Elite-Taucher Jens Höner über seine Arbeit bei der Marine: Es wird nie langweilig."


Oberleutnant zur See Jens Höner ist Kampfschwimmer und Minentaucher und gehört damit zur Elite der Marine. Hier erzählt er von seinem Berufsleben und seinen Weltrekorden – und warum er sich auch für’s „Fische gucken“ und für winzige Garnelen begeistern kann.


dekopause: Darf man als Elite-Taucher bei der Marine aus dem Nähkästchen plaudern oder müssen Sie aufpassen, was Sie mir erzählen? Es gibt doch sicher strenge Vorschriften.

Jens Höner: Es gibt Dinge, die wir nicht preisgeben dürfen. Dazu gehört zum Beispiel die genaue Anzahl der zurzeit ausgebildeten Kampfschwimmer. Über aktuelle Einsatzgebiete oder die genaue Aufgabe vor Ort darf natürlich auch keine Aussage getroffen werden. In der Regel werden auch weder Gesichter noch Namen der aktuellen Kampfschwimmer gezeigt. Ich bin da eine Ausnahme. Wir sagen, der Mann ist verbrannt. Das bedeutet, man kennt sein Gesicht und seinen Namen. Im Einsatz und auch privat wollen wir die Leute und auch ihre Familie schützen, deshalb gibt es keine Gesichter und keine echten Namen.

 

Sie gehören zu den „Spezialisierten Einsatzkräften der Marine“ (SEK M), sind Kampfschwimmer und Minentaucher. Ich stelle mir Ihren Berufsalltag sehr abenteuerlich vor. Sitzen Sie auch mal im Büro?

 

Da ich zurzeit Leiter des Personalwerbetrupps bin, verbringe ich genau so viel Zeit im Büro wie draußen. Ich habe aber das Glück, dass ich Material erproben kann und auch an Weiterentwicklungen  mitwirken kann. Das gibt dem Job einen gewissen Charme.

 

Was machen Sie denn, wenn Sie nicht im Büro sitzen?

 

Da ich immer noch aktiver Kampfschwimmer bin, muss ich genau wie die jungen meine Tauchstunden und Fallschirmabsprünge nachweisen. Zudem habe ich die Möglichkeit, zu bestimmten Trainingseinheiten mit in die USA zu gehen. Außerdem begleite ich die Praktika, die für Schüler im Bereich der SEK M ausgerichtet werden. So schieße ich regelmäßig, führe Orientierungsmärsche durch oder absolviere mit den Schülern Hindernisparcours, durchquere Gewässer und zeige den potenziellen Anwärtern, was in der Ausbildung auf sie zukommt. Alles in Allem ein sehr abwechslungsreicher Beruf.

 

Wie kann ich mir einen Minen-Einsatz vorstellen: Ist es eine Kriegs-Situation oder entfernen Minentaucher beispielsweise noch explosive Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg im Meer? Und was passiert, wenn eine Mine gefunden wird?

 

Mit dem Bereich habe ich nichts mehr zu tun. Unsere Minentaucher sind aber permanent im Einsatz. Sie räumen regelmäßig Minen, Torpedos und andere Überbleibsel aus den beiden Weltkriegen, zum Beispiel im Bereich der baltischen Staaten. Zudem haben sie unzählige Sprengfallen im Kosovo oder Kampfmittel in Afghanistan  beseitigt. In den seltensten Fällen werden sie entschärft, da es immer eine enorme Gefahr birgt. Meist werden sie durch ballistische Ansprengverfahren oder durch Schlagladungen vernichtet.

 

Sie sind ja für die Nachwuchssuche zuständig. Wie hart ist die Ausbildung zum Kampfschwimmer oder Minentaucher? 

 

Wenn sie bei uns anfangen, müssen sie nur die Anforderungen des deutschen Sportabzeichens erfüllen, um für die Ausbildung zugelassen zu werden. Dann entscheidet der Wille, ob der Anwärter die Ausbildung durchsteht oder nicht. Selbst Hochleistungssportler haben nach einer Woche das Handtuch geworfen, da die psychischen Anforderungen häufig unterschätzt werden.

 

Wie sind Sie denn selbst zu diesem Beruf gekommen?

 

Ich habe in jungen Jahren einen Filmbeitrag über die Kampfschwimmer gesehen und war von diesem Tag an fasziniert. Aus dem Wunsch wurde Wirklichkeit.

 

Und was motiviert oder fasziniert Sie daran?

