"Ich freue mich über jeden Like" - Mario Merkel über seine Facebook-Seite "Tauchrevier Deutschland"


Mario Merkel startete vor rund eineinhalb Jahren seine Facebook-Seite „Tauchrevier Deutschland“. Über 800 Taucher haben die Seite inzwischen abonniert. Im Interview gibt Mario Einblick hinter die Kulissen von „Tauchrevier Deutschland“. Und wir suchen weitere Online-Köpfe aus dem Tauchsport!


Sonja Kaute: Hallo Mario! Stelle Dich doch bitte zu Anfang kurz vor, damit wir wissen, wer eigentlich hinter „Tauchrevier Deutschland“ steckt. 

 

Mario: Ich komme aus dem schönen und seenreichen Brandenburg. Zumindest lebe ich seit vielen Jahren dort. Gebürtig bin ich aus Sachsen-Anhalt. Meine Natur- und Wasserverbundenheit bestand eigentlich schon immer. Zum Tauchen allerdings bin ich recht spät gekommen: 2006 im Urlaub auf Mallorca „drängte“ meine Frau mich, nun endlich den Tauchschein (OWD) zu machen. War schon toll! Dann dauerte es nochmals gute zwei Jahre, bis ich hier in Deutschland Anschluss zur „Tauchszene“ gefunden hatte. Glücklicherweise traf ich auf die Taucher des „1A-Tauchcenter“, mit denen mich heute eine gute Freundschaft verbindet. Nach dem AOWD ist dann der Knoten geplatzt. Später folgte der RescueDiver und Divemaster. Tauchen wurde zum festen Bestandteil meines Lebens. Der Entdeckergeist und die Neugier waren geweckt: Wo kann man hier tauchen? Was sind die tollsten Tauchspots? Die Tauchgänge wurden anspruchsvoller, die Sporttauchausrüstung schnell gegen DIR-konformes Equipment getauscht.

Und immer wieder tauchen, üben, tauchen, sich austauschen und wieder tauchen. So kamen bisher etwa 400 Tauchgänge zusammen. Mittlerweile wurde das Höhlentauchen in Deutschland immer populärer und ich entschloss mich, bei Divetropolis den IntroCave-Kurs zu absolvieren. Diesen Sommer nahm ich außerdem an einer Zertifizierung zum UW-Archäologen teil. Es ist wie mit allen Dingen: Je tiefer man eintaucht, desto mehr erkennt man, dass man ganz am Anfang steht.

Du konzentrierst Dich auf Deiner Seite auf Deutschland. Fährst Du noch „richtig“ in den Tauchurlaub oder hat Deutschlands Süßwasser Dich fest im Griff? 

 

Ja klar, auch wenn ich es wirklich genieße in unseren Tauchrevieren zu tauchen und dabei absolut entspannen kann, fahre ich sehr gern auch in den Tauchurlaub, umso mehr, da meine Frau inzwischen auch zu den Tauchern zählt. Selbstverständlich kenne ich einige Ecken des Klassikers Rotes Meer, war in Kenia, Indonesien, Philippinen und auf den Malediven. Es ist wunderbar auf dieser Welt!

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Tauchrevier Deutschland zu starten? 

 

Vor eineinhalb Jahren habe ich mich im Rahmen meiner Tauchausbildung intensiv mit der Theorie beschäftigt, war auch viel im Netz unterwegs. Irgendwie hatte ich dann die Idee, eigene Beiträge zu verfassen. Das tat ich unter meinem persönlichen Facebook-Account, merkte aber schnell, dass ich damit alle Nichttaucher langweilte. So kam mir die Idee einer eigenen Seite. Facebook war für mich das probate Mittel. Um mich auch zu den bestehenden Angeboten (Equipment&Technik, Ausbildung) abzugrenzen, war schnell klar: Ich berichte über das, was ich erlebe. Im Grunde handelt es sich bei „Tauchrevier Deutschland“ um eine Art Blog.

Wie hat sich die Seite von da an entwickelt?

 

Erstaunlich gut! Nunmehr zählt die Seite beinah 850 Fans. Das freut mich natürlich ungemein! Der Anfang war natürlich recht zäh. Und es gehörte (und gehört auch jetzt) jede Menge Beharrlichkeit und Ausdauer dazu. Aber ich berichte ja über die Dinge, die mir Spaß machen. Man freut sich über jeden „Like“ und jeden Kommentar. Und wenn die ersten Rückmeldungen kommen, fühlt man sich in seiner Sache bestärkt. Als dann sogar Gastbeiträge und Anfragen nach Tauchplätzen bei mir eintrafen, wusste ich, Tauchrevier Deutschland wird wahrgenommen.

 

Hast Du über „Tauchrevier Deutschland“ schon neue Buddys gefunden oder andere interessante Begegnungen gehabt?

 

Klar, die Seite hilft einem schon, sich zu vernetzen. Wenn man dann sogar Fans an unseren Gewässern trifft, ist das toll! In diesem Sommer begegnete ich einem Tauchfreund aus Nürnberg, der wegen der Berichte auf meiner Seite einen Tauchurlaub in Brandenburg und Sachsen-Anhalt geplant hat. Wir trafen uns sogar zweimal – am Helenesee und Straussee. Gefreut habe ich mich auch über eine Aussage eines Basisbetreibers, der meinte: „Ich kenne Tauchrevier Deutschland. Habe mich immer gefragt, wieso du noch nicht hier bei mir warst“.

 

Das ist eine tolle Bestätigung! Was sind denn Deine Lieblings-Tauchplätze in Deutschland?

 

Eine schwierige Frage! Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich einen wirklichen Lieblings-Tauchplatz habe. Die Tauchreviere Deutschlands sind so facettenreich und unterschiedlich, jedes ist auf seine Weise schön. Ich tauche gerne bei mir um die Ecke in der Helene und dem Straussee wegen des Fischreichtums. Aber ich mag es auch, an den Steilkanten von Steinbrüchen in die Dunkelheit abzutauchen. Die Ostsee ist toll! Im Edersee in Hessen habe ich schöne Tauchgänge bei klarem Wasser gemacht. Na, und wer mag Hemmoor nicht? Die UW-Bergwerke in Rabenstein und Kleinenbremen waren auch beeindruckend. Nein, einen Lieblings-Tauchplatz habe ich nicht wirklich. Oder vielleicht doch einen, aber den möchte ich nicht verraten! Jedoch kann ich nicht leugnen, dass ich eher die ruhigeren Ecken zum Tauchen bevorzuge. Ich muss außerdem sagen, dass der Süden Deutschlands für mich noch echtes Pionierland ist. Hier steht eine Tauchreise fest auf dem Plan. Einladungen aus Bayern habe ich schon erhalten.



Du betonst auf Deiner Seite, dass es Dir um den Spaß am Tauchen, das Entdecken neuer Reviere, aber auch um deren Bewahrung geht. Wie wichtig ist Dir der Umweltschutzaspekt und wo hakt es da Deiner Meinung nach noch?

 

Oh ja, ich bin überzeugt, dass nur umweltgerechtes Tauchen uns lange Freude an unseren Tauchrevieren lässt! Dabei bin ich aber kein Umweltextremist. Natur und Menschen gehören für mich zusammen. Für mich bedeutet Ausschluss des Menschen nicht zwingend Naturschutz. Aber es gibt schon einige wenige Regeln, die ein jeder Taucher beachten kann und sollte. Die Leitlinien des VDST sind da zum Beispiel ein guter Leitfaden. Wer meine Tauchberichte liest, wird erkennen, dass es mir hierbei nicht um den tollen Taucher, sondern um das Tauchrevier, die Flora und Fauna unter Wasser geht. Wenn man die Augen nicht verschließt, kann man schon Veränderungen erkennen. Und wie gesagt, ich tauche noch gar nicht so lange.



Du fotografierst auch und zeigst die Fotos auf Deiner Seite. Welche Ausrüstung benutzt Du dafür?

 

Das Fotografieren ist so eine Sache. Das mochte ich in den Anfängen einfach nicht. Habe mir immer eingeredet, dass ich meine Eindrücke im Gedächtnis ablege. Da habe ich mich wohl selbst belogen und war unter Wasser eher mit mir selbst beschäftigt. Mittlerweile fotografiere ich sehr gern.  Obwohl ich mich immer noch über die starken Abweichungen zwischen Objekt-Stillhalte- und Kamera-Auslösezeiten ärgere. ;-) Meine Ausrüstung ist recht einfach gehalten. Ich bin mit einer kompakten Sealife DC1400 unterwegs, die mir meine Frau geschenkt hat (ich stelle fest, dass meine Frau eine nicht ganz unerhebliche Rolle in meiner Taucherlaufbahn spielt). Zum Ausleuchten verwende ich manchmal meine Gralmarine GL7. Ich habe einen guten Freund in der Nähe von Hemmoor. Er taucht mit einer UW-Kamera, die ist so groß wie Raumschiff Enterprise! Wäre mir zu aufwendig. Aber wie gesagt, Fotografieren wollte ich auch ursprünglich nicht.

 

Kannst du unseren Lesern trotzdem einige Seen für die Unterwasserfotografie empfehlen?

 

Schwierig. Die Helene ist glaube ich sehr gut geeignet, da Lichtverhältnisse, Sichtweiten und der Fischreichtum sehr gut sind. Aber ich konnte auch im Großen Kronsee gute Ergebnisse erzielen.  Es hängt immer auch davon ab, welches Motiv man ablichten möchte und mit welcher Kamera man unterwegs ist. Da bin ich aber nicht der richtige Ansprechpartner. Du siehst ja die Ergebnisse von meinen Tauchgängen.

 

Im deutschsprachigen Bereich des Internets entdecke ich immer wieder neue Seiten zum Tauchen. Einige sind bekannt, andere weniger. Welche Tauchseiten verfolgst du denn?

 

Na, jeder kennt natürlich die Klassiker wie das Taucher.net oder 200bar, mit den ich mich weder messen kann noch möchte. Auch das Tauchseen-Portal des VDST ist gut, hier fehlt mir allerdings die Aktualität. Den neuen mit Leidenschaft geführten Blog „Freshwater-Team“ von Steffie und Peter aus Köln besuche ich gern. Eine tolle Tauchseite ist auch „crazy-dive.de“ von Leane. Und im technischen Bereich kommt man am Blog „Tipps-fuer-Taucher“ von Stefan nicht vorbei. Die Website „danielschmid.de“ bietet hier auch sehr viel Hilfreiches. Das Netz ist eine wahre Fundgrube! Ich möchte aber anmerken, dass nichts über den direkten Austausch mit erfahrenen Tauchern geht. Ich kann nur empfehlen, gut zuzuhören.



Das kann ich bestätigen! Lass uns noch kurz in die Zukunft blicken: Wie geht es mit Tauchrevier Deutschland weiter? Ist zum Beispiel eine Website unabhängig von Facebook geplant?

 

Im Ernst, über einen Blog (eventuell WordPress) habe ich schon mal nachgedacht. Ist alles eine Frage der Zeit. Und ich habe ja nichts zu verkaufen, muss also nebenher noch arbeiten gehen. ;-) Mal sehen. Die Adresse tauchrevierdeutschland.de ist jedenfalls reserviert und auf meine Facebook-Seite umgeleitet.

 

Ich danke Dir für das Interview und wünsche weiterhin viel Erfolg mit „Tauchrevier Deutschland“!


Alle Fotos © Mario Merkel


Wir wollen mehr Interviews machen – helft uns dabei!

 

Bei dekopause sind schon eine ganze Reihe von Interviews mit Menschen aus dem Tauchsport erschienen. Mit dem obigen Interview möchten wir eine Serie starten und Menschen vorstellen, die sich online mit dem Tauchen beschäftigen: Seitenbetreiber wie Mario und tauchende Reiseblogger zum Beispiel. Ihr wollt dabei sein oder kennt jemanden, den wir unbedingt vorstellen sollten? Dann schreibt uns, bei FacebookTwitter oder per E-Mail an dekopause@ew80.de!


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