeresforscher, darunter einer der Enkel von Jacques Cousteau, und Prominente gratulierten dem Rekordler.

 

Das Abtauchen dauerte gut zweieinhalb Stunden, etwa drei Stunden verbrachte Cameron auf dem Grund. Cameron sagte später, die Tiefsee sei ihm wie ein anderer Planet vorgekommen. Sie sei dunkel, einsam und verlassen. (Hier gibt’s ein erstes Video nach der Tauchfahrt.)

 

Welche neuen Erkenntnisse Cameron von dort unten mitgebracht hat, muss erst noch ausgewertet werden. Über seine Tauchfahrt will der Filmemacher eine Dokumentation anfertigen. Sicher ist, dass er mit seiner Tauchfahrt ein neues Zeitalter der Tiefseeforschung eröffnet hat. Die Nachricht über die bestandene „DeepSea Challenge“ ging in den folgenden Tagen um die Welt.

 

Weitere Fotos zur „DeepSea Challenge“


Mehr Informationen zur „DeepSea Challenge“

 

In diesem Video wird die Tauchfahrt in den Marianengraben in einer Minute zusammengefasst und in Relation zu anderen Tiefenrekorden gestellt:

 

http://video.nationalgeographic.com/video/environment/habitats-environment/habitats-oceans-env/cameron-how-deep/

 

 

Wer die Expedition verfolgen will, kann dies unter anderem via Facebook und Twitter tun.


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