Wracktauchen: Die 12 wichtigsten Tipps für sicheres Tauchen an Wracks

Autorin: Sonja Kaute


Foto: iStock.com/DJMattaar
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Wracks faszinieren früher oder später fast jeden Taucher. Ihre Geschichte ist oft mystisch, der Reichtum an Leben enorm und das Taucherlebnis etwas ganz anderes. Beim Wracktauchen gibt es aber auch einiges zu beachten. Hier die 12 wichtigsten Tipps für sichere Wracktauchgänge.

1. Nutze Deinen gesunden Menschenverstand und höre auf Dich!

 

Man muss nicht an Wracks tauchen gehen, niemand muss das. Auch dann nicht, wenn einem sonst eine einmalige Chance entgeht. Eine gewisse Erfahrung beim Tauchen macht Sinn, ist manchmal sogar Vorschrift. Wer Platzangst hat, es nicht gerne dunkel mag, Angst vor größerer Tiefe hat, die Stahlriesen und das reiche, oft großformatige Leben daran unheimlich findet oder häufig mit Seekrankheit zu kämpfen hat, sollte sich gut überlegen, ob es ein Wracktauchgang sein muss und welches Wrack für ihn geeignet ist. Niemand sollte sich selbst unter Druck setzen oder sich von anderen unter Druck setzen lassen. Bei einem guten Bauchgefühl kann ein Wracktauchgang aber ein ganz besonderes Erlebnis sein!

 

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2. Planung ist alles!

 

Wracktauchgänge müssen ordentlich geplant sein und dabei gibt es einiges zu beachten. Vor der Fahrt zum Wrack sollte klar sein, wie das Wrack aussieht, ob es gefährliche Ladung an Bord hat, ob Aufbauten herausschauen, ob es betauchbare Innenräume gibt oder das Betauchen selbiger streng verboten ist, ob man dafür bestimmte Ausrüstung benötigt, ob mit Strömung zu rechnen ist, ob es als Voraussetzung für das Tauchen dort Vorgaben gibt (Brevet, Anzahl der Tauchgänge) und wie tief die tiefste Stelle des Wracks liegt. Spätestens direkt vor dem Tauchgang muss geklärt sein, an welcher Stelle am Wrack gestartet wird, wie man das Wrack abtaucht, ob der Kompass am Wrack funktioniert und ob ein oder mehrere Dekostopps nötig sein werden. Beim Luftverbrauch hält man sich am besten an die 1/3-Regel: 1/3 für die Grundzeit, 1/3 für den Weg zurück, 1/3 als Reserve.

 

3. Schütze Dich vor Verletzungen und sei gut ausgerüstet!

 

Auch bei der Ausrüstung gibt es ein paar Dinge zu beachten. So sollte man an Wracks möglichst einen langen Neoprenanzug tragen, um sich vor scharfen metallischen Kanten, hervorstehenden Wrackteilen, versteckten Korallen und Stacheltieren zu schützen. Schließlich kann es sein, dass enge Stellen durchtaucht werden müssen. An manchen Wracks sind Lampen ein Muss, insbesondere beim Betauchen von Innenräumen. Sinnvoll kann auch ein Messer sein, denn an Wracks verfangen sich gerne mal Netze und Angelleinen. Und man sollte vor dem Abtauchen unbedingt wissen, ob der Kompass am Wrack funktioniert oder ob die Nadel durch Eisenteile abgelenkt wird.

4. Versuche, die Seekrankheit zu vermeiden

 

An Wracks tauchen heißt fast immer, mit dem Boot fahren zu müssen. Möglicherweise auf dem offenen Meer, abseits von schützenden Riffen. Wer leicht seekrank wird, kann hier an seine Grenze kommen. Daher sollte man vor einem solchen Tauchtag auf Alkohol, Kaffee und Milchprodukte verzichten, sich ausschlafen und nur leichtes Essen mit wenig Fett zu sich nehmen. Ein leerer Magen sollte ebenso vermieden werden wie ein übersättigter. An Bord sollte man sich mittschiffs und draußen aufhalten, sich wenig bücken und Gerüche vermeiden. Bei Seekrankheit kann es helfen, einen Punkt am Horizont zu fixieren. Weitere Hilfsmittel, die helfen sollen: Medikamente gegen Seekrankheit (Nebenwirkungen beachten!), Akkupressur-Armbänder, Akupunktur, frischer Ingwer. Wer sich übergeben muss, sollte umso mehr auf seinen Flüssigkeitshaushalt achten: Dehydratation erhöht das Unfallrisiko!

 

5. Schnapp Dir die Leine!

 

Über einem Wrack taucht man am besten direkt an der Ankerleine ab und auf. Das ist nicht nur der kürzeste, sondern auch der sicherste Weg, vor allem bei Strömung. So geht man sicher, da wieder aufzutauchen, wo man gestartet ist, ohne an der Oberfläche eine längere Strecke schnorcheln zu müssen. Und der nach Wracktauchgängen nicht selten notwendige Dekostopp sowie der Sicherheitsstopp können hier von allen sicher absolviert werden.

 

6. Merke Dir den Startpunkt am Wrack!

 

Unten am Wrack angekommen, gilt es, sich den Startpunkt zu merken. Das gilt insbesondere dann, wenn mehrere Boote mit Ankerleinen am Wrack befestigt sind und verhindert in diesem Fall ein Auftauchen am falschen Boot. Man sollte sich merken, wie das Wrack am Startpunkt aussieht und wo genau die Ankerleine befestigt ist, damit man sie auch bei nachlassender Sichtweite sicher findet.

 

7. Nutze die Strömung!

 

Es gibt Wracks, an denen zieht und drückt es aufgrund ihrer exponierten Lage ohne Ende. Je nach Taucherfahrung kann das sehr ungewohnt sein und Stress verursachen. Daher gilt es, die Strömung an solchen Tauchplätzen für sich zu nutzen. Sprich: Tauchgang wenn möglich gegen die Strömung an der geschützten Seite des Wracks anfangen und sich auf dem Rückweg an der ausgesetzten Seite des Wracks mit der Strömung zurücktreiben lassen – aaah, das entspannt geradezu! An manchen Wracks zieht es an der Oberfläche in eine andere Richtung als am Wrack selbst. Hier gilt es, genau den Schilderungen der Tauchlehrer auf dem Boot zuzuhören!

 

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Foto: iStock.com/Frogkick
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8. Vorsicht in Innenräumen!

 

Ist das Tauchen in den Innenräumen des Wracks erlaubt, kann es ein großartiges Erlebnis sein. Doch es gilt natürlich, hier ganz besonders auf die Sicherheit zu achten. An engen Stellen wie Bullaugen sollte man lieber gleich auf den Versuch verzichten, sie zu durchtauchen. Außerdem kann die aufsteigende Atemluft Sedimente an der Decke lösen. Dadurch kann die Sicht plötzlich nachlassen, der Weg nach draußen nicht mehr sichtbar sein und der Buddy verloren gehen – von dem psychologischen Effekt mal ganz zu schweigen. Auch sollte man sich bewusst sein, dass das Atmen ohne Atemregler in luftgefüllten Räumen nicht immer sicher ist.

 

9. Kommuniziere mit Deinem Buddy!

 

Wracks sind besondere Tauchplätze, auf die nicht unbedingt jeder gleich reagiert und die den Sichtkontakt zum Buddy erschweren können. Es gilt, sich nicht zu weit vom Buddy zu entfernen und mit diesem regelmäßig zu kommunizieren: Geht es ihm gut, fühlt er sich wohl, zeigt er mir das überzeugend an? Jeder sollte seinem Buddy schon an Land das Gefühl geben, dass er ein Unwohlsein ohne Scheu anzeigen kann. Auch ein Wracktauchgang kann abgebrochen werden, bevor eine Situation brenzlig wird.

 

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10. Verhalte Dich respektvoll!

 

Nicht jedes Wrack wurde absichtlich versenkt, um einen attraktiven Tauchplatz zu bieten. Viele Wracks sind auf tragische Weise untergegangen, häufig sind dabei Menschen gestorben, manchmal sogar sehr viele. Und nicht immer wurden diese geborgen. Manchmal sind Wracks Friedhöfe. Wenn man an solchen Orten taucht, sollte man den nötigen Respekt walten lassen, vor dem angetroffenen Leben am Wrack, aber auch vor seiner Geschichte.

 

11. Nehme nichts mit!

 

Das Plündern von Wracks findet weltweit statt, wirkliche Schätze gibt es wohl nicht mehr zu entdecken. Aber man sollte generell auf Mitbringsel verzichten, auch wenn sie nicht wertvoll sind. Wracks sind wichtige Kulturgüter und wie gesagt Gedenkstätten, das Plündern ist nicht erlaubt.

 

12. Genieße!

 

Bei allen Warnungen: Natürlich gilt es, das Wracktauchen zu genießen. Hier sind wundervolle Eindrücke möglich, die Größenordnung von Wracks im Vergleich zu uns darüber schwebenden Tauchern, ihr mystisches Innenleben und ihre manchmal geheimnisvolle Vorgeschichte, der oft blumige und starke Bewuchs und die an vielen Ecken wachenden Bewohner machen das Wracktauchen zu einem besonderen Erlebnis unter Wasser! Genieße es!


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