Trockentauchen vs. halbtrocken Tauchen - Was ist zu beachten?


daspaddy, CC-Lizenz (BY): http://www.flickr.com/photos/daspaddy/3395065831/
daspaddy, CC-Lizenz (BY): http://www.flickr.com/photos/daspaddy/3395065831/

Süßwassertaucher wissen, was es heißt, richtig zu frieren – oder doch nicht? Während die hiesigen Wassertemperaturen viele Taucher sogar im Sommer abschrecken, trotzen Trockentaucher der Kälte zu jeder Jahreszeit. Welche Vor- und Nachteile hat das Trockentauchen? Wir klären auf.

Viele Taucher stehen irgendwann in ihrem Unterwasserleben vor der Frage: trocken oder halbtrocken? Folgende Punkte sollen bei der Entscheidung helfen, ob sich die Investition in einen Trockentauchanzug im Einzelfall lohnt.

 

Diese Aspekte sprechen für einen Trockentauchanzug

 

Genug gebibbert! Trockentauchen ist wärmer

 

Dieser Punkt ist offensichtlich und der Grund schlechthin, warum Taucher zum Trockentauchanzug greifen: Mit einem Trocki taucht es sich wärmer. Die einzigen Körperteile, die nass werden, sind das Gesicht, eventuell die Haare. Der Rest bleibt trocken. Man friert nicht so schnell und auch nicht so stark wie im halbtrockenen Anzug, das Tauchen ist wesentlich angenehmer, kaltes Wässer lässt sich länger aushalten. Und: Im halbtrockenen Anzug geht das Frieren oft erst nach dem Tauchen richtig los, wenn man sich bei Wind und Wetter aus- und umzieht. Im Trocki ist man auch dagegen gefeit.

 

Wann und wo ich will! Ein Trocki macht unabhängiger

 

Wer trocken taucht, ist relativ unabhängig von der eigentlichen Tauchsaison. Kalte Bergseen sind kein Problem, Trockentaucher können auch im Winter tauchen gehen und sogar unter Eis tauchen. Während Taucher mit nassen oder halbtrockenen Anzügen ihre Sachen im Winter einlagern oder in die Tropen flüchten, freuen sich Trockentaucher auf Unterwassererlebnisse, die es eben nur im Winter gibt. Dazu gehören unglaubliche Sichtweiten.

 

Aber sicher! Trockentauchen kann die Sicherheit erhöhen

 

Unterkühlung und starkes Frieren sind ein Sicherheitsrisiko beim Tauchen. Wer mit durch die Kälte gelähmten Händen seine Ausrüstung nicht mehr richtig bedienen kann, wird vielleicht Probleme haben, die Luft rechtzeitig aus dem Jacket zu lassen, die Maske auszublasen oder den Bleigurt abzuwerfen – geschweige denn, seinem Tauchpartner im Ernstfall zu helfen. Außerdem verengen sich die Gefäße bei starkem Frieren, was wiederum den Abbau von Stickstoff und somit die Dekompression verlangsamt. Starkes Frieren wirkt sich obendrein negativ auf die Konzentrationsfähigkeit aus – ebenfalls ein Risiko. Trockentauchen kann daher sicherheitsrelevant sein. Im „Tauchführer Deutschland Binnenseen und Ostseeküste“ von Alena und Dietmar Steinbach steht, wonach man sich richten sollte:

 

„In Anbetracht dessen, dass in vielen heimischen Gewässern die Pflanzen und damit die meisten Tiere oberhalb von 15 m Tiefe angetroffen werden, sind Tauchgänge im Halbtrockentauchanzug in diesem Bereich akzeptabel. An Steilwänden in 30 m und mehr, im Winterhalbjahr und unter dem Eis sowieso, außerdem bei sehr lang dauernden Tauchgängen, sollte man unbedingt einen Trockenanzug tragen.“

 

