The Oasis Marsa Alam, Ägypten: Highlights im Minutentakt


Der Tauch-Blogger Divecooky war im August eine Woche in Marsa Alam in Ägypten und hat nicht nur jede Menge Tauchtipps, sondern auch tolle Fotos mitgebracht. Die verbreiten wir gerne – Ägypten kann gute Werbung derzeit schließlich mehr als gebrauchen!

Ägypten, der Top-Spot vor der Haustüre Europas mit Sichtweiten bis zu 40 Metern, einer überwältigenden Artenvielfalt für Weitwinkel und Makrofans und zugleich auch gut entwickelter Infrastruktur. Viele Riffe sind durch die Horden durchziehender Taucher und Schnorchler deutlich gekennzeichnet. Inmitten der aktuellen Unruhen haben die Riffe allerdings wieder etwas Zeit sich zu erholen, es ist nicht mehr ganz so überlaufen. Wer nach einer Oase der Ruhe sucht und sich gänzlich aufs Tauchen konzentrieren möchte, dem sei das folgende Hotel und Tauchresort ans Herz gelegt:

 

The Oasis – Dive Center, gemeinsam betrieben von Werner Lau und Sinai Divers. Es liegt rund 20 Minuten südlich vom Flughafen Marsa Alam, direkt vor der Haustüre von Elphinstone. Vom Pool aus kann man die vor dem Hochseeriff liegenden Safariboote kommen und gehen sehen. Seit Anfang 2009 leiten Roland und Ilona die Tauchbasis. Die 50 Doppelzimmer umfassende Anlage befindet sich ebenfalls unter deutscher Leitung.

 

Tauchen und Ruhe: Das Hotel The Oasis

 

Wer sich für das Oasis entscheidet, will tauchen. Und Ruhe. Das wird bereits bei der Zufahrt zum Hotel klar: Es geht keine aufwändig bewässerte und bepflanzte Allee hinauf zum pompösen Empfang. Kurz und bündig weist uns Ashraf in die Begebenheiten des Hotels ein und ab geht’s aufs Zimmer. Und sofort in den Pool! 40 Grad und brennende Sonne, nahezu ohne kühlenden Wind, reduzieren die erträglichen Orte außerhalb des klimatisierten Zimmers auf diesen einen Ort.

 

Die Zimmer passen sich dem schlichten Stil der Hotelanlage an. Sie sind einfach, aber mit allem Nötigen bestückt und großzügigem Bad. Klimaanlage, großer Balkon, Ventilator, Kühlschrank (schön wäre allerdings ein leiser), alles da. Es fehlt wenn überhaupt an banalen Kleinigkeiten. Wer noch geräumigere und schöner eingerichtete Zimmer mit Meerblick und stärkerer Klimaanlage möchte, greift zu den Deluxe-Zimmern. Zimmer 23 hat sogar eine Badewanne mit Blick aufs Meer.

Service und familiäre Atmosphäre: Die Tauchbasis The Oasis

 

Vor der Tauchbasis befindet sich eine gemütliche „Deko-Bar“, an der Roland und das Team ein offenes Ohr für „das Bier danach“ haben. Wer auf das familiäre und gegenseitigen Austausch Wert legt, ist hier bestens aufgehoben.

 

Man bekommt seine Box zugewiesen, Nitrox läuft tadellos, am Tauchplatz waren Flaschen und Ausrüstung stets frühzeitig da und am Hausriff bekommt man ebenfalls die Flaschen zum gewünschten Zeitpunkt heruntergebracht. Ihr müsst also schon ein paar Euros Trinkgeld für die Crew einkalkulieren, denn Sie geben euch wenig Anlass zum Punktabzug! Die Vögel zwitschern vom Dach: Bald soll es Strand-Buggys geben, mit denen man die Taucher direkt zum Steg des Hausriffs bringen wird!

 

Blaupunktrochen ohne Ende: Marsa Murena

 

Am nächsten Tag legen wir los mit dem Tauchen. In Marsa Murena gibt es zwei Möglichkeiten: Taucht man links herum, landet man in einem Riff, geradeaus liegt eine Seegraswiese. Eigentlich müsste die Lagune „Marsa Blaupunktrochen“ heißen, hinter jeder Ecke flitzt einer umher. Beim genauen hinschauen wuselt ein Panther-Butt (Flunder) über den Boden. Am Ausstieg im Flachwasser überraschen uns Grundeln mit Knallkrebsen am Boden und kleine Tintenfische an der Wasseroberfläche. Und ein kleines Kofferfischchen summt um uns herum.

