6 Top-Tauchplätze an Australiens Ost- und Westküste

Autorin: Sonja Kaute


Australien wird bei den Top-Tauchzielen der Welt häufig vernachlässigt. Dabei gibt es in Australien unter Wasser weit mehr zu erleben gibt als „nur“ das Great Barrier Reef: spektakuläre Wracks, Korallengärten wie in „Findet Nemo“ und jede Menge Großfisch. 6 Top-Spots an der Ost- und Westküste.

Zwischen 150.000 und 200.000 Deutsche reisen jedes Jahr nach Australien. Kaum jemand kehrt mit weniger als nachhaltiger Begeisterung zurück. Das gilt auch für mich. Insgesamt acht Monate habe ich in Australien verbracht, fünf davon bin ich die Ost- und später die Westküste entlang gereist.

 

Auf meiner ersten Reise entlang der Ostküste war es mein Ziel, das Great Barrier Reef von Nord nach Süd entlang zu tauchen. Natürlich war die Zeit begrenzt und es hätte noch viel mehr lohnenswerte Tauchplätze am Riff gegeben. Gelernt habe ich bei dieser und der späteren Reise an der Westküste aber: Australien hat für Taucher weit mehr erlebenswerte Tauchplätze zu bieten als die direkt am Great Barrier Reef. Es mag Zufall gewesen sein, aber die schönsten Tauchgänge habe ich abseits des Barriereriffs erlebt. Dennoch sollte man das Great Barrier Reef natürlich auf keinen Fall auslassen.

 

Hier eine Liste meiner liebsten Tauchplätze an Ost- und Westküste:

 

1. Das Wrack der legendären SS Yongala vor Ayr (Ostküste)

 

Das Wrack der SS Yongala gilt als einer der Top-Wrack-Tauchplätze der Welt. Das Schiff liegt relativ unversehrt in gut 30 Metern Tiefe im Great Barrier Reef Marine Park, rund 35 Kilometer nordöstlich von Ayr und 100 Kilometer östlich von Townsville. Die Geschichte der SS Yongala ist legendär, sogar bis in die heutige Zeit hinein.

 

Der Dampfer sank 1911 während eines Zyklons unter nicht geklärten Umständen. Das Unglück, bei dem 122 Menschen ihr Leben verloren, gilt bis heute als eines der größten Schifffahrtsunglücke Australiens.

Allan C. Green / Public Domain
Allan C. Green / Public Domain

Die Leichen wurden nie geborgen oder angespült. Erst 1958 wurde das verlorene Wrack wiedergefunden. 2003 ereignete sich dort unter Wasser ein Todesfall, in dessen Folge der Ehemann der toten Taucherin 2009 wegen Totschlags verurteilt wurde.

 

Mehr Infos zur Geschichte der Yongala gibt es bei Wikipedia.

 

Die Yongala liegt so isoliert am Meeresgrund, dass sich das Wrack selbst zu einem großen, unglaublich lebendigen Riff entwickelt hat. Das Wrack ist stark von Weichkorallen bewachsen, im Innern erkennt man unter anderem Toiletten. Außen prangt noch heute der Namenszug des Schiffs. Rund um das Wrack tobt das Leben und es scheint, als sei hier alles etwas größer geraten als woanders.

 

Zu sehen gibt es alles denkbare: viele hochgiftige Olivgrüne Seeschlangen, Zackenbarsche in Kleinwagengröße, Fledermausfische in Autoreifengröße, Adlerrochen, Stachelrochen, Schildkröten so groß wie Taucher, Mantas, Bullenhaie, Napoleons, Delfine, Wale und viele große Fischschwärme, die vor den Jägern hin- und hereilen. Die gesamte Nahrungskette ist hier auf kleinstem Raum versammelt. Die Yongala steht unter Schutz. Selbst die Luftblasen der Taucher dürfen das Wrack nicht berühren, ein Betauchen ist strengstens verboten.

Da die Yongala relativ tief liegt und dort oft starke bis sehr starke Strömung herrscht, die noch dazu an der Oberfläche in eine andere Richtung ziehen kann als weiter unten, sollten hier nur erfahrene Taucher tauchen. Auch die Anfahrt mit dem Boot ist ruppig, so dass auch solche Taucher seekrank werden können, die es bisher nie waren. Ich empfehle die Ausfahrt von Ayr aus (rund eine Stunde pro Weg). Von Townsville aus fährt man pro Weg drei Stunden mit dem Boot durch hohen Wellengang.