Halbtrocken vs. trocken: Diese Aspekte sind zu beachten

 

Trockentauchen erfordert besondere Skills

 

Einen Tauchschein besitzen bedeutet noch lange nicht, trockentauchen zu können. Weil der Trocki ein bis auf die Halsmanschette und das Ablassventil abgeschlossener, mit Luft gefüllter Raum ist, ist das Tarieren die größte Herausforderung beim Trockentauchen. Die Bedienung des Anzugs und seiner Ventile kommt zur Bedienung der Tarierweste also noch hinzu. Je tiefer man taucht, desto mehr Luft muss in den Trocki gefüllt werden. Sonst wird es eng im Anzug. Gerät diese Luft aber in die am Anzug festsitzenden Füßlinge – etwa, weil man kopfüber in einen Canyon hinein taucht – kippt der Taucher schnell ins Ungleichgewicht und droht, unkontrolliert und mit den Füßen zuerst aufzusteigen. In speziellen Trockentauch-Kursen lernt man, sich aus der Über-Kopf-Lage wieder zu „befreien“ und die Tarierung im Trocki in den Griff zu kriegen. Denn was im folgenden Video einfach aussieht, erfordert viel Übung:

Pflege, Wartung und Reparatur: Trockis sind aufwändiger!

 

Trockis erfordern mehr Pflege als halbtrockene Anzüge. Die Ventile am Anzug gehören ebenso gepflegt wie der Inflator am Jacket, außerdem erfordern die (Latex-) Manschetten und der Trocken-Reißverschluss einiges an Pflege, wenn sie dauerhaft halten sollen. Letzterer muss regelmäßig eingefettet werden und darf nicht feucht gelagert werden. Gerissene Manschetten, kaputte Trocki-Reißverschlüsse, klemmende Ventile und Schäden am Neopren sind Probleme, die beim halbtrockenen Anzug nicht auftreten, leicht zu beheben sind oder keine allzu großen Nachteile nach sich ziehen. Ein undichter Trocki dagegen ist nicht funktionstüchtig, die Reparatur muss eventuell beim Fachmann durchgeführt werden und kostet entsprechend Geld.

 

Trockis sind teurer in der Anschaffung als halbtrockene Anzüge

 

Apropos Geld: Trockis sind natürlich auch wesentlich teurer in der Anschaffung als halbtrockene Anzüge. 800 bis 1500 Euro kann man hier einplanen für einen neuen Trocki. Alleine der Preis dürfte auf einige Taucher abschreckend wirken. Es gilt, sich genau zu überlegen, wie oft man ihn brauchen wird. Wer hauptsächlich im Urlaub taucht und dann in tropischen Gewässern, braucht keinen Trocki. Wer ab und an in die heimischen Seen springt, kommt vermutlich auch noch mit einem 7mm starken halbtrockenen Anzug plus Eisweste aus. Wer dagegen regelmäßig auch im Herbst, Winter und Frühjahr im See tauchen möchte, sollte zum Trocki greifen – zumal man den in unseren Breitengraden auch im Sommer anziehen kann.



Weitere Infos zum Trockentauchen

 

Lesetipp: Stefan Franck gibt bei Tipps für Taucher viele Bastel- und Praxis-Tipps für Trockentaucher, zum Beispiel in seiner siebenteiligen Einsteigerserie Trockentauchen.

 

Sehenswert: Im You-Tube-Kanal Wracktauchen gibt es noch mehr lehrreiche Videos zum Trockentauchen – die Jungs haben die Tarierung voll im Griff!


Sagt uns eure Meinung!

 

Stimmt ihr unserem Beitrag zu? Haben wir etwas vergessen, habt ihr weitere Themenvorschläge oder wollt einen Gastbeitrag schreiben? Sagt uns eure Meinung oder teilt uns eure Ideen mit – bei FacebookTwitter oder per E-Mail an dekopause@ew80.de!


Sharen mit: