„Ich habe die Arbeit immer dabei“ – Interview mit Bettina Winert von der Der Taucherblog und BlueLocar

Autorin: Sonja Kaute


Bettina Winert bloggt unter Der Taucherblog übers Tauchen. Jetzt hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht: beim Start-Up Blue Locar in Wien. Ein Gespräch über die Faszination des Tauchens, das Ortungsgerät „Ray“ und das, was Bettina an der Tauch-Community nervt.

Warum hast Du im März 2015 angefangen, über Deine Tauchreisen zu bloggen? Und was hat sich dadurch für dich verändert?

 

Ich habe immer schon viel fotografiert und meine Fotos eigentlich immer nur bei Facebook geteilt. Irgendwann wollte ich meine Reisen auch beschreiben. Daher habe ich mich entschlossen, einen Blog zu machen. Ich habe durch den Blog während meiner Reisen mehr zu tun, ich mache mir Notizen und sortiere Fotos aus. Die größte Veränderung ist sicherlich, dass die eigenen Fotos und Artikel plötzlich von vielen Leuten gelesen und kommentiert werden, die ich nicht kenne. Da musste ich mich erst dran gewöhnen, da mein Blog einfach sehr persönlich und authentisch ist. Das ist mein Leben, das da drin ist und ich bin damit öffentlich im Netz.


Möchtest Du vor allem Frauen für den Tauchsport begeistern?

Eigentlich nicht, vielleicht wirkt das so, weil ich eine Frau bin. Ich möchte mit meinem Blog Frauen und Männer gleichermaßen erreichen und ihnen den Tauchsport einfach näher bringen. Es wartet eine Zauberwelt auf uns, sie verbirgt sich unterhalb der Wasseroberfläche. Je mehr Menschen wissen, wie wunderschön es da unten ist, desto mehr verstehen hoffentlich, wie wichtig es ist, diesen Lebensraum zu schützen und zu erhalten.

 

Du machst einen großen Teil Deiner Reisen alleine. Warum? Wie fühlst Du Dich dabei und was sagst Du Menschen, die nicht alleine wegfahren wollen?

 

Ich fahre alleine weg, weil mein Lebensgefährte nicht taucht. Das empfinde ich aber nicht als unangenehm, sondern als Chance, mich auch mal wieder alleine zu beweisen. Ich finde es immer schade, wenn ich von Leuten höre, die alleine nicht wegfahren wollen. Schuld daran sind unnötige Ängste. Man hat Angst keinen Anschluss zu finden und alleine deprimiert unter einer Palme zu hocken. Oder man hat Angst, dass die Leute auf dem Safariboot einem auf die Nerven gehen. Seine Ängste muss man aber einfach über Bord werfen, wenn man sich Träume erfüllen möchte.

Früher hast Du in einer größeren Firma gearbeitet, jetzt bist Du umgesattelt auf das Wiener Start-Up BlueLocar und hast Dich damit auch beruflich zur Tauchbranche hin orientiert. Ein stückweit also Dein Hobby mit dem Beruf verbunden. Kannst Du noch tauchen gehen, ohne dabei an die Arbeit zu denken?

 

Ich denke nicht nur beim Tauchen an die Arbeit, sondern ich habe die Arbeit beim Tauchen sogar immer dabei. Denn unser Produkt, ein Ortungsgerät für Taucher, nehme ich bei jedem Tauchgang mit. Das wird nicht von mir verlangt, aber ich wäre ja doof, es nicht mal auszunutzen, dass ich hier arbeite und die Geräte zur Verfügung habe.

 

Welche Aufgaben hast du genau bei BlueLocar?

 

Ich bin für Marketing und Business Development zuständig.

 

BlueLocar gibt das Ortungsgerät „Ray“ heraus, um abgetriebene Taucher und Wassersportler zu finden. Kannst du bitte kurz erklären, wie das Gerät funktioniert?

 

Mit dem „Ray“ kann man entweder einen Notruf absetzen oder mit dem „Home“-Button darum bitten, abgeholt zu werden. Zusätzlich kann man vordefinierte Textnachrichten verschicken. Jedes Gerät kann senden und empfangen, salopp gesagt ähnelt es einem Lawinenpieps für Taucher. So kann ich, wenn ich im Urlaub zwei Geräte mithabe, eines einfach dem Zodiac-Fahrer geben, um gefunden zu werden. Wenn ich Tauchgänge mit Freunden mache, gebe ich eines meinem Buddy oder ich lasse es an Land bei jemanden, den ich im Notfall kontaktieren kann.

Der „Ray“ gibt mir die Möglichkeit, andere Geräte auch ohne Notruf zu tracken, sprich aktiv nach jemandem suchen und denjenigen auch finden. Rein technisch funktioniert das ganze System auf lizenzfreien Funkfrequenzen und über GPS. Vorteil des geschlossenen Systems ist, dass ich  direkt, ohne Umwege, genau die Leute vor Ort kontaktiere, die ich erreichen will. Ich laufe nicht Gefahr, eine externe Rettungskette, die ich vielleicht gar nicht brauche, in Gang zu setzten. Vorteil ist für mich, dass ich auch als Buddy-Team oder als Tauchgruppe dieses Gerät verwenden kann, da keine Basisstation benötigt wird.