 

Es gilt, sich frühzeitig anzumelden: Die Yongala ist ein beliebtes Tauchziel und kann wegen des Seegangs manchmal tagelang nicht angefahren werden. Es ist daher ratsam, zeitlich flexibel zu sein und die Weiterreise nicht gleich nach dem Termin anzusetzen, falls es zu einer Verschiebung kommt. Die Preise für das Tauchen sind happig Aber es lohnt sich, wenn man strömungsresistent ist.

 

2. Lady Musgrave Island vor Agnes Waters / Town of 1770 (Great Barrier Reef, Ostküste)

Wer lieber mit weniger Adrenalin im Blut taucht, dem sei Lady Musgrave Island empfohlen. Das ist die südlichste Insel im Great Barrier Reef, das danach endet. Hier merkt man gar nicht, dass man nicht durch die Luft, sondern durch Wasser schwebt. Es ist angenehm warm, ein Shorty reicht. Und die Sicht beträgt an der äußeren Riffkante rund 35 Meter! Getaucht werden kann innerhalb der Insel-Lagune oder, was viel schöner ist, außen am Riff entlang. Innerhalb der Lagune taucht man flach über sandigen Grund zwischen Korallenblöcken her, wo sich allerlei Getier versteckt. Große, überhaupt nicht scheue Zackenbarsche kommen mit neugierigen Augen ganz nah. Die Sicht in der Lagune ist gut, aber nicht außergewöhnlich.

An der Riffkante taucht man dagegen bei glasklarer Sicht durch eine wundervolle Welt von riesigen Korallenhügeln. Das Riff versetzt einen direkt in den Film „Findet Nemo“. Man schwebt durch eine Stadt aus unendlich vielseitigen Korallen-Gebäuden, in der es rege zugeht. Farbenprächtige Rifffische, Muränen, Oktopusse, kleine Riffhaie und Schildkröten kreuzen den Weg. Mit etwas Glück fliegen Mantas durch das Blauwasser. Lady Musgrave Island selbst lässt sich in 20 Minuten zu Fuß umrunden. Das Riff in der Lagune ist bestens für Schnorchler geeignet, selbst für Kinder. 

 

Von Town of 1770 oder Agnes Waters aus fahren Ausflugs-Boote zu Lady Musgrave Island, auf denen auch Gäste Platz nehmen, die schnorcheln, die Insel erkunden oder im Glasbodenboot durchs Riff tuckern. Das Gute dran: Mit etwas Glück sind nur wenige Taucher an Bord. Vom Touri-Trubel auf der Plattform, der sich ohnehin in angenehmen Grenzen hält, bekommt man dann kaum etwas mit.

 

3. Fish Rock Cave in South West Rocks (Ostküste)

Die besten Tauchgänge meines Lebens habe ich an zwei Tauchplätzen gemacht. Einer davon ist die Fish Rock Höhle in South West Rocks, ziemlich genau mittig zwischen Sydney und Brisbane. Dieser Tauchplatz ist ein aus dem Wasser ragender Fels, durch den ein nicht unterbrochener, gut 100 Meter langer Tunnel führt. Fish Rock hat schon ohne Höhle jede Menge zu bieten. Draußen schwimmen enorme Fischschwärme vorbei, die manchmal die Sicht auf Zackenbarsche, Rochen, Riffhaie, Sepien, Seeschlangen und Schildkröten versperren.

 

Wer zum Fish Rock kommt, ist allerdings wegen der neugierigen Sandtigerhaie hier. Diese an der Ostküste ohne Übertreibung stark vom Aussterben bedrohten Haie trifft man hier fast unter Garantie, und das gleich zu Dutzenden. Da die Tiere sehr neugierig sind, kommen sie ruhig schwimmenden Tauchern sehr, sehr nahe. Ich selbst hatte ein Auge-in-Auge-Erlebnis mit einem Sandtiger aus allernächster Nähe, das ich sicher nie vergessen werde.

Fish Rock Cave- South West Rocks from ginclearfilm on Vimeo.

In die Höhle taucht man durch einen schmalen Kamin, in dem lange Antennen und Arme durchs Dunkle fuchteln. Erst danach weitet sich der dunkle Raum. Auf dem Boden liegen junge und ältere Teppichhaie, riesige Krebse und Langusten, die Tauchlampen zeigen einen imposanten Zackenbarsch, bevor man dem leuchtenden Ausgang entgegen schwimmt. In ihm tummeln sich tausende Fische und mit etwas Glück eine Schildkröte oder patrouillierende Sandtiger. Ich bin so begeistert von diesem Tauchplatz, dass ich bei meiner zweiten Australienreise einen dreitägigen Umweg in Kauf genommen habe, um hier noch einmal tauchen zu können.

 

Bei dekopause gibt es zur Fish Rock Cave eine ausführliche Reportage samt Tipps für Tauchbasen vor Ort. Siehe auch Fotos und Videos von South West Rocks Dive Center bei Facebook.

