Was man beim Tauchen und Fliegen beachten muss: Probleme, Wartezeit, Tipps

Autor: Sonja Kaute


iStock.com / ViktorCap
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Wer taucht, der fliegt – und das nicht nur schwerelos durchs Wasser, sondern früher oder später auch mit dem Flugzeug. Beim Fliegen gibt es für Taucher allerdings einiges zu beachten. Denn wie ein zu schnelles Auftauchen kann das Fliegen im eine Dekompressionskrankheit auslösen. Die wichtigsten Infos und Tipps.

Es gibt eine ganze Reihe von Aspekten, die Taucher beachten sollten, wenn sie fliegen müssen. Folgende Faktoren muss man beim Tauchen und Fliegen berücksichtigen, um das Risiko eines Dekompressionsunfalls zu minimieren:

  • Der Kabinendruck in Flugzeugen entspricht in etwa einer Höhe von rund 2.500 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit geringer als der Umgebungsdruck an Land (rund 0,75 bar im Vergleich zu 1 bar Umgebungsdruck). Diese Druckminderung in der Flugzeugkabine kann zu Dekompressionsbeschwerden führen. Diese können auch noch eine ganze Zeit nach dem letzten Tauchgang auftreten. Denn: Wie beim zu schnellen Aufstieg im Wasser, fällt auch beim Aufstieg in die Luft der Druck relativ schnell ab.
  • Mit sinkendem Umgebungsdruck steigt das Risiko, dass der durch das Tauchen im Körper gelöste Stickstoff ausperlt und zur gefährlichen Blasenbildung führt. Maßgebend für die Stickstoffsättigung sind insbesondere die Tauchtiefe, die Zeit am Grund und die Anzahl der Tauchgänge, die vor dem Flug durchgeführt wurden.
  • Das Risiko steigt, wenn mehrere Tauchgänge pro Tag über mehrere Tage in Folge durchgeführt werden. Das gilt natürlich insbesondere für Taucher, die auf Tauchsafaris unterwegs sind. Generell kann man sagen: Wer konservativ taucht, ist auch beim Thema Tauchen und Fliegen einem geringeren Risiko ausgesetzt.
  • In der Kabinenluft ist weniger Sauerstoff enthalten als in der normalen Umgebungsluft. Die Sauerstoffsättigung im Körper nimmt daher während des Fluges ab. Auch dies erhöht das Risiko einer Dekompressionskrankheit.
  • Die Kabinenluft im Flugzeug ist trockener als die Luft an Land. Dem Körper wird Feuchtigkeit entzogen, vor allem verliert er sie über die Atemluft. Es ist daher vor allem bei Langstreckenflügen ratsam, im Flugzeug viel zu trinken. Es macht Sinn, schon vor dem Flug – wie generell im Tauchurlaub – dafür zu sorgen, dass man ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt. Alkohol wirkt hier eher kontraproduktiv.
  • Je mehr Zeit zwischen dem letzten Tauchgang und einem Flug liegt, desto geringer ist das Risiko. Empfohlen werden mindestens 24 Stunden. Wurden viele Wiederholungstauchgänge gemacht, dekompressionspflichtige Tauchgänge durchgeführt oder Dekostopps ausgelassen, ist eine Wartezeit von bis zu 48 Stunden ratsam. Auch, wenn es schwerfällt, am letzten oder vielleicht zusätzlich vorletzten Urlaubstag nicht mehr tauchen zu gehen: Sicherheit geht vor.
  • Tauchcomputer zeigen heute die No-Fly-Time an. Man kann sie als Richtwert nutzen, aber es wird viel diskutiert, ob man sich vollends darauf verlassen sollte. Mit wie viel Stickstoff der eigene Körper tatsächlich gesättigt ist, kann ein Tauchcomputer nicht sagen. Dafür spielen zu viele individuelle Faktoren eine Rolle. Es ist ratsam, zur Sicherheit einen Zeitpuffer hinzuzurechnen.
  • Laut einer Feldstudie von DAN zum Thema Tauchen und Fliegen gibt es Taucher, die kaum oder sogar keine Blasen bilden und solche, die prädestiniert sind für eine erhöhte Blasenbildung. Gerade für Letztere sollte die Pause zwischen letztem Tauchgang und Flug länger sein, rät DAN. Die meisten Taucher dürften allerdings nicht wissen, zu welcher Gruppe sie gehören. Auch das ist ein Argument für einen zusätzlichen Zeitpuffer.
  • Es macht unbedingt Sinn, im Tauchurlaub konsequent ein und denselben Tauchcomputer zu benutzen. Nur dieses Gerät kann alle durchgeführten Tauchgänge tatsächlich berücksichtigen. Vorsicht ist vor allem dann angesagt, wenn es sich um ein Leihgerät handelt, das man übernimmt, nachdem der eigene Körper schon vorgesättigt ist. Diese Vorsättigung wird dann beim Tauchen und Berechnen der No-Flight-Time nicht berücksichtigt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn man die Tauchbasis wechselt und keinen eigenen Tauchcomputer hat. Wer ein eigenes Gerät hat, sollte dieses in den Urlaub mitnehmen und nur selbst damit tauchen.
  • Wer bereits an Land Symptome einer Dekompressionskrankheit bemerkt, sollte einen Arzt aufsuchen und auf keinen Fall einen Flug antreten. Erst nach dem vollständigen Abklingen aller Symptome und einer gewissen Zuschlagszeit aus Sicherheitsgründen darf wieder getaucht oder geflogen werden.

 

Übrigens: Ein gewisses Risiko besteht auch, wenn man kurz nach dem Fliegen tauchen geht. Dehydratation des Körpers durch die trockene Luft in der Flugzeugkabine und wenig Trinken während der Reise, Austrocknung oder Reizung der Schleimhäute, der Stress vom Reisen, eine eventuelle Zeitumstellung und Übermüdung belasten den Körper. In der Folge kann es sein, dass der Taucher nicht fit ist, um gleich voll bepackt ins Wasser zu springen, auch wenn die Verlockung groß ist. Deshalb sollte man sich gut überlegen, ob man nicht lieber erst einmal ankommt, sich akklimatisiert und entspannt und erst nach einer guten Mütze Schlaf und Flüssigkeitszufuhr tauchen geht.


Wir haben viele Tipps und Infos zur Tauchsicherheit im Magazin:

dekopause – Thema Tauchsicherheit


Hintergrund: Dekompressionsunfälle durch Stickstoff

 

Eine Ursache für viele Tauchunfälle ist der durch den unter Wasser erhöhten Druck im Körpergewebe gelöste Stickstoff. Dieser wird vor allem über den Atem abgegeben und erst, wenn dies vollständig geschehen ist, ist der Körper wirklich entsättigt. Verringert sich der Druck, zum Beispiel beim Aufstieg am Ende eines Tauchgangs, beim Notaufstieg oder beim Aufstieg in die Luft (also beim Fliegen), kann der noch im Körper vorhandene Stickstoff wie nach dem Schütteln und schnellen Öffnen einer Mineralwasserflasche Blasen bilden und so einen Dekompressionsunfall auslösen – auch noch Stunden nach dem Tauchgang. Mögliche Symptome: heftige Gelenkschmerzen (sogenannte Bends), Hautjucken (Taucherflöhe genannt), Lungenfunktionsstörungen, Störungen des Nervensystems bis hin zu im schlimmsten Fall Schlaganfall, Querschnittslähmung und Tod.


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