Ein paar Schwächen, aber gute Ergebnisse: Testbericht zur Actioncam S-50 von Rollei

Autorin: Sonja Kaute


Muss es vielleicht gar nicht immer eine GoPro sein? Von Rollei gibt es eine neue Actioncam, mit der man auch unter Wasser filmen und fotografieren kann. Unser Gastautor DiveCooky hat die Rollei S-50 getestet und teilt seine Erfahrungen sowie Fotos und Videos bei dekopause.

Die neue S-50 Actioncam von Rollei bringt fast alles mit, was es benötigt, um unter Wasser sofort loszulegen. Sie ist der Nachfolger der Rollei 5S Diving-Edition. Einzig eine Micro-SD-Karte muss man sich selbst zulegen. Zwei Akkus, integriertes LCD-Display, UW-Gehäuse (wasserdicht bis 60 Meter) und zahlreiche Klebepads sind bereits mit an Bord. Je nach Edition gibt es kleinere Variationen im Zubehör, der Standard-Edition beispielsweise liegen drei verschieden farbige Oberflächen bei.

Lieferumfang der Rollei S50 Nitro Circus
Lieferumfang der Rollei S50 Nitro Circus

Ganz besonders klasse: Der neuen Rollei liegt sogar das Schnittprogramm Corel Video Studio X6 gratis als Downloadlink bei. Damit lassen sich die Aufnahmen zu einem kleinen professionellen Filmchen schneiden.


Die ersten Schritte mit der Rollei S-50 Actioncam

Es lohnt sich zunächst einen Blick in die wenigen Seiten des deutschen Teils der Bedienungsanleitung zu werfen und sich einen Überblick über die Funktionen der S-50 zu verschaffen. Währenddessen können sich die Akkus an der mitgelieferten Ladestation mit Strom volllaufen lassen. Auch den Blick auf die Homepage von Rollei sollte man nicht auslassen. Dort kann man den aktuellsten

                                                                Firmware-Stand abgleichen und

                                                                gegebenenfalls aktualisieren.

 

Um den Akku in die Kamera zu kriegen, benötigt man die exakte Länge an Fingernägeln. Nicht zu lang, sonst brechen sie ab. Aber auch nicht zu kurz, sonst bekommen sie die Front nicht ab. Am Anfang schon etwas umständlich und man hat etwas Angst, die ganze Actioncam zu zerreißen. Aber nur Mut, es geht! Nach ein paar Öffnungs- und Schließvorgängen hat man sich daran gewöhnt.

 

Videoaufnahme: Start um Sekunden verzögert

 

Wer die Kamera anstellt und sofort das erste Video aufnehmen will, dem wird ein kleiner Stolperstein in den Weg gelegt. Drückt man unmittelbar nach dem Anschalten die Video-Aufnahmetaste, so blinkt „Wifi-Aktivierung“ auf und die Aufnahme startet nicht. Es dauert circa zehn Sekunden, bis sich die Videoaufnahme starten lässt. Auch wenn man W-LAN ausgeschaltet hat, nimmt sich die Kamera diese „Gedenksekunden“. Fotos funktionieren dagegen sofort.

 

In einem Firmware-Update soll diese Wartezeit verkürzt werden. Ins Menü gelangt man durch Drücken der „nach Links“-Taste für circa drei Sekunden. Jetzt kann man ein bisschen mit den Einstellungen für Fotos und Videos herumspielen und sich mit der Kamera vertraut machen.

 

Foto-Funktionen: überschaubar und verständlich

Rollei S50-Actioncam (20M 16:9, Farbmodus „natürlich“)
Rollei S50-Actioncam (20M 16:9, Farbmodus „natürlich“)

Überschaubar und verständlich sind die Einstellmöglichkeiten beim Fotografieren. Am wichtigsten ist die Foto-Auflösung: 20M (16:9) und 14M. Je nach Gusto variiert hier der Grad des Weitwinkels:16:9 für wahre Weitwinkel-Aufnahmen, 14M eher für die „normalen“ Fotos. Auch der Unterschied zwischen dem Farbmodus „kräftig“ und „natürlich“ lohnt einen Blick. Für Taucher vermutlich weniger interessant aber vorhanden: Selbstauslöser, Serienbild und Intervall-Modus. Auch ein Datums-Stempel wäre verfügbar für die etwas Vergesslichen unter uns.

 

Die Rollei S-50 Actioncam unter Wasser

 

Ich hatte noch die Firmware V1.09. mit dabei. Nach dem Einschalten dauerte es circa zehn Sekunden, bis man tatsächlich Filmen konnte. Diese Zeit soll im Firmware-Update zwar drastisch reduziert werden, dennoch empfehle ich die Funktion „Monitor aus“ auf mindestens drei Minuten zu stellen und „automatisch aus“ auf  mindestens 20 Minuten. Damit umgeht man das ständige Warten.

 

Wenn man sehr sparsam filmt, reicht der Akku für zwei Tauchgänge. Die besten Szenen kommen aber überraschend und dann sollte man sich auf sein Objekt konzentrieren und nicht auf die Kamera. Also lieber Akku nach jedem Tauchgang gegen den zweiten mitgelieferten tauschen und immer im Wechsel laden.

 

Übrigens: Bei einem Weitwinkel von 175° kann der Hai so nahe sein wie er will – er passt aufs Bild!

