„Einmalig. Glasklar. Eiskalt.“ – Marc Herbrechter alias Zebroc im Interview

Autorin: Sonja Kaute


Marc Herbrechter betreibt unter dem Namen Zebroc ein feines Blog über Startups und übers Reisen. Der 32-Jährige ist ortsunabhängiger Unternehmer und lebt derzeit meist in Berlin oder Kapstadt. Und er ist Taucher, mit einem Hang zu herausfordernden Tauchplätzen.

Marc Herbrechter / www.zebroc.de
Marc Herbrechter / www.zebroc.de

Hallo Marc. Wenn man deine Artikel liest, könnte man meinen: Du hast ein Faible für eher ungewöhnliche und vor allem kalte Tauchplätze, weil du zum Beispiel viel übers Tauchen in Island schreibst. Was fasziniert dich am Tauchen an diesen Plätzen?

 

Ich mag Herausforderungen. Vom OWD an fand ich es spannend, immer wieder einen kleinen Schritt voran in der Weiterbildung zu gehen, neue Dinge zu lernen und meine Komfortzone zu erweitern.

 

Besonders faszinierend an Island fand ich die Tatsache, dass niemand dieses Land mit guten Divespots in Verbindung bringt, obwohl es ganz klar einige der besten der Welt beherbergt. Das, in Kombination mit den teilweise widrigen Bedingungen, hat mich dazu bewogen, meinen Divemaster in Island zu machen. So hatte ich genug Zeit, um das Land besser kennen zu lernen und dabei auch noch jede Menge in Island tauchen zu gehen.


Welcher Tauchplatz hat dich bisher am meisten beeindruckt?

 

Silfra. Viele andere kommen sehr, sehr nah heran und jeder hat seinen eigenen Reiz. Silfra hat jedoch bleibenden Eindruck hinterlassen, nicht nur einmal. Vom ersten Tauchgang mit meinem späteren DM-Instructor Ted bis zu einem Night Dive unter Nordlichtern (mit den gleichen Buddies, mit denen ich gerade erst hier in Kapstadt tauchen war). Silfra rockt! Einmalig. Großartig. Glasklar. Eiskalt. So viele Adjektive! Ich finde, ein Muss für jeden deutschen Taucher, denn es ist sehr einfach zu erreichen und einmalig. Es gibt einfach keinen anderen Ort auf der Welt, an dem diese tollen Faktoren alle zusammenkommen und das sollte man unbedingt nutzen.

In Island warst du auch an einem hydrothermalen Schlot tauchen. Ein Zitat aus dem Beitrag: „Als wir starten, zeigt mein Tauchcomputer eine Tiefe von 35m an und eine Temperatur von 1°C. Das ist kein Tauchgang für Weicheier und das ist auch kein Tauchgang für Draufgänger. In solchen Settings werden keine Helden geboren, sondern Idioten entlarvt. Ich atme vorsichtig und prüfe meinen Tauchcomputer regelmäßig. Wenn sich ein Atemzug einmal länger hinauszögert und ich dann mit einem Mal kräftig am Atemregler ziehe, fliegen kleine Eiskristalle in meinen Mund und machen mir schlagartig klar, wie dünn die Grenze zwischen einem guten Tauchgang und einem dramatischen Aufstieg hier ist.“ Wie fühlt sich das Tauchen in so einem Grenzbereich an und würdest du es noch einmal tun?

 

Marc Herbrechter / www.zebroc.de
Marc Herbrechter / www.zebroc.de

Ich glaube, das liest sich viel dramatischer als es war. Erlendur Bogason, der Entdecker und Behüter von Strytan, taucht hier regelmäßig und auch schon mal mit absoluten Anfängern (dann vielleicht nicht so tief, aber es ist ja trotzdem kühl). Das eigene Equipment gut zu kennen und zu Pflegen ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist sich selbst gut zu kennen und zu wissen, wo die eigenen Grenzen liegen. Hier muss ich auch mal loswerden: Ich glaube, hier wird auch viel Marketing betrieben, welches schlichtweg falsch ist und Leute verunsichert: Auf der Boot 2015 sagte man mir, das Equipment, welches ich kaufen wollte, sei für die Bedingungen in Island nicht geeignet. Keiner der Berater an den Herstellerständen hatte jemals dort getaucht, aber so viel wussten sie. Ich kaufte das Equipment trotzdem, hatte niemals Probleme und war der einzige, der in den drei Monaten keinen einzigen Freeflow hatte.

In Kapstadt bist du Seelöwen unter Wasser begegnet. Wie war das?

 

Seebären! ;-) Lustig und beängstigend: Ich habe mehr Schiss vor den Seals als vor den Haien hier. Die Typen sind sehr verspielt und machen immer gute Laune, aber manchmal sind sie einfach zu wild und beißen auch schon einmal. Meistens in die Flossen, was einfach verwirrend ist, weil man denkt, ein Buddy will was von einem. Ein Kollege von mir wurde aber auch schon einmal in den Allerwertesten gebissen.

Du hast auch übers Sidemount-Tauchen geschrieben. Bist du inzwischen überzeugter Sidemount-Taucher?

 

Ja. Das hängt aber sicher primär mit meinen Ambitionen zusammen: Ich finde technisches Tauchen spannend, tauche derzeit auch schon mal mit vier oder mehr Flaschen und plane bald auch meine Höhlen-Ausbildung zu machen. „Wreck penetration“ ist ein weiterer großer Pluspunkt beim Tauchen mit Sidemount-Konfiguration. Ja, das geht alles auch mit Twinset, aber ich finde es mit den Flaschen an der Seite angenehmer. Es macht einfach total Sinn!

 

Nachdem das gesagt ist: Sidemount macht nicht immer Sinn / Spaß. Für ganz normale Tauchgänge nutze ich weiterhin meinen Backmount BC und das mit großer Freude: schnell, einfach, unkompliziert.

 

Das richtige Tool für die Aufgabe eben.

Gehst du auch in Deutschland tauchen und hast vielleicht Tipps für gute Tauchplätze im Inland?

 

Sorry, damit kann ich leider gar nicht dienen.

Marc Herbrechter / www.zebroc.de
Marc Herbrechter / www.zebroc.de

Welche Tauchziele oder -plätze stehen denn noch auf deiner Wunschliste?

 

Sobald wie möglich werde ich nach Mexiko fliegen, um dort meine Höhlenausbildung zu machen. Danach möchte ich gerne mal in Nuttlar tauchen gehen.

Ich würde unheimlich gerne mal U-Who betauchen, am liebsten mit John Chatterton und/oder Richie Kohler.

 

Und welche Websites oder Blogs würdest du anderen Tauchern empfehlen?

 

Ich habe ehrlich gesagt nur eins in meinem Feedreader: Decodoppler. Ich möchte jedoch jedem Leser das Buch „Shadow Divers“ sehr ans Herz legen.

 

 

Danke für das Interview.


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