Interview: Karina Wendt bloggt bei Zauberhaftes Anderswo übers Reisen und Tauchen

Autorin: Sonja Kaute


Vom Echinger Weiher bis zu den Cenoten in Mexiko: Karina Wendt bloggt übers Tauchen und Reisen. Uns schildert sie ihre aufregendsten Unterwasser-Erlebnisse, ihr „Wechselbad der Gefühle“ in den Cenoten und welche Blogs Taucher lesen sollten. 


Sonja Kaute: Hallo Karina. Du tauchst und reist gerne und schilderst Deine Erlebnisse von unterwegs und unter Wasser in deinem Blog Zauberhaftes Anderswo. Inzwischen bist Du PADI Advanced Open Water Diver. Wie bist Du zum Tauchen gekommen?

Karina Wendt
Karina Wendt

Karina Wendt: Tauchen zu lernen stand eigentlich nie auf meinem Plan. 2012 hatte ich mit meinem Freund Urlaub in Mexiko gebucht. Eines Tages kam er auf mich zu und meinte „Du, ich hab gehört, in Mexiko kann man super tauchen, das wollte ich schon immer mal machen. Hast du Lust, mit mir zusammen einen Tauchkurs zu machen?“ Ich bin bei sowas dann eigentlich recht spontan. Ohne also genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse, habe ich „Na klar!“ gesagt und ein paar Wochen später haben wir schon angefangen die Theorie zu büffeln.

 

Was reizt Dich an diesem Sport besonders?

 

Am Tauchen fasziniert mich vor allem die unglaubliche Ruhe unter Wasser. Es ist für mich eine wunderbare Möglichkeit, um mich zu entspannen und die Welt dort draußen einfach mal für eine Weile zu vergessen. Unter Wasser bin ich einfach in einer komplett anderen Welt. Wenn ich nur noch das gleichmäßige Geräusch meines Atemreglers höre, mich im Wasser treiben lassen kann und dabei das bunte Leben all der faszinierenden Unterwasserwesen beobachten kann – dann bin ich einfach nur glücklich.

 

Ein wenig herumgekommen bist Du unter Wasser ja schon: In Deinem Blog gibt es Tauchberichte zu deutschen Seen, Bali und Mexiko. Wo hat es Dir denn bislang am besten gefallen? 

 

Auf Bali. Das lag einerseits an der unglaublichen Vielfalt von Tauchplätzen, die wir dort gesehen haben – von Makrotauchplätzen, über Wracks und spezielle Tauchplätze wie dem Mantapoint war einfach alles dabei. Andererseits hatten wir auch unglaublich tolle Tauchguides, mit denen das Tauchen riesigen Spaß gemacht hat. Für mich hat auf Bali alles gepasst.

 

Gibt es ein Tauchgangserlebnis, das aus allen anderen positiv heraussticht?

 

Je länger ich über diese Frage nachdenke, desto mehr denke ich „Hilfe, ich kann mich nicht entscheiden!“ Wirklich toll war der Early Morning Dive auf Bali, bei dem wir einem Schwarm Büffelköpfe beim Aufwachen zugesehen haben. Wir waren so nah an diesen Tieren dran – das war einzigartig. Genauso faszinierend war der Moment, in dem ich das erste Mal das Kubu-Wrack gesehen habe. So ein riesiges Schiff! Wie es da so völlig unberührt auf dem Meeresgrund lag, ganz ohne riesige Heerscharen an Tauchern drum herum – nach ein paar Tauchgängen an der USAT Liberty war das ein echter Segen. So ein riesiges Schiffswrack ganz allein und in Ruhe erkunden zu können, das war schon echt ein toller Moment.

Du warst in den Cenoten in Mexiko tauchen, einem Traumziel für viele Taucher. Wie hat es Dir dort gefallen?

 

Das Tauchen in den Cenoten hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich zugeben muss, dass es eine echte Herausforderung für mich war. Ich hatte damals erst 16 Tauchgänge geloggt und war dementsprechend noch recht unsicher. Das war auch der Grund, weshalb ich während der beiden Tauchgänge in einem ziemlichen Wechselbad der Gefühle war. Einerseits fand ich diese völlig andere Unterwasserwelt absolut faszinierend – all diese riesigen Gesteinsbrocken, Fossilien unter Wasser und die riesigen Tropfsteine – das war von der Umgebung her wirklich einzigartig!

 

Andererseits gab es schon auch Momente, in denen ich mich zusammenreißen musste, nicht zu sehr in den Strudel des Kopfkinos zu geraten. Ein paar Mal ist es mir allerdings doch passiert, dass ich angefangen habe zu grübeln. „Irgendwann sind diese unterirdischen Höhlen an verschiedensten Stellen schon mal eingebrochen, irgendwann sind all die großen Gesteinsbrocken mal von der Decke gestürzt. Hoffentlich stürzt hier jetzt nichts ein…“. Glücklicherweise hatten wir einen sehr guten und erfahrenen Guide. Er hat es geschafft, mir ein sicheres Gefühl zu geben. Alles in allem überwogen also definitiv die positiven Gefühle – es waren tolle Tauchgänge. Auch wenn ich sicherlich nie zum Cave-Diving-Fan werde.

