Fotograf Bernd Köppel über Fehler und Tricks in der Unterwasserfotografie (Teil 1)


Der Fotograf Bernd Köppel sprüht vor Leidenschaft und Know-How, wenn er über die Unterwasserfotografie spricht. Er liebt es, sein Wissen aus fast 40 Jahren Fotografie und Tauchen weiterzugeben. Unser Interview mit ihm ist so pickepackevoll mit nützlichen Tipps, dass wir es in zwei Teilen veröffentlichen.

Sonja Kaute: Sie haben fast 40 Jahre Tauch- und Fotoerfahrung und durch Ihr Fachgeschäft für Tauchsport und Unterwasserfotografie viel Kontakt zu Kunden. Welche Fehler machen Einsteiger in die Unterwasserfotografie Ihrer Erfahrung nach am häufigsten?

 

Bernd Köppel: Wenn Kunden mir ihre Urlaubsfotos zeigen, entdecke ich drei Fehler am häufigsten. Der Hauptfehler lautet: zu weit weg vom Motiv. Den zweiten Fehler, den viele machen, nenne ich ‚Fisch von hinten‘. Einsteiger jagen oft jedem Fischschatten hinterher. Ich kenne das auch aus eigener Erfahrung als Anfänger. Das Motto lautet ‚Besser irgendein Foto vom Fisch als keins‘. Der Taucher jagt dem Fisch hinterher, dieser schwimmt weg und dann wird schnell noch fotografiert. Solche Fotos sehe ich fast jeden Tag. Ich rate, lieber gar nicht zu fotografieren, als den Fisch von hinten aufzunehmen.

 

Der dritte Fehler ist das Fotografieren von oben nach unten. Den sehe ich auch sehr häufig. Dabei erzielt man oft viel bessere Ergebnisse, wenn man sich niveautechnisch unter das Motiv begibt, also von der Tarierung her etwas absinkt und vielleicht noch etwas Blauwasser und Sonnenlicht im Bildhintergrund hat.

Welche Tipps würden Sie denn Einsteigern in die Unterwasserfotografie geben?

 

Ich empfehle meinen Kunden, erst mal in einem Hallenbad zu üben, zum Beispiel mit einer Cola-Dose, wenn man das vorher mit der Badaufsicht abspricht. Dort kann man nur mit dem Schnorchel üben und braucht keinen Tauchgang zu verschwenden. Man hat seine Ruhe, gute Sichtverhältnisse, keine Strömung.

 

Als zweites rate ich, zu lernen, den externen Blitz richtig auszurichten. Wegen der Lichtbrechung unter Wasser machen Anfänger das oft falsch: Was 1,33 Meter entfernt ist, erscheint wie einen Meter entfernt und dann wird der Blitz oft auf eine Stelle vor dem eigentlichen Motiv ausgerichtet. Ich habe sehr oft Kunden, die aus dem Urlaub kommen und von ihren Fotos enttäuscht sind. Wir sind von den Bildern in den Medien verwöhnt. Aber unter Wasser gibt es physikalische Probleme, die es über Wasser nicht gibt. Darüber muss man Bescheid wissen und den Umgang damit üben – zum Beispiel im Hallenbad oder im Baggerloch.

 

Mein dritter Tipp: Geht nah ran! Wenn ich meine Seminare auf zwei Wörter beschränken müsste, dann wären es die Worte „nah ran“. Sich aufs Wesentliche zu beschränken, ist wichtig.

Zu guter Letzt rate ich, den Blitz nicht nur von vorne zu benutzen. Man sollte sich trauen, ihn auch mal in einem 45-Grad-Winkel von der Seite oder sogar von unten zu benutzen, denn das entscheidet über die Wirkung des Bildes. Damit schafft man im Gegensatz zu einem Blitz von vorne Schatten und erzeugt eine Bildtiefe. Den Mut, das auszuprobieren, sollte man ruhig mal haben.

 

Man kennt ja die „blaue Stunde“ für Fotografen, zu Beginn der Dämmerung, wenn das Licht am schönsten ist. Gibt es eine Tageszeit, die sich besonders für Unterwasser-Fotos eignet?

 

Die Frage muss ich mit einem „Jein“ beantworten. In der Regel spielt die Tageszeit bei der Unterwasserfotografie nicht so eine markante Rolle wie über Wasser. Die Rolle der Sonne ist sekundär, der Blitz ist ja unsere Sonne. Ich entscheide also selber durch die Ausrichtung des Blitzes, wann ich wie eine besondere Lichtführung erwirke. Es gibt allerdings ein paar Ausnahmen: Weitwinkelaufnahmen beispielsweise können spät nachmittags eine besonders schöne Wirkung haben, wenn das Sonnenlicht schräg ins Wasser fällt. Spät nachmittags kann es sich daher besonders lohnen, das Weitwinkelobjektiv mit ins Wasser zu nehmen.

 

Gibt es bestimmte Motive, auf die man sich als Einsteiger und später als Fortgeschrittener konzentrieren sollte? 

 

Ja. Für Anfänger ideal sind Makro- und Close-Up-Aufnahmen. Makrofotos sind extreme Nahaufnahmen, unter Wasser gilt da ein Abbildungsmaßstab von 1:1, 1:2 oder 1:3. Close-Ups sind gemäßigte Nahaufnahmen, meist mit einem Abstand von 40 bis 50 Zentimetern. Bei solchen Aufnahmen ist die Belichtung nicht so schwierig und Nacktschnecken und Drachenköpfe hauen auch nicht so schnell ab. Man hat nur einen Darsteller, die Bildgestaltung ist vergleichsweise einfach und das wenige Wasser zwischen der Kamera und dem Motiv enthält wenige Schwebeteilchen, die somit auch weniger Reflexionen erzeugen. Makro-Aufnahmen gehen eigentlich immer, auch bei eher schlechter Sicht oder im Baggerloch.

