Fotograf Bernd Köppel über die richtige Fotoausrüstung für Taucher (Teil 2)


Der Fotograf Bernd Köppel liebt es, sein Wissen aus fast 40 Fotografie- und Tauchjahren weiterzugeben. Im zweiten Teil unseres Interviews mit ihm erzählt er, worauf es beim Ausrüstungskauf ankommt und welche Fotoausrüstung man für gute Fotos auf jeden Fall braucht.


In Teil 1 des Interviews hat uns Bernd Köppel verraten, welche Fotofehler Taucher am häufigsten machen, wie man es besser macht und welche Motive für welche Fotografen geeignet sind. Im zweiten Teil konzentrieren wir uns auf die Ausrüstung für Unterwasser-Fotografen:


Sonja Kaute: Welche Ausrüstung würden Sie Einsteigern empfehlen: eher kompakt oder doch etwas aufwändiger? 

 

Bernd Köppel: Das ist eine wichtige Frage, denn das Dilemma fängt – wenn es eins gibt – mit dem Ausrüstungskauf an. Ich führe deshalb täglich stundenlang Beratungsgespräche mit Kunden. Der Punkt ist: Es gibt keine Ausrüstung für Anfänger! Die Kaufentscheidung hat nichts mit dem Anfänger- oder Profi-Status zu tun oder damit, ob jemand nur ein oder zwei Mal im Jahr in den Tauchurlaub fährt und unter Wasser fotografiert. Die entscheidende Frage lautet: Welchen Anspruch habe ich an meine Bilder? Dabei ist es völlig legitim, wenn jemand einen eher geringen Anspruch hat. Dann verkaufe ich ihm gerne die entsprechend günstigere Ausrüstung, denn dann machen 1000 Euro Investition mehr keinen Sinn für den Käufer. Aber die Frage nach dem Anspruch muss vor dem Kauf geklärt werden.

 

Manche Kunden wissen allerdings gar nicht genau, welchen Anspruch sie haben. Ich frage daher gerne, was für Kameras sie über Wasser nutzen. Wer zum Beispiel eine Spiegelreflexkamera benutzt, hat sicher keinen geringen Anspruch. Und wenn mir jemand signalisiert, dass er mittelhohe Ansprüche an seine Fotos hat, ihm aber das Geld für eine Ausrüstung im mittleren Segment fehlt, dann rate ich ihm, jetzt gar nicht zu kaufen und lieber noch etwas zu sparen. Viele Taucher werden schlecht beraten, kaufen anfänglich die falsche Ausrüstung und sind dann enttäuscht von ihren Fotos.

Zu welcher Kamera-Blitz-Kombination würden Sie denn eher raten: teure Kamera ohne Blitzanlage oder eher billigere Kamera mit Blitzanlage?

 

Wenn wirklich die finanzielle Entscheidung im Vordergrund steht, dann würde ich die günstigere Kamera mit einer guten Blitzanlage empfehlen. Man sollte auf keinen Fall an der Blitzanlage sparen!

 

Eine ordentliche Fotoausrüstung für Taucher enthält aber drei Dinge:

  • Kamera samt Gehäuse
  • externe Blitzanlage
  • ein Weitwinkelobjektiv.

 

Das ist wie bei der ABC-Ausrüstung: Die besteht auch nicht nur aus der Maske, sondern aus Maske, Schnorchel und Flossen. Wer auch nur ein bisschen Anspruch an seine Unterwasserfotos hat, braucht diese drei Dinge. Die Blitzanlage ist der Farbpinsel der Unterwasserfotografie: Sie zaubert die warmen Farben wie Rot und Orange herbei, die ab einer Tiefe von sieben Metern komplett verschwinden. Kein Rotfilter kann das leisten, was eine Blitzanlage leistet, deshalb sollte man lieber lecker Essen gehen als sich einen Rotfilter zuzulegen. Ich frage meine Kunden: ‚Möchten Sie Farben im Bild haben, ja oder nein?‘ Ohne Blitzanlage gibt es keine schönen Farben.