 

Bei jedem Tauchgang ein Highlight: tauchen am Hausriff

Nachmittags geht es ins Hausriff. Wir entdecken einen großen Oktopus, aber er ist etwas schüchtern und versucht, sich zu verstecken. Ich bekomme ihn trotzdem vor die Linse. Ha! Dazu eine kleine graue Muräne – fein! Auch ein Kofferfischchen zeigt sich uns. Am Steg wohnen zwei Igelfische, außerdem entdecken wir viele Seenadeln und Drachenköpfe.

 

Insgesamt überzeugt das Hausriff durch seinen Fischreichtum. Bei jedem Tauchgang gab es für uns und die anderen Taucher etwas Besonderes zu entdecken, darunter ein Adlerrochen. Die beste Zeit fürs Tauchen ist zwischen 8 und12 Uhr. Da leuchtet die Sonne direkt ins Riff, später wird es wesentlich dunkler und die Sicht nimmt ab, bis es irgendwann ganz dunkel ist.

 

Erstbegegnungen beim Nachttauchen am Hausriff

 

Apropos ganz dunkel: Im Dunklen ist das Hausriff ein super Spot für Fans des Nachttauchens. Wir sind daher gleich mehrere Male bei Dunkelheit ins Wasser. Beim ersten Nachttauchgang begegnen wir einer Sepia, einem Einsiedlerkrebs mit Anemonen, Hartkorallen übersät mit Krebsen, schwimmenden Würmern und Drachenköpfen.

 

Der zweite Nachttauchgang entpuppt sich als wahrer Highlight-Tauchgang mit Erstbegegnungen. Es scheint Tag der Ringelschlangenaale zu sein: Wir entdecken unter anderem einen Leopardenschlangenaal, einen Vielbartschlangenfisch und zwei weitere Aale, die sich gut versteckt im Riff tummeln.

 

Einen Bärenkrebs und eine Mini-Mini-Flunder hatte ich vorher ebenfalls noch nicht gesehen. Doch auch die bekannten Bewohner des Riffs glänzen mit Attraktivität. Der Igelfisch hat sich vom Nachmittag noch nicht weiter bewegt. Die Pyjama-Nacktschnecke hat es sicher versucht, ist aber nicht weit gekommen. Und fünf Strahlenrotfeuerfische surren umher. Selbst zwei Blaupunktrochen wollen beim nächtlichen Tête-à-Tête mit von der Partie sein. Famoser Tauchgang!

Tagesausfahrt mit der Aqua Blue 1

 

An einem Tag gehen wir auf eine Ausfahrt mit der Aqua Blue 1 ab Port Marsa Alam. Bei drei Flaschen pro Person gibt es bei der Aufteilung etwas Chaos, das ist manch deutschem Auge zu viel, für Ägypten aber normal. Die Bootscrew ist stets hilfsbereit, wir werden gut versorgt. Die Briefings sind verständlich und weder zu lang noch zu kurz. Sauerstoff ist an Bord. Bei den Tauchgängen haben wir freie Hand. Zwischen 70 und 80 Minuten bleiben wir jeweils unter Wasser.

 

Wir starten am Habili Marsa Alam mit einem sehr zutraulichen Fledermausfisch, treffen auf einen Napoleon und Muränen. Dann geht es weiter nach Shaab Marsa Alam und per Zodiac ans Außenriff. An der Kante zum Drop-Off findet sich nichts Größeres, landschaftlich sind die Steinkorallen allerdings wunderschön gewachsen. Und wer mit aufmerksamem Auge das Riff absucht, findet regelmäßig kleine Highlights.

 

Am letzten Tauchgang geht es ans Wrack der Heaven One. Eine Muräne liegt direkt unter dem Boot. Am Wrack gibt es zwei Toiletten für den ein oder anderen Schnappschuss. Die Sichtweite hat auf rund 15 Meter abgenommen.

 

Elphinstone Reef: Treffpunkt sämtlicher Riffbewohner

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten durch einen defekten O-Ring und eine nicht ganz volle Flasche geht es an einem frühen Morgen zum Elphinstone Reef. Vor uns liegt die spiegelglatte See. Gerade mal zehn Minuten dauert die Fahrt hinaus. Und wir sind tatsächlich die Ersten auf dem Plateau der Nordwestspitze!

 

Nahezu strömungslos gleiten wir hinab auf das Plateau, wo der erste Hammerhai an uns vorbeigleitet. Es folgt ein ausgewachsener Napoleon, weiter in der Tiefe tummelt sich ein Schwarm Barrakudas. Zwei weitere Hammerhaie, zwei Graue Riffhaie und ein Schwarzspitzen-Hochseehai gleiten binnen weniger Minuten an uns vorbei. Mehrere Tunas und Bastardmakrelen sehen wir ebenfalls.