 

Du empfiehlst Deinen Bloglesern aufgrund Deiner eigenen Erfahrung, sie sollten noch heute anfangen, ihre Träume zu verwirklichen. Wie sehen denn Deine Tauch-Träume aus: Wo möchtest Du unbedingt noch hin?

 

Ohje… da kann ich mich gar nicht entscheiden, es gibt so viele tolle Tauchgebiete auf der Erde. Ganz oben auf unserer Liste steht Palau, dann folgen ohne bestimmte Reihenfolge Island, die Azoren, Malediven, Ägypten, Kroatien… Wenn ich das Geld hätte, würde ich einfach die Koffer packen und in einer riesigen Weltreise alle möglichen tollen Tauchgebiete erkunden. Aber da ich bisher noch nicht im Lotto gewonnen habe, müssen wir die Tauchplätze langsam und gemächlich „abarbeiten“. 2014 geht es erstmal nach Thailand.

Hattest Du auch schon mal nicht so schöne Erlebnisse oder warst enttäuscht von einem Tauchplatz?

 

Wirklich enttäuscht von einem Tauchplatz war ich noch nie. Es gibt halt Tauchplätze, die einen völlig faszinieren und andere, die halt schön sind, aber vielleicht nicht überragend. Aber das Gefühl, aus dem Wasser zu steigen und zu denken, „das war jetzt aber total doof“, hatte ich noch nie. Ein negatives Taucherlebnis hatte ich auf Bali, als ein neuer Tauchbuddy in unsere Gruppe kam. Der fand es irgendwie immer toll, sein eigenes Ding durchzuziehen, war oftmals ewig weit weg von der Gruppe und hat alle aufgehalten. Seine (extra größere Flasche) hatte er in Null-Komma-Nix „ausgesoffen“, weil er ständig so aufgeregt durch die Gegend geschwommen ist.

 

Der für mich krasseste Moment war dann allerdings, als er mir etwas zeigen wollte, was er entdeckt hatte. Ich war in dem Moment gerade ganz in Gedanken und in eine andere Richtung unterwegs – da zog er mich plötzlich an der Flosse zurück. Das war für mich schon erstmal ein Schock-Moment. Seitdem steht diese Sache auf meiner persönlichen Liste der No-Gos unter Wasser ganz oben! (Nachdem ich ihn über Wasser darauf angesprochen habe, dass ich das nicht in Ordnung fand, kriegte ich übrigens nur ein „Na, was soll’s schon gewesen sein. Ein Hai wird dich da unten schon nicht angreifen“ zu hören. Manche sind halt unbelehrbar.)

 

Wenn Du nicht durch die Welt reist, springst Du auch gerne einmal in Deutschland ins Wasser. Welchen Tauchplatz hierzulande würdest Du unseren Lesern empfehlen und warum lohnt sich das Tauchen dort?

Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass ich die beste Person für Tipps in Deutschland bin. Die deutschen Seen, in denen ich schon tauchen war, kann man (zurzeit) noch an einer Hand abzählen. Im Kulkwitzer See bei Leipzig habe ich meine Ausbildung gemacht. Im Cospudener See bei Leipzig dann einen Stress & Rescue Kurs. Am schönsten fand ich aber bisher den Steinbruchsee bei Pretzien in der Nähe von Magdeburg – weil hier das Wasser so super klar war. Wir hatten tolle Sicht und unter Wasser gab es so einiges an altem Bergwerkequipment zu entdecken.

 

Und welche Blogs und Websites würdest Du anderen Tauchern empfehlen? 

 

Wer ein wenig enttäuscht ist von meinen nicht-wirklich-vorhandenen Tipps für Deutschland, dem empfehle ich den Blog von Steffi und Peter, in dem es ausschließlich ums Tauchen im Süßwasser geht. Gern schaue ich auch bei Lars und Huey von den Lostplacedivern vorbei.

 

Meinen absoluten Lieblings-Tauch- und Reiseblog gibt es nur auf Englisch. Wen das nicht stört, der sollte unbedingt bei Alex vorbei schauen.

 

Vielen Dank für das Interview!



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Bei dekopause sind schon eine ganze Reihe von Interviews mit Menschen aus dem Tauchsport erschienen. In einer Serie interviewen wir Menschen, die sich online mit dem Tauchen beschäftigen. Ihr wollt dabei sein oder kennt jemanden, den wir unbedingt vorstellen sollten? Dann schreibt uns, bei FacebookTwitter oder per E-Mail an dekopause@ew80.de!


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