 

Was kann das Gerät noch?

 

Der „Ray“ ist bis zu einer Tiefe von 100 Metern druckdicht. Das Gerät kann auch mit Handschuhen gut bedient und im hellen Sonnenlicht gut abgelesen werden. Beim Abtauchen schaltet es in den Tauchmodus und verfügt über einen Tiefenmesser, eine Bottom-Timer-Funktion sowie eine Logbuchfunktion. Mit dem digitalen Kompass kann über und unter Wasser navigiert werden. Sogar der USB-Anschluss ist wasserdicht und resistent gegenüber Salzwasser. Über diesen Anschluss wird es aufgeladen, aktualisiert und die Daten des Tauchganges können ausgelesen werden.

 

Wie sind Deine Kollegen auf die Idee für das Gerät gekommen? Waren eigene Erfahrungen die Grundlage?

 

Der Gründer und Kopf des Unternehmens, Georg Kaniak, ist selber einmal beim Tauchen abgetrieben worden. Da er praktischerweise promovierter Elektrotechniker ist, hat er sich entschlossen ein Gerät zu entwickeln, das ihn und andere Taucher vor einer solchen Erfahrung bewahrt.

Welche Reaktionen gibt es bisher von Tauchern und aus der Branche? Gibt es auch Kritik?

 

Die Reaktionen aus der Branche sind bisher positiv. Ich habe mit einem Redakteur in England telefoniert, da er mal nach fünf Stunden von Hubschraubern im Ärmelkanal gefunden wurde. Der war sehr an unserem „Ray“ interessiert. Natürlich ist unter Tauchern die eigene Ausrüstung auch ein wenig eine Glaubensfrage, da sind wir schon auf weiteres Feedback gespannt.

 

Funktionieren die Geräte auch da, wo ich keinen Handyempfang habe?

 

Das System ist unabhängig von lokaler Infrastruktur (Mobilfunknetze, Sprechfunk, GMDSS) und arbeitet in lizenzfreien Frequenzbändern. Daher funktioniert es überall und weltweit.

 

Haben die Geräte (sie haben zwar Funk sind aber eben keine Funkgeräte) irgendeine Auswirkung für die Tiere unter Wasser?

 

Nein, da unsere Geräte an der Oberfläche verwendet werden. Im Tauchmodus unter Wasser sind sie lautlos und senden keine Daten.

 

Welche Herausforderungen hat euer Startup noch zu bewältigen?

 

Bei uns ist ja bereits einiges an  Zeit in die Forschung und Entwicklung geflossen. Das Produkt ist nun marktreif,  jetzt müssen wir es präsentieren, bekannter machen und den Tauchern vorstellen.

Zurück zu Dir: Asien und die arabische Welt haben es Dir besonders angetan. Was fasziniert Dich daran – unter und über Wasser?

 

An Asien fasziniert mich die Natur über und unter Wasser. An Land bin ich einfach verrückt nach asiatischem Essen. In den arabischen Ländern, besonders in Ägypten, habe ich die Menschen in mein Herz geschlossen. Die Gastfreundlichkeit, mit der man aufgenommen wird, ist umwerfend. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden. Praktischerweise wird man auch immer gut bekocht, ich liebe die arabische Küche. Für mich ist das Rote Meer auch einfach mein Lieblingstauchplatz, hier habe ich die meisten meiner Tauchgänge gemacht.

 

Gibt es etwas, das dich an der Tauchbranche oder der Tauch-Community nervt?

 

Manchmal bin ich ein wenig erschrocken, wie heftig manche Diskussionen in Online-Foren oder auf Facebook geführt werden. Wir sind doch unter Wasser die wahrscheinlich entspanntesten und friedlichsten Menschen der Welt, warum transportieren wir dieses Verhalten nicht an die Oberfläche?

Und welche Wunschziele hast du noch vor Dir?

 

Taucherisch möchte ich noch nach Island, Galapagos, Komodo, die Arktis und Fiji. Da habe ich aber keinen festen Zeitplan. Kurzfristig möchte ich mit einem ordentlichen Allradwagen abgelegene Orte in Europa erkunden  und dort auch in Seen und Flüssen abtauchen. Da gibt es so viele interessante Orte zu sehen, die bisher an mir vorbeigegangen sind.

 

Zum Abschluss noch eine Frage: Welche guten Tauchseiten und -blogs möchtest du anderen Tauchern empfehlen?

Vielen Dank für das Interview und die tollen Bilder! :-)


Alle Fotos: Bettina Winert

Weitere Informationen über Bettina Winert

 

Bettina Winert ist Jahrgang 1978. Sie ist im Jahr 2005 von Osnabrück nach Wien umgezogen, wo sie bis heute lebt und bei Blue Locar arbeitet. Sie bloggt seit März 2015 in Der Taucherblog über das Reisen und Tauchen. Sie taucht seit 2008, am liebsten auf Safaris.


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