Heinz Toperczer, Unterwasserfotograf: "Mit den Filmen von Hans Hass wurde bei mir ein Keim gesät"


Heinz Toperczer hat sich mit seinen Unterwasserfotos im In- und Ausland einen Namen gemacht. Zahlreiche Preise hat er mit seinen Bildern gewonnen. Im Interview gibt er Foto-Tipps für Einsteiger, stellt seine liebsten Fotospots vor und erinnert sich an seine Treffen mit Hans und Lotte Hass.

Sonja Kaute: Ich glaube, man kann bei dir sagen, dass die Fotografie dein Taucherleben bestimmt. Gehst du auch mal ohne Kamera ins Wasser oder hast du den Auslöser immer im Anschlag?

 

Heinz Toperczer: Früher bin ich im Rahmen meiner Tauchlehrertätigkeit natürlich auch „ohne“ ins Wasser. Heute befürchte ich, dass ich ohne Kamera nicht mehr tarieren kann… Spaß beiseite. Du hast es richtig erkannt, heute gehe ich bis auf wenige Ausnahmen immer bewaffnet ins Wasser.

 

Seit wann fotografierst du schon unter Wasser und was fasziniert dich daran?

 

Seit 1995. Die Faszination ist das genauere Kennenlernen der UW-Welt samt ihren Bewohnern. Wenn man sie besser kennt, kommt man auch näher an sie heran und kann einiges erfinden, um ihr Misstrauen zu überlisten.

Was war dein aufregendstes Erlebnis als Unterwasserfotograf?

 

Das war die Teilnahme an einer Forschungsreise in Tanzania, wo ich Teil der Mannschaft war, um Walhaie mit einem Satellitensender zu markieren und fotografisch zu dokumentieren. Die Anordnung der Punkte eines Walhaies sind so einzigartig wie ein Daumenabdruck bei uns Menschen.

 

Welche Foto-Ausrüstung benutzt du im Moment?

 

Ich habe vor zwei Wochen von einer Nikon D 300 zu einer Nikon D 800 gewechselt. Das Gehäuse und auch die beiden Blitze stammen von Seacam. Zusätzlich arbeite ich noch mit drei externen Sklavenblitzen.

 

Wenn du einem Foto-Einsteiger drei Tipps geben könntest – welche wären das? 

 

  1. Zu allererst einen Fotokursus zu besuchen, um danach das Wissen zu besitzen, einen Fehlkauf zu vermeiden. Außerdem benötigt man Jahre, um Praxiswissen zu sammeln, die man bei einem Kurs in einem Tag lernen könnte. Hier spreche ich wirklich aus Erfahrung. Auch ich hatte es zu Beginn unterschätzt.
  2. Nicht beim Blitz sparen! Das Licht ist eines der wichtigsten Dinge in der Fotografie. Eine gute Kamera alleine ist noch kein Garant für gute Ergebnisse.
  3. Vor dem Urlaub mit der Kamera zu üben, um deren Handhabung in der Urlaubsdestination im Griff zu haben. Ich lerne jedes Mal Taucher kennen, die mich am Boot auf der Fahrt zum Tauchspot fragen, welcher Knopf für was zuständig ist…
  4. Beim Kauf darauf zu achten, dass die Kamera auch manuelle Einstellungen zulässt.Natürlich sollte dies auch das Gehäuse können.

 

Du bist schon auf der ganzen Welt getaucht. Was sind deine Lieblings-Foto-Spots im In- und Ausland und warum?

 

Leider beschränkt das Budget immer die Auswahl der Destination. Aber unberücksichtigt davon würde ich im Salzwasser Cocos Island als meine Nummer eins bezeichnen. Selten zuvor habe ich einen solchen Fischreichtum und eine solche Artenvielfalt, vor allem im Großfisch-Bereich, gesehen. Auch der naturbelassene Insel-Flair ist einzigartig.

 

Süßwasser hingegen schont unsere Geldbörsen. Hier ist eindeutig der Grüne See mein Topspot. In diesem glasklaren Wasser in Verbindung mit den seichten überfluteten Landschaften kann man auch als Anfänger ohne Blitz sehr gute Aufnahmen machen.

Du hast schon sehr viele unterschiedliche Motive fotografiert: Unterwasserrugby-Spieler, Babys, Models, Fische, große Haie aus nächster Nähe, Landschaften im Süß- und Salzwasser, Tauchpartner, Höhlen und Wracks wie die Jura im Bodensee. Hast du noch Motivwünsche offen? 

 

Absolut! Die Artenvielfalt ist so gigantisch groß, dass zwei Taucherleben nicht ausreichen würden. Aber davon abgesehen, kann ich mich an bekannten Motiven auch nicht satt sehen. Die Freude eines echten Tauchers wird nie gesättigt werden.

 

Zum Abschluss eine Frage, die nichts mit der Fotografie zu tun hat: Du hast, wie ich auf deiner Website gesehen habe, einmal Hans und Lotte Hass getroffen. Davon träumen sicher viele tauchbegeisterte Menschen. Wie kam diese Begegnung zustande und wie war sie?

Bei diesem Thema triffst du mich emotional. Die beiden waren bereits in meiner Jugend schuld, dass das Tauchen bei mir zur Sucht geworden ist. Mit den Filmen von Hans Hass wurde bei mir ein Keim gesät. Ich hatte das Glück, Hans und Lotte dreimal in meinem Leben treffen zu dürfen. Bei einer Weihnachtsfeier nahmen sich beide sogar die Zeit, meine Fotos zu betrachten, wo sie vor allem von der Qualität beeindruckt waren. Hans versuchte mir zu erklären, wie umständlich es seinerzeit war, zu brauchbaren Fotos zu kommen. Das waren einzigartige Augenblicke für mich.

 

Ich danke dir für deine Antworten!


So fotografiert Heinz Toperczer


Weiterführende Informationen

Heinz Toperczer wurde 1962 in Graz geboren und wohnt im österreichischen Breitenau. Die Unterwasserwelt lernte er schon als Kind am Wörthersee kennen, wo er sogar einmal eine Fliegerbombe fand. Heinz Toperczer ist Tauchlehrer beim österreichischen Berufstauchlehrerverband. Außerdem ist er dort ehrenamtlich für die Pressearbeit verantwortlich. Mehr Informationen über Heinz Toperczer gibt es auf seiner Website.

 

Über den Grünen See, den Heinz Toperczer als seinen Lieblings-Tauchspot im Süßwasser bezeichnet, haben wir eine Reportage im Magazin – inklusive Fotos von Heinz Toperczer.


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