"Ich bin verliebt": Gastautor DiveCooky über das Schnorcheln mit Manatees im Crystal River

Autor: DiveCooky


Wer ein anderes Unterwasser-Erlebnis sucht und in die USA reist, sollte auf keinen Fall das Schnorcheln mit Manatees im Crystal River in Florida verpassen. Unser Gastautor DiveCooky war dort und war beim Anblick der Dickhäuter „sofort verliebt“. Und nützliche Reisetipps hat er auch parat.

An der Tauchbasis „Birds Underwater“ ist es schon richtig voll. Sechs Boote werden allein von hier an diesem Tag losfahren. Aber alles läuft gut gelaunt und geordnet ab: Kurze Vorstellung, Ausfüllen einer Erklärung, bei Bedarf Ausleihen von Equipment und zur Einführung ein kurzes Video zu den Manatees und den Verhaltensregeln. Wir sind zu elft auf unserem Boot, etwas zu viele Menschen für meinen Geschmack. Ich hasse nichts mehr als Massentauchen! Oder Massenschnorcheln.

Sehr kalt ist es noch dazu: Nur knapp über dem Gefrierpunkt liegt die Lufttemperatur. Das Wasser ist zum Glück deutlich wärmer. Die Folge: feinster Nebel. Man kommt sich vor wie im englischen Krimi. Wir fahren mit Schrittgeschwindigkeit (mehr ist im gesamten Manatee-Gebiet nicht erlaubt) an im Nebel liegenden Inselchen vorbei. Darauf Bäume, deren Äste komplett mit schwarzen Vögeln besetzt sind. Rabenschwarz wäre die Nacht eigentlich, aber wir haben Vollmond, passend zur Stimmung. Mystik pur.


Manatees mögen wie wir kein kaltes Wasser

 

Da die Nacht sehr kalt war, fahren wir zu den Springs. Hier liegt eines der Rückzugsgebiete der Manatees, wenn es überall sonst zu kalt wird. Hier entspringen ein paar Quellen und es ist erlaubt, einen kleinen Flusslauf hinauf zu schwimmen. Konstante 72 Grad Fahrenheit hat es in der Lagune. Für uns ist die Formel einfach: Draußen kalt heißt, ab zu den Quellen. Aber wie wissen eigentlich die Tiere, dass es im Golf von Mexiko wieder wärmer ist?

 

Letztes Jahr schlug das Wetter im Golf schlagartig um. Binnen zehn Tagen waren fast alle Manatees weg. Dass sie Kabelfernsehen oder Smartphones besitzen, konnte man ihnen bisweilen ebenso wenig nachweisen wie eine andere Theorie. Es ist ungeklärt, wie sie den Wetterumschwung mitbekommen.

 

Verliebt in Manatees

 

Wir gleiten ins Wasser. Ich friere zunächst noch mehr, dann wird es wärmer. Ein kleines Stück schwimmen bis zum Flusslauf. Bei der Sicht soll man Manatees sehen? Doch die ersten Tanker rollen schon auf mich zu. Ich bin sofort verliebt!

Sie sind auf dem Weg in die Kanäle zum Fressen. In der Lagune sind bereits viele Schnorchler. Ich finde eine kleine Ecke mit recht klarer Sicht und bestaune eine Hügellandschaft aus Manatee-Leibern. Klein, groß, alles liegt aufeinander und pennt. Nur kurz unterbrochen vom Aufsteigen und Atmen. Dann wieder hinab gleitend.

 

Jedem ein „eigenes“ Manatee zum Kraulen

Die Manatees pennen in allen Lagen. Auf dem Boden, freischwebend, an der Oberfläche. Für Fotografen ist es ein Dilemma: Eigentlich müsste man der erste am Ort sein, bevor aufwachende Manatees und die Schnorchler den Boden aufwühlen. Die Sonne kommt aber erst recht spät. Wer es sich wirklich aussuchen kann, der sollte an einem Dienstag bis Donnerstag auf die Tour um 6 Uhr morgens gehen. Und keine Ferienwoche wählen. Dann braucht man nur noch Glück mit dem Wetter.

 

Ich war zeitlich nicht so flexibel, genieße aber trotzdem. Zum Frieren bleibt kaum Zeit: Ich bin schlichtweg beeindruckt von den Tieren. Trotz feiertagsbedingt großer Massen an Schnorchlern hat jeder sein „eigenes“ Manatee. Die Tiere lieben es, ihr eigenes Spiegelbild in den großen Domeports der Kameras zu betrachten und gekrault zu werden.

Ich möchte diesen Platz nicht verlassen, aber nach zweieinhalb Stunden Aufenthalt an den Springs müssen wir notgedrungen wieder abfahren. Die Sonne hat sich längst durch den Nebel geschlagen und wärmt schnell den durchfrorenen Körper. Heiße Schokolade und Donuts tun ihr übriges. Für den nächsten Tag habe ich eine weitere Tour gebucht und werde belohnt!

 

Glasklare Sicht und spielfreudige Tiere

 

Es ist nicht ganz so kalt, gibt nicht ganz so viel Nebel und wir sind weniger Leute. Zusätzlich glasklare Sicht – absolute Traumverhältnisse! Es sind nicht ganz so viele Manatees da wie am Vortag, doch ich verdrücke mich in eine Ecke und habe fünf oder sechs Tiere für mich allein. Ab und zu kommen ein paar Schnorchler dazu, dann schwimmen sie wieder weg. Die Manatees bleiben. Und wieder sind einige zum Spielen aufgelegt. Sie sind wirklich wie kleine Hunde!

Mein Fazit: Wer in der Region ist, darf die Manatees auf keinen Fall verpassen!


Reisetipps von DiveCooky:

 

Crystal River ist ein kleines Dorf mit gleichnamigem Fluss und liegt in den USA an der Westküste Floridas, rund 140 Kilometer nord-westlich von Orlando. Der Ort ist international bekannt für das Schnorcheln mit Manatees (Rundschwanzseekühe). Über 500 Tiere sollen es in diesem Jahr sein. Die Anzahl der Boote und der Touristen in Crystal River steigt kontinuierlich, aber es werden auch immer mehr Manatees. Wissenschaft, Tourismus und Wirtschaft gehen Hand in Hand.

 

Tauchbasis-Tipp von DiveCooky: Tauchbasis „Birds Underwater“. Es passt alles bis ins Detail, sie bieten die Touren aus Liebe zu den Tieren an. Auf der halbstündigen Hin-und Rückfahrt erhält man viele weitere Infos über die Manatees. Über Nacht kann man dort mein Equipment trocknen lassen. Am nächsten Morgen war es sogar gewendet! Im Shop kann man sich dann noch allerlei Erinnerungen mitnehmen. Extra-Tipp: ein Stockwerk höher ein leckeres Eis genießen!

 

Hoteltipp von DiveCooky: Best Western in Crystal River. Es ist das nächstgelegene Hotel zur Birds Underwater Tauchbasis. Die Zimmer haben alles, was man braucht, und man ist in drei Minuten drüben an der Basis.

 

Anreise: Ab Frankfurt geht es zum Beispiel über Atlanta mit Delta Airlines in die Tampa Bay Region. Mit dem Auto dauert es rund 90 Minuten bis nach Crystal River.


Dieser Gastbeitrag ist eine gekürzte Fassung des Originalbeitrags im Blog von DiveCooky. Alle Fotos sind von DiveCooky, weitere Fotos gibt es bei Facebook. Wir bedanken uns für die Kooperation!


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