 

4. Wolf Rock vor Fraser Island (Ostküste)

 

Der andere Tauchplatz, an dem ich die erwähnten besten Tauchgänge meines Lebens gemacht habe, ist Wolf Rock vor dem Örtchen Rainbow Beach. Ein Aufenthalt hier lässt sich wunderbar mit einem Besuch des Must-Sees Fraser Island verbinden, der weltweit größten Sandinsel. Man muss es nur wissen: Erfahren habe ich von Wolf Rock nur über einen Insider-Tipp an einer anderen Tauchbasis. Die meisten Touristen besuchen Fraser Island von Hervey Bay aus.

 

Sehr wahrscheinlich sind am Wolf Rock wie auch am Fish Rock Begegnungen mit den seltenen Sandtigerhaien. Wahre Prachtexemplare ziehen hier unweit vom Strand ihre Kreise!

Möglich sind auch Sichtungen von Mantas mit vier Metern Spannbreite, Wobbegongs, Schildkröten, Napoleons, Stachelrochen, Leopardhaien und in den Ausmaßen enormen Zackenbarschen und Adlerrochen. Landschaftlich erinnert dieser Platz wegen der fehlenden Korallen ans Mittelmeer, aber die Vielfalt an Arten und spannenden Begegnungen ist beachtlich! Bestaunt man etwas vor einem, schwimmt sicher gerade etwas anderes Großartiges hinten an einem vorbei – Wahnsinn! Vor einer Felszunge unweit von Wolf Rock werden regelmäßig Bullenhaie gesichtet.

Die einzige Tauchbasis vor Ort ist das Wolf Rock Dive Center (tolle Fotos und Videos gibt es auf deren Facebook-Seite).

 

5. Navy Pier in Exmouth (Westküste)

 

Laut Eigenwerbung ist der Tauchplatz am Navy Pier in Exmouth noch besser als die SS Yongala. Fest steht: Auch dieser Ort gehört zu den Top-Tauchplätzen in Australien und man sollte ihn bei einer Reise entlang der Westküste auf keinen Fall auslassen! Die Spannung startet hier schon über Wasser, da der Navy Pier auf einer Militärbasis liegt. In Exmouth hat immer nur ein Tauchveranstalter die Genehmigung, dort Tauchgänge durchzuführen. Vor Betreten des Geländes muss man einiges an Papierkram ausfüllen, einen Lichtbildausweis mitführen und wird von einem bewaffneten Mitglied der Militärstation kontrolliert.

 

Bewaffnet ist obendrein ein Mitglied der Tauchcrew, mit einem kurzen Speer. Die Zackenbarsche am Navy Pier reagieren manchmal arg territorial. An so ziemlich jeder der riesigen, kreuz und quer ragenden Verstrebungen des Piers wacht unter Wasser ein solches Exemplar, man dringt unweigerlich in ihr Revier ein. Ins Wasser kommt man durch einen beherzten Sprung aus drei Metern Höhe. Das Wasser hier kann ziemlich kalt sein. Und das Zeitfenster zum Tauchen ist auf Grund von Ebbe und Flut so klein, dass die Tauchgänge direkt hintereinander stattfinden. Wer hier friert, friert sich also so richtig ein. Doch es lohnt sich!

Exmouth Navy Pier Underwater DVD | Ningaloo Reef from Paul Wags on Vimeo.

 

Tauchen am Navy Pier bedeutet Schweben durch die feinste Fischsuppe. Rund um den Pier kreisen Riffhaie und ziehen Barrakudas in großen Schwärmen vorbei. Seeschlangen, hochgiftig und bis zwei Meter lang, schlängen sich direkt an den Tauchern entlang. Feuerfische hängen gleich in Gruppen an den Streben, Steinfische, Plattwürmer und Schnecken sitzen gut versteckt zwischen Korallen und Schwämmen. Große Schwärme von Makrelen, Snappern und anderen Fischarten schlucken das einfallende Licht. Und: Auch am Navy Pier gibt es Sandtigerhaie. Sie sind wesentlich kleiner als die Exemplare an der Ostküste, aber ebenso neugierig.

 

Empfehlenswert sind am Navy Pier auch Nachttauchgänge. Man sollte sich bei der Wahl der Tauchbasis in Exmouth bei anderen Tauchern erkunden. Nicht alle Basen sind gleich gut, wenngleich der Standard recht hoch ist. Sollte eine Basis mit nicht so gutem Ruf aktuell für das Navy Pier zuständig sein, sollte man seine anderen Touren am Ningaloo Reef mit einer anderen Basis unternehmen. Uneingeschränkt empfehlen kann ich Ningaloo Whaleshark’n’Dive. Wie in Australien üblich sind die Tauchpreise happig. Es gibt aber die Möglichkeit, sich bei mehrtägigem Aufenthalt ein günstigeres Paket schnüren zu lassen.