Tauchmodus und Tiefsee-Modus der Rollei S-50

 

Im Werkzeug-Menü der Einstellungen kann man unter „Farbmodus“ „Tauchen“ oder „Tiefsee“ einstellen. Leider kann man die Modi nicht unter Wasser wechseln, man muss sich also vorher entscheiden, mit welchem Modus man filmen möchte. Die beiden Modi bringen zwar eine Verbesserung im Vergleich zur natürlichen Aufnahme. Aufnahmen im Riff stellen letztendlich aber nicht zufrieden und haben teilweise einen Gelb-/Grünstich.

 

Empfehlenswert können die Modi durchaus sein beim Filmen von Blauwasserobjekten wie Delphinen, Barracudas oder Haien. Da beide Modi vermutlich nur gerechnet werden, sollten Leute, die nachbearbeiten möchten, im Modus „natürlich“ filmen.

 

Der Modus „kräftig“ brachte ebenfalls keine deutlichen Verbesserungen. Wohlgemerkt, dies ist alles meine persönliche Auffassung. Die Bewertung anhand objektiver Messmethoden sei den Fachmagazinen überlassen.

Foto mit Rollei S50-Actioncam. Im Vordergrund mit externer Lichtquelle, nicht nachbearbeitet
Foto mit Rollei S50-Actioncam. Im Vordergrund mit externer Lichtquelle, nicht nachbearbeitet

Die Rollei S-50 mit AutoMagic-Rotfilter

 

Ich war mit der S-50 auch mit einem zusätzlichen AutoMagic-Rotfilter unter Wasser. Wer die zusätzliche Investition noch angehen möchte, erhält im Modus „natürlich“ mit dem Rotfilter klasse Aufnahmen.

Tipps und Tricks zur Kamerapflege

 

Mit die größte Angst eines jeden Filmers und Tauchers: Die Kamera säuft unter Wasser ab. Sagt man Salzwasser für die menschliche Haut heilende Kräfte nach, so gilt dies für Elektronik leider nicht: Im Handumdrehen ist der Kontakt überbrückt und der Kurzschluss erfolgt. Dann kann die Kamera zu Grabe getragen werden. Während meines Urlaubs gingen bei anderen Tauchern drei Kompaktkameras kaputt. Eine überlebte das Desaster denkbar knapp. Also was tun?

 

Ich persönlich rate eher von übertriebener Vorsicht ab. Zu Beginn des Tauchurlaubs sollte der O-Ring vorsichtig mit einem stumpfen Gegenstand vom Gehäuse gelöst werden. Hier liegt meines Erachtens die Hauptgefahr, den O-Ring zu verletzen. Die Auflagefläche des O-Rings im Gehäuse mit einem fusselfreien Tuch reinigen, den O-Ring mit Seife gründlich waschen und dann etwas Fett zwischen Daumen und Zeigefinger verreiben und den O-Ring komplett mit einem Fettfilm ummanteln. Anschließend aufziehen und gut ist.

 

Ich fasse den O-Ring anschließend nicht mehr an. Nach dem Tauchgang in Süßwasser spülen, eventuell mit  Pressluft trocknen oder mit einem fusselfreien Tuch abwischen. Staub und beispielsweise Salzkristalle machen dem O-Ring nichts. So bin ich problemlos durch die zweieinhalb Wochen gekommen und hatte lediglich Wasser vor der Linse, aber nicht darin.

Was tun gegen ein beschlagenes Kamera-Gehäuse?

 

Die S-50 ist gegenüber dem Auskondensieren von Luftfeuchtigkeit innerhalb des Gehäuses schon deutlich robuster als der Vorgänger. Dennoch ist es hin und wieder bei mir aufgetreten. Was ist das grundsätzliche Problem?

 

Je wärmer Luft ist, desto mehr Wasser kann sich als Dampf in ihr lösen. Unter Wasser ist es in der Regel deutlich kühler als oberhalb. Die Luft kühlt ab, Wasser kondensiert aus. Daher sind alle teureren UW-Gehäuse aus Aluminium. Diese Gehäuse haben eine extrem hohe Wärmekapazität, so dass sich die innere Temperatur nach dem Abtauchen nur sehr langsam ändert und somit kein Wasser auskondensiert.

 

Auf der Tauchsafari habe ich das Gehäuse offen für circa zehn Minuten in der Sonne trocknen lassen, dann die Kamera reingelegt und das Gehäuse geschlossen. So gab es keine Probleme.

Mein Fazit zur Rollei S-50

 

Zwei Wochen filmen und testen haben mich überzeugt: Preis-Leistung passt. Ich würde die zusätzliche Investition eines Rotfilters empfehlen. Schade ist, dass man das Menü unter Wasser nicht erreicht. Qualitativ sind super Videos herausgekommen, wie die Fuchshaie beweisen. Das liegt dann hauptsächlich am Filmer. Die Kamera gibt einem wenig Spielraum, die Schuld auf sie zu schieben, wenn etwas nicht klappt.


Dieser Gastbeitrag ist eine gekürzte Fassung des Originalbeitrags im Blog von DiveCooky. Alle Fotos (mit Ausnahme der Lieferteile und Kamera) sind von DiveCooky. Wir bedanken uns für die Kooperation!


Habt ihr auch etwas zu erzählen?

 

Habt ihr einen tollen Tauchurlaub gehabt? Kennt ihr besondere Tauchspots oder könnt einen Testbericht schreiben? Habt ihr gute Fotos dazu? Dann schickt uns eure Themenvorschläge per E-Mail an dekopause@ew80.de oder kontaktiert uns bei Facebook oder Twitter!


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