 

Die Weitwinkelfotografie ist die Königsklasse und eher für Fortgeschrittene geeignet. Das ist die schwierigste Kategorie: Man muss am Bildaufbau arbeiten, hat einen Vorder-, einen Mittel- und einen Hintergrund samt Tiefenwirkung. Da gibt es für richtig gute Ergebnisse viel zu komponieren. Solche Bilder sind außerdem Mischlichtaufnahmen: Man hat zwei Lichtgeber, die Sonne und den Blitz, wobei der Blitz mit maximal 1,50 Metern Reichweite nur den Vordergrund abdeckt. Die Hauptaufgabe des Blitzes ist es übrigens, Farbe zu erzeugen, nicht Licht abzugeben! Die richtige Dosierung ist hier eine Herausforderung: Bei zu viel Blitz werden Schwebeteilchen sichtbar und das Bild strahlt schnell eine Künstlichkeit aus, die nicht dem entspricht, was wir Taucher sehen.

Welche Motive fotografieren Sie denn selbst unter Wasser am liebsten?

 

Oh, diese Frage ist ganz schwierig zu beantworten! Ich liebe Nacktschnecken als Motiv mindestens so wie einen eleganten Hai. Ich bevorzuge wohl die Extrembereiche, also die Makrofotografie und auch sehr gerne Weitwinkelaufnahmen zum Beispiel von Landschaften. Aber das hängt auch alles von den Bedingungen am Tauchplatz ab.

 

Und wo kann man Ihre Fotos bewundern? 

 

Ich habe eine Foto-Galerie in meinem Geschäft, einige Fotos gibt’s auch auf meiner Website zu sehen. Und ich produziere aufwändige Multi-Diavisions-Shows. Die sind fast wie Filme. Ich mache nämlich auch Musik, spiele viele Instrumente. Die Musik zu den Shows habe ich selbst komponiert und auch selbst eingespielt.

 

Was halten Sie als „alter Hase“ von der Digitalisierung der Unterwasserfotografie: Hat sie dem Genre gut getan?

 

Der größte Vorteil als Unterwasserfotograf ist die sofortige Kontrolle der Ergebnisse. Ich habe damit sofort die Chance, mit etwas geänderten Einstellungen ein besseres Bild zu machen. Bei der Belichtung und Schärfe kann man so viel schneller lernen als früher. Bei der Analogfotografie hatte man diese Chance nicht. Früher konnte ich erst zwei Wochen nach dem Urlaub sehen, ob ich die richtigen Einstellungen gewählt hatte.

 

Allerdings wirkt ein gut belichtetes und scharfes Bild noch lange nicht automatisch gut. Die digitale Fotografie verleitet durch geringe Kosten und viel Speicherplatz zum ‚Maschinenpistolschießen‘. Die Leute kommen dann mit 1000 Bildern aus dem Urlaub, die aus der Hüfte geschossen worden sind. In Sachen Gestaltung hat man dann statt wenigen guten viele schlechte Bilder. Nur wenige schleichen sich an ein lebendes Motiv heran, bleiben ganz ruhig, passen ihre Tarierung dem Motiv an und gestalten so das Bild. Es wird ‚schnell, schnell‘ fotografiert. Dabei wäre hier weniger oft mehr. Die Digitalisierung hat also Vor- und Nachteile.

Eine Frage, die ich allen Unterwasserfotografen stelle: Was sind Ihre Lieblings-Spots für die Unterwasserfotografie? 

 

Auch das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Jeder Spot hat seine Besonderheiten. In der Karibik gibt es einzigartige Schwämme, die Malediven sind toll, das Mittelmeer hat unheimlich schöne Seiten und Unterwasser-Landschaften, zum Beispiel an der spanischen Costa Brava oder in der Türkei.

 

Besondere Leckerbissen habe ich in Cozumel, Mexiko, erlebt. Dort gibt es Süßwasserhöhlen, die mir auch nach vielen Jahren noch im Kopf geblieben sind. Tolle Tauchgänge, die ich nicht aus meiner Erinnerung streichen möchte, hatte ich aber auch in Baggerlöchern, ganz ehrlich. Das ist anders, aber nicht zu vergessen. Und ich bin auch fasziniert vom Bergseetauchen, zum Beispiel im Fernsteinsee und Samaranger See in Österreich.


Teil 2 dieses Interviews findet ihr HIER. Darin geht es vor allem um Tipps für die richtige Fotoausrüstung für Taucher.


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Alle Fotos © Bernd Köppel


Weitere Informationen zu Bernd Köppel

 

Bernd Köppel kommt gebürtig aus Bergkamen, ist 59 Jahre alt und führt in Kleve am Niederrhein das Tauchsport- und Unterwasserfotografie-Fachgeschäft Sport Köppel sowie sein Fotoatelier „Light and Shadows“. Ans Tauchen ist er durch die Fotografie gekommen: Nach seiner Fotolehre wollte er wissen, wie es ist, unter Wasser zu fotografieren. Er hat im Jahr 2013 ganze 38 Jahre Tauch- und Unterwasserfoto-Erfahrung.

 

Seminare in der Unterwasserfotografie gibt Bernd Köppel zwei Mal im Jahr im Frühsommer. Die Workshops sind meist schon Monate im Voraus ausgebucht (das gilt auch für den zweiten Termin 2013). Die Termine für 2014 werden voraussichtlich im Oktober auf der Seminarseite bekanntgegeben.


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