Bergwerk Kleinenbremen – Tauchen unter Tage in der „Blauen Lagune“


Einer der ungewöhnlichsten Tauchplätze Deutschlands ist das Bergwerk Kleinenbremen in Porta Westfalica. Die Xing-Gruppe „Tauchen im Norden“ hat das Besucherbergwerk im Februar zum zweiten Mal betaucht. Christoph Arndt hat seine Eindrücke für dekopause zusammengefasst.

Zum ersten Mal hat die Xing-Gruppe „Tauchen im Norden“ das Besucherbergwerk Kleinenbremen im April 2011 betaucht. Schon damals waren alle Teilnehmer begeistert. Der Folgeevent im Februar 2012 war durch die Mundpropaganda binnen Minuten nach der Termin-Ankündigung ausgebucht – Tauchen im Bergwerk hat auch unter Wiederholungstätern eine große Anziehungskraft.

 

Die Tauchgänge im Besucherbergwerk führt die Tauschschule TreVpunkt durch. Die Basisleiter Trevor und Bettina haben alles fest im Griff. Es stehen Unterstände bereit, in deren Schutz bei schlechtem Wetter die Eingangsformalitäten trocken erledigt werden können und wo das Briefing stattfindet. Zur Illustration des Tauchplatzes gibt es ein sehr gelungenes Modell des Tauchplatzes aus einem Eierkarton. Zwischen den Tauchgängen werden kleine Snacks, Würstchen (kostenpflichtig) und Kaffee gereicht. Auch an die Sicherheit vor Ort ist natürlich gedacht.

 

Mit der Grubenbahn zur „Blauen Lagune“

 

Nach dem Briefing steigen wir in die Anzüge und tragen das restliche Equipment zur Grubenbahn. Ein Triebwagen aus dem Jahr 1937 zieht Taucher und Ausrüstung zum Tauchplatz. Während der kurzen Fahrt sitzen wir in kleinen vergitterten Abteilen und blicken ins Dunkel. Angekommen am Endpunkt der Grubenbahn wird es anstrengend: Das Equipment muss von der Bahn zu einem Plattenwagen getragen werden. Blickt man von der Spitze der Treppe auf das Abbaufeld, versteht man, warum dieses Gewässer die „Blaue Lagune“ genannt wird: Die strahlend blau beleuchtete Wasseroberfläche leuchtet dem Besucher entgegen. Weiter unten im Berg geht es über Treppen und einige Meter Weg mit der Ausrüstung auf dem Rücken zum Einstieg. Am Einstieg stehen Tische, auf denen die Ausrüstung vorbereitet und angelegt werden kann. Das Eisenerz färbt stark, die Ausrüstung sollte am besten noch feucht gereinigt werden. Aber echte Bergwerkstaucher tragen ihre Rostflecken mit Stolz.

 

Ein Abbaufeld als Unterwasser-Höhle

 

Am besten stellt man sich den Tauchplatz wie aufeinander geklebte, leicht gekippte Eierkartons vor. Die Abbaufelder wurden abschüssig in den Fels getrieben. Alle paar Meter sind schmale Felsstreifen stehen geblieben, die die Abbaufelder abstützen. Am deren unterem Ende liegen die Förderstrecken, über die das Erz abtransportiert wurde. Die tiefsten Abbaufelder sind mitsamt den Förderstrecken mit Grundwasser vollgelaufen. Ein Feld ist nun zum Tauchen freigegeben. Bei den unteren zwei Dritteln dieser Kaverne handelt es sich um eine Unterwasser-Höhle. Im oberen Drittel liegt die Wasseroberfläche frei und man kann jederzeit auftauchen.

Das Verlassen des freigegebenen Abbaufeldes zum Beispiel über die Förderstrecke ist verboten. Das Bergamt achtet sehr streng auf die Einhaltung der Vorgaben. Es wäre schade, wenn dieser interessante Tauchplatz durch die Dummheit Einzelner gesperrt würde. Das freigegebene Abbaufeld bietet aber genug zu sehen, ein Verlassen ist gar nicht erforderlich.

 

Verblüffende Klarheit und Sichtweite

 

Am Einstieg ist alles gut organisiert: Das Basispersonal unterstützt die Taucher beim Einstieg, jemand steht im Tauchanzug für Notsituationen bereit.

 

Nach dem Abtauchen verblüfft uns die Klarheit des Wassers. Die Sichtweiten sind beeindruckend.

 

Abschüssig geht es vom Einstieg gleich zu den Highlights des Tauchgangs: Zuerst wenden wir uns in der Tiefe nach links, um den Einstieg in die Förderstrecke zu erreichen. Ihr Einstieg und der dahinterliegende Gang sind groß genug für zwei Taucher nebeneinander und hoch genug, um die Förderstrecke zu durchtauchen, ohne Sediment aufzuwirbeln.

 

In der Förderstrecke folgen wir dem goldenen Faden durch das „Labyrinth“, vorbei an den Abbaurelikten bis zum Ende und zum Ausstieg. Verlasse ich die Förderstrecke und blicke nach oben, nehme ich schon aus großer Entfernung die geschickt positionierte Beleuchtung des Abbaufeldes wahr. Das Wasser ist von geradezu unglaublicher Klarheit.

 

Über dem Ausgang der Förderstecke steht seit Jahren mit stoischer Gelassenheit ein Taucher. Man erkennt ihn als erstes an dem Klodeckel. Er hat wohl seinen Buddy verloren und sucht noch…

Irisierende Kalkhügel und Bergbaurelikte

 

Während des Tauchgangs lösche ich mehrmals das Licht und beobachte zum Teil in großer Entfernung vorbeiziehende Taucher und die Lichtspiele ihrer Lampen. Am Boden sammeln sich an vielen Stellen irisierende Kalkhügel und Hinterlassenschaften des Bergbaus. Es sind nicht Farben und vielfältiges Leben, die diesen Tauchplatz interessant machen, sondern gut ausgeleuchtete Gesteinsstrukturen, der ungewöhnliche Ort unter der Erde und seine Geschichte.

 

Nach einer Stunde ist der Tauchgang zu Ende. Der Ausstieg ist sicher erreicht und die Aussicht auf heißen Tee vertreibt die Kälte aus den Knochen.

 

Sachkenntnis im Höhlentauchen

 

Zwischen den Tauchgängen werden die Flaschen herausgetragen und getauscht. Am Ende des Tauchtages kommt dann der wirklich anstrengende Teil: Die Ausrüstung muss raus aus dem Berg und wieder ans Tageslicht gebracht werden.

 

Wer die Förderstrecke am unteren Ende des Abbaufeldes betauchen möchte, muss über Sachkenntnis im Höhlentauchen verfügen. Die Grube bietet auch ohne das betauchen der Förderstrecke genug zu sehen für zwei spannende Tauchgänge. Die Grube ist ein ungewöhnlicher, faszinierender Tauchplatz, den sicher nicht jeder in seinem Logbuch verzeichnen kann.

 

Weitere Fotos vom Tauchen im Bergwerk Kleinenbremen


Wir bedanken uns bei dem Autoren Christoph Arndt und bei den Fotografen Jürgen Wolf und Thomas Lüken!


Weitere Informationen

 

Das Besucherbergwerk Kleinenbremen: In der 1887 aufgefahrenen Eisenerzgrube „Wohlverwahrt“ wurde bin in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts Erz gefördert. Das seit 1988 in Betrieb befindliche Museum liegt in einem Stadtteil von Porta Westfalica und bietet umfassende Informationen zum Thema Bergbau und die Möglichkeit, das Bergwerk zu besichtigen. Die Eisenerzgrube „Wohlverwahrt“ wurde 2006 als Nationales Geotop ausgezeichnet. Mehr Informationen gibt es auf der Website des Bergwerks.

 

Die Tauchbasis: Einmal im Monat kann man eines der untergegangenen Abbaufelder betauchen. Organisiert und durchgeführt werden diese Touren von der Tauchschule TreVpunkt in Hille. Auf der Website der Tauchschule findet man die Voraussetzungen und Preise. Für das Betauchen der Förderstrecke sollte man ein Höhlentauchbrevet besitzen. Die Termine sind allerdings oft auf längere Zeit ausgebucht.

 

Die Xing-Gruppe „Tauchen im Norden“ hat  derzeit fast 600 Mitglieder. Diese kommen größtenteils aus Norddeutschland. Neben Diskussionen und Erfahrungsaustausch gibt es häufig gemeinsame Tauchtouren. In diesem Jahr wurden Touren nach Norwegen, Gamel Alboe (DK) und Nordhausen organisiert und ein Sonderkurs „Denkmalgerechtes Tauchen“ in Kiel angeboten.


Habt ihr weitere Buchtipps oder App-Empfehlungen?

 

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