 

Und der interne Kamerablitz hat unter Wasser viel zu wenig Power, denn Wasser ist ein gnadenloser Lichtfresser. Der interne Blitz kann keine Farben pinseln und strahlt die Schwebeteilchen entlang der optischen Achse von vorne an. Das gibt dann diese unschönen weißen Reflexionen im Bild. Eine gute Blitzführung kommt daher aus schräger Richtung weg von der optischen Achse. Eine externe Blitzanlage ist daher ein absolutes Muss.

 

Und warum ist das Weitwinkelobjektiv so wichtig?

 

Das Weitwinkelobjektiv braucht man zur Farberhaltung bei Weitwinkelaufnahmen. Das muss man wissen. Wenn ich als Motiv zum Beispiel einen Taucher habe, mit etwas Szenerie drum herum und vielleicht noch einer Schildkröte im Bild, dann ist das ein typisches Weitwinkelmotiv. Ohne Weitwinkel müsste ich mich zu weit von solchen Motiven entfernen, um sie überhaupt ganz draufzukriegen. Mit einem Weitwinkelobjektiv kann ich näher rangehen, und das ist unabdingbar. Denn selbst ein 1000-Euro-Blitz schafft unter Wasser nicht mehr als ein bis zwei Meter! Nur mit einem Weitwinkelobjektiv kann man ein solches Motiv mit nur einem Meter Entfernung komplett erfassen und gut ausleuchten. Nur so kann der Blitz in ein solches Motiv Farben pinseln. Ohne Weitwinkelobjektiv hat ein solches Bild keine Farben.

Viele Taucher kaufen nur eine Kamera mit Gehäuse und sind dann enttäuscht. Viele Gehäuse sind außerdem gar nicht für die Anbringung von Weitwinkelobjektiven vorgesehen. Da hat man dann Geld in den Sand gesetzt. Man muss die Unterwasser-Fotoausrüstung im Zusammenhang sehen.

 

Zum Abschluss eine Frage mit einem Augenzwinkern: Wenn Sie ganz frei wählen könnten, welches Ausrüstungsteil würden Sie sich wünschen, das es noch nicht gibt? 

 

Da muss ich schmunzeln. Ich habe noch zwei alte Nikonos RS Spiegelreflex-Kameras. Das sind Amphibienkameras mit Spezial-Objektiv, für die braucht man kein Unterwassergehäuse. So wie sie sind, ergeben die Fotos Dias. Es ist ein Traum von mir, eine Firma zu finden, die dort einen Chip einbaut, um die Fotografie damit zu digitalisieren. Aber davon träumen wahrscheinlich auch noch andere Unterwasserfotografen…

 

Vielen Dank für all die nützlichen Tipps und das ausführliche Interview! (Hier geht’s zu Teil 1)


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Alle Fotos © Bernd Köppel


Weitere Informationen zu Bernd Köppel

 

Bernd Köppel kommt gebürtig aus Bergkamen, ist 59 Jahre alt und führt in Kleve am Niederrhein das Tauchsport- und Unterwasserfotografie-Fachgeschäft Sport Köppel sowie sein Fotoatelier „Light and Shadows“. Ans Tauchen ist er durch die Fotografie gekommen: Nach seiner Fotolehre wollte er wissen, wie es ist, unter Wasser zu fotografieren. Er hat im Jahr 2013 ganze 38 Jahre Tauch- und Unterwasserfoto-Erfahrung.

 

Seminare in der Unterwasserfotografie gibt Bernd Köppel zwei Mal im Jahr im Frühsommer. Die Workshops sind meist schon Monate im Voraus ausgebucht (das gilt auch für den zweiten Termin 2013). Die Termine für 2014 werden voraussichtlich im Oktober auf der Seminarseite bekanntgegeben.


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