 

Sämtliche Bewohner der ägyptischen Riffe präsentieren sich uns. Nur etwas größer oder in größerer Anzahl und bei besserer Sicht als bei den Rifftauchgängen in Küstennähe. Beim zweiten Tauchgang an der Nordspitze formiert sich wenige Meter neben uns ein Baitball aus Füsilieren, ehe sich alles wieder beruhigt und jeder seines Weges geht. Ein Schwarm Meerbarben, locker mehrere hundert Stück groß, steht im Riff. Darüber spielen rund 50 schwarze Doris in den Wellen auf dem Riffdach.

 

Plötzlich das Fiepen von Delfinen! Na klar, man hört sie, aber zeigen tun Sie sich ja eh nie. Von wegen! Wenige Meter neben uns tauchen sie im Blauen ab und passieren uns. Elphinstone hat  seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Wenn man nicht der bereits 100. Taucher ist, der zum Early Morning übers Riff juckelt – das rockt!

 

Abu Dabbab: großer Seegras-Umwühl-Tag

Early Morning Doppeltank-Dive an einem der bekanntesten Küstentauchplätze um Marsa Alam: Abu Dabbab! Stammplatz unzähliger Schildkröten und früheres Dugong-Mekka. Doch das Dugong ist zum Nomaden geworden. 8€ Eintritt, fehlende Dugongs und Horden von Schnorchlern haben die Taucher weitestgehend weiter ziehen lassen. Wir sind morgens um 7 Uhr die Einzigen dort. Wieder gut gemanagt von Basisleiter Roland!

 

Am Eingang zu den Seegraswiesen warten bereits zwei Schildkröten auf uns. Ein Gitarrenrochen schwimmt aber nah und langsam genug an uns vorbei, um prächtig in Szene gesetzt zu werden. Weitere Schildkröten folgen. Der Blick ins Detail ist im Seegras jede Sekunde wert. Ein schwarzer Rotmeerpanzerschwanz robbt durch die nasse Wüste. Ein Pyramidenkofferfisch mit Pilotfischchen – ebenfalls ein genüsslicher Anblick.

 

Beim zweiten Tauchgang wird das Makro-Herz mit drei dicht beieinanderliegenden Rotmeerpanzerschwänzen, einem Einsiedlerkrebs, einem wunderschön und prächtig im Sand liegenden Karnevalstintenfisch (Mimic Octopus) und einem aus einem Sandloch japsenden schwarzen Marmorschlangenaal inmitten der Uferbrandung beschenkt.

Auch an einem kleinen Felsblock hat sich alles Leben in Makro ausgerichtet. Mini Picasso-Drücker, kleine Preußenfische und ein Baby-Rotfeuerfisch sehen alle aus als seien sie zu heiß gewaschen worden. Ein Blaupunktrochen verfolgt jede Richtungsänderung von uns aufmerksam und hält Schritt. Ein wahnsinnig schöner Tauchgang!

 

Marsa Egla: Freude bis zum Auftauchen

 

Beim dritten Tauchgang an diesem Tag geht es ins Seegras nach Marsa Egla. Die Sicht ist nicht allzu gut, doch wir begegnen einem zwei Meter großen Barrakuda – wow! Es folgen jede Menge kleine und große Schildkröten, Flötenfische, Kalmare und Panther-Butts.

 

Unser Highlight: ein Stachelrochen, der zunächst hinter einer grasenden Schildkröte vorbeigezogen ist und sich dann gemütlich über mehrere Minuten hat filmen lassen. Die Freude hält bis zum auftauchen.

 

Fotografen-Objekte im Minutentakt: der letzte Nachttauchgang

 

Der letzte Tauchgang: 90 Minuten Nachttauchen am Hausriff. Kürzer ging einfach nicht! Der Tauchgang beginnt harmlos, doch dann gibt’s Fotografen-Objekte im Minutentakt. Wir hangeln uns Zentimeter für Zentimeter durch das Riff und knipsen Schnecken, Krabben und Krebse. Eine Augenfleckwarzenschnecke scheint zu überlegen, ob sie die nächsten zwei Stunden fünf Zentimeter rechts oder links robben soll. In Feuerkorallen halten sich kleine Muränen versteckt, aus einem Loch lugen einem gleich zwei Köpfe entgegen. Und auch ihre große Mutter finden wir.

 

Ein grandioses Ende einer grandiosen Woche! Dank einer stets sehr freundlichen und zuvorkommenden Basiscrew, guter Organisation durch Roland und das Tauchen mit offenen Augen. Ich bedanke mich beim Team der Tauchbasis und des Hotels und kündige hiermit an: Ich komme wieder!

 

Mehr Fotos von DiveCooky


Dieser Gastbeitrag ist eine gekürzte Fassung des Originalbeitrags im Blog von Divecooky. Alle Fotos sind von DiveCooky. Wir bedanken uns für die Kooperation!


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