 

6. Ningaloo Reef von Exmouth aus (Westküste)

 

Exmouth ist neben Coral Bay der Hotspot, wenn man am Ningaloo Reef tauchen möchte. Wie das Great Barrier Reef gehört das Ningaloo Reef zum UNESCO-Welterbe. Es ist allerdings nicht rund 2.000, sondern „nur“ rund 250 Kilometer lang und liegt wesentlich näher an der Küste als das Great Barrier Reef. An vielen Stellen ist es gleich von Land aus zugänglich. So kann man zum Beispiel im Nationalpark auf der Halbinsel, auf der Exmouth liegt, wunderbar am Ningaloo Reef schnorcheln.

Images from Ningaloo Reef from Paul Wags on Vimeo.

 

Bei Tauchtouren mit dem Boot geht es hier vor allem um eines: Walhaie! Ganz Exmouth scheint nur wegen der Walhaie zu existieren und die Wahrscheinlichkeit, diese Tiere während der Saison zu sehen, ist sehr groß. Teilweise werden pro Bootsfahrt gleich mehrere Tiere gesichtet – Spotter-Flugzeugen sei Dank. Auf unserer Walhai-Tour waren wir nicht nur mit drei dieser Riesen im Wasser, sondern hatten auch das Glück, in einem Schwarm von 30 Mantarochen zu schnorcheln und obendrein während der Tagesfahrt große Teile der Fahrt von Buckelwalen begleitet zu werden. Einige davon sprangen hoch in die Luft, ein unvergesslicher Anblick!

Von Exmouth aus starten bei passendem Wetter Touren zu den bekannten Muiron Islands und natürlich auch zu zahlreichen Spots am Ningaloo Reef, an denen sich Haie, Schildkröten, Mantas, Dugongs, verschiedene Walarten und alles, was es an einem solchen Riff gibt, erleben lassen – sogar Walsichtungen beim Tauchen kommen vor!

 

Es lohnt sich, eine oder besser zwei Wochen in Exmouth zu bleiben, das Land und die Nationalparks zu erkunden und das Riff zu erschnorcheln und zu betauchen. Wichtig ist aber, seine Tauchtauglichkeitsbescheinigung vorher zu holen, am besten in Perth oder Darwin, denn dort ist sie erstens günstiger und zweitens kann die Warteliste beim Arzt in Exmouth mehrere Wochen lang sein. Und ohne Bescheinigung darf niemand tauchen!

 

Wo lohnt sich das Tauchen noch?

 

Es gibt noch weit mehr lohnenswerte Tauchplätze in Australien, zum Beispiel im hohen Nordosten, im Süden oder vor Tasmanien. Habe ich die Deiner Meinung nach besten Tauchplätze vergessen? Wo lohnt es sich noch? Teile Deine Tipps, bei FacebookTwitter oder per E-Mail an: dekopause@ew80.de. Ich freue mich auf Dein Feedback!


Weitere Informationen

 

Fortbewegung in Australien: Im Idealfall bewegt man sich in Australien als unabhängiger Selbstfahrer fort. An der Ostküste kann man auch per Fernreisebus reisen, an der Westküste würde ich von Bussen abraten, da sie die besten Nationalparks nicht anfahren. Nicht zu unterschätzen sind die hohen Kosten für Sprit, denn der ist in Australien nur in den wenigen Großstädten günstig. Je abgelegener, desto teurer der Sprit, wobei die Preise in Deutschland weit übertroffen werden können. Und in Australien legt man schnell etliche tausend Kilometer zurück – ein Umweg von 1.000 km für einen Zwischenstopp sind nicht unbedingt ungewöhnlich. Zum Beispiel beträgt die Strecke zwischen Perth und Darwin auf direkter Strecke rund 4.000 km, realistischer ist es aber, mit gut 7.000 km zu rechnen!

 

Tauchpreise: Das Tauchen in Australien ist teuer. An bekannten Plätzen kann ein Tauchgang bis zu 200 AUS-Dollar (ca. 135 Euro) kosten.

 

Visum: Es gibt verschiedene Visa, die in Frage kommen. Meist wird entweder ein Touristenvisum benötigt oder die Reisenden bleiben bis zu einem Jahr und wollen auch arbeiten (Working Holiday Visa). Mehr Informationen dazu gibt es auf der offiziellen australischen Tourismus-Website. Dort gibt es auch viele nützliche Infos zur Reisevorbereitung. Eine weitere tolle Seite dafür ist australien-info.de.


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