 

Das Aufgabengebiet der Kampfschwimmer ist sehr umfangreich. Es kommt niemals Langeweile auf. Man kann diesen Beruf mit keinem normalen Job vergleichen. Er ist häufig entbehrungsreich, gibt einem aber dafür auch sehr viel. Zudem habe ich viel von der Welt gesehen und konnte mir auch so viel besser einen Eindruck davon machen, wie gut es uns in Deutschland geht.  Ich selbst habe durch die Ausbildung sehr viel für das Leben gelernt. Das besondere daran ist es, sich täglich mit neuen Aufgaben auseinandersetzen zu müssen.

Haben Sie Ihren Tauchschein bei der Bundeswehr gemacht oder sind Sie als Freizeittaucher gestartet?

 

Meine ersten Erfahrungen habe ich bei der Wasserwacht in Achim bei Bremen gemacht. Danach war für mich sehr schnell klar: Das ist das, was ich schon immer machen wollte. Danach die Ausbildung bei der DLRG und im Anschluss die Ausbildung zum Kampfschwimmer bei der Bundeswehr. Im Laufe der Jahre kamen so zahlreiche Ausbildungen und Rekorde dazu.

 

Sie gehen gerne an Ihre Grenzen und darüber hinaus und haben wie schon angedeutet einige Tauch-Rekorde aufgestellt. Könnten Sie die bitte einmal aufzählen?

  • 1987: Weltrekord im Streckentauchen mit Pressluftgerät (35,5 Kilometer in  24 Stunden)
  • 1994: Weltrekord im Streckentauchen mit Pressluftgerät (55 Kilometer in 19,6 Stunden)
  • 1996: Weltweit erstmalig ein Tauchgang auf 170 Metern durchgeführt, bei einer Wassertemperatur von 5°C (mit offenem System im Bodensee)
  • Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Freitauchen in Nizza  (3. Platz)
  • Deutscher Rekord im Streckentauchen im Freiwasser ohne Gerät (70 Meter)
  • 2002: Deutscher Rekord im Tieftauchen mit offenem System 241 Meter, Hurghada, Ägypten

 

Was waren Ihre bisher ungewöhnlichsten Taucherlebnisse?

 

Da gab es sehr viele. Die alle aufzuzählen, würde definitiv zu lange dauern. Ich war zum Beispiel in einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Freiburg. Dort zeigte mir der Unterwasserfotograf Paul Munzinger eine Süßwasser-Garnele. Diese war so klein, dass man ihre genaue Körperform gar nicht genau erkennen konnte, zumal sie wie ein Flummi im Wasser rumschwamm. Als Herr Munzinger mir im Anschluss die Fotoaufnahmen von dem Tier zeigte, war ich stark beeindruckt, welche Kostbarkeiten wir in unseren heimischen Gewässern haben.

 

Fische gucken“ ist für Sie also nicht so langweilig, wie man bei Ihrer Laufbahn vielleicht meinen könnte. Tauchen Sie also auch in Ihrer Freizeit oder im Urlaub?

 

Natürlich tauche ich viel in unseren umliegenden Seen. Nur, weil man über einige Jahre hinweg versucht hat seine eigenen Grenzen auszutesten, heißt das nicht, dass man nur noch so taucht, was häufig angenommen wird.

 

Ich fühle mich richtig wohl, wenn ich einen Rotfederschwarm sehe und die Tiere sich nicht durch mich stören lassen. Da könnte ich dann gerne mal zwei Stunden nur daliegen und die Fische beobachten.

 

Und wo und wie tauchen Sie am liebsten privat ab?

 

Eigentlich überall dort, wo sich die Möglichkeit bietet. Ich tauche gerne mit Mischgas im offenen System oder mit meinen Kreislaufgeräten. Ob Wrack, Höhle oder einfach mal so. Norwegen und Frankreich haben für mich einen besonderen Reiz, genauso wie die österreichischen Seen. Und wenn es mein Geldbeutel erlaubt, dann dürfen es auch gerne mal wie dieses Jahr die Bahamas sein.

 

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Unterwasser-Fotos von Jens Höner

Wir bedanken uns bei dem Fotografen Andreas Hilsenbeck für die tollen Fotos!


Weiterführende Informationen

 

Die Marine reinigt und desinfiziert ihre Ausrüstung seit Jahren nach jedem Einsatz mit den Produkten von EW 80.

 

Auf der Website der Marine gibt es umfassende Informationen zur Spezialeinheit SEK M der Marine, den Minentauchern und Kampfschwimmern.

 

Munitions-Altlasten im Meer: Der Boden der Ostsee soll zu etwa einem Drittel mit Bomben, Granaten und Chemiewaffen verseucht sein. Infos dazu gibt es zum Beispiel in diesem ZDF-Beitrag mit Info-Karte, beim NABU sowie unter munition-im-meer.de.


Sharen mit: