Das können Sporttaucher von Tec-Tauchern abschauen


Einer der größten Trends im Tauchsport ist technisches Tauchen. Wertvolle Tipps gibt’s aus diesem Bereich auch für Sporttaucher. Stefan Franck von tipps-für-taucher.de hat für dekopause aufgeschrieben, was sich Sporttaucher von Tec-Tauchern abschauen können:

In den vergangenen Jahren hat sich das Thema  „technisches Tauchen“ immer mehr in die Tauchzeitschriften in Deutschland eingeschlichen. Die Berichte über tiefe Wrack- und Höhlentauchgänge haben sich gehäuft. Auch wurde immer mal von neuen Kursen oder neuem Equipment berichtet. Und das Thema wurde von den Tauchern gerne aufgenommen: Fragen mit dem Tenor  „Wie kann ich mit dem technischen Tauchen beginnen?“ nahmen in den Foren zu. Jeder scheint sich für das technische Tauchen zu begeistern.

 

Aber was ist eigentlich technisches Tauchen genau? Ist man uncool, wenn man nicht mehr mit großer Doppelflasche ins Wasser steigt? Kann man überhaupt noch in der Taucher-Szene mitreden, wenn man nicht weiß, was ein Scooter ist oder was sich hinter einem 18/45 Trimix verbirgt?

 

Ja, ich gebe zu, die ersten beiden Abschnitte sind etwas übertrieben formuliert. Aber es ist durchaus zu erkennen, dass das Thema technisches Tauchen auf dem Vormarsch ist. Natürlich interessiert sich nicht jeder Taucher dafür, aber Trends, auch für den Sporttaucher, sind eindeutig zu erkennen. Und was man nicht außer Acht lassen sollte: Der Sporttaucher kann durchaus für seine alltäglichen Tauchgänge einiges aus dem Bereich Tec-Tauchen übernehmen.

 

 

Was ist  „technisches Tauchen“?

 

Bevor wir in das Thema tiefer einsteigen, muss noch kurz geklärt werden, was technisches Tauchen eigentlich ist: Sehr einfach formuliert beginnt das technische Tauchen dort, wo die Grenzen des Sporttauchens erreicht sind. Bei tiefen Tauchgängen liegt dies im Bereich der 30-Meter-Tiefengrenze. Auch anspruchsvolle Tauchgänge an Wracks oder in Höhlen zählen schon zum technischen Tauchen, denn hier muss ein nicht unerheblicher Aufwand in Bezug auf Ausrüstung, Logistik und Training betrieben werden.

 

 

Was können sich Sporttaucher bei Tec-Tauchern abschauen?

 

Tauchgänge, die im Bereich des technischen Tauchens stattfinden, sollte man ohne eine passende Ausbildung nicht durchführen. Aber das heißt nicht, dass man sich als Sporttaucher nicht das ein oder andere von einem Tec-Taucher abschauen kann. Einiges kann man sehr einfach in seine tägliche Taucherei übernehmen, und so seinen persönlichen Komfort unter Wasser deutlich steigern:

 

Trimm und Tarierung

 

Wenn ihr euch einen gut ausgebildeten technischen Taucher unter Wasser anseht, so stellt ihr fest, dass dieser horizontal im Wasser liegt. Diese Lage ist optimal, da sie von vorne gesehen dem Wasser nur einen sehr kleinen Querschnitt bietet. Das heißt, der Vortrieb ist einfacher, da der Wasserwiderstand reduziert wurde.

 

Betrachtet man Sporttaucher, so kann man erkennen, dass diese oft eher in einer leicht aufrechten Position im Wasser unterwegs sind. Dadurch bietet der Körper dem Wasser mehr Widerstand beim Vortrieb – sprich, man benötigt mehr Kraft.

 

Ein weiterer Vorteil der horizontalen Lage ist es, dass man die Flossen vom Boden weg bekommt. Die Flossen sind in der Horizontalen deutlich über dem Boden, womit ein Aufwirbeln von Sand oder Sediment vermieden wird.

 

Die horizontale Lage könnt ihr erreichen, in dem ihr die Verteilung eures Bleis genauer betrachtet! Wenn ihr sämtliches Blei an einem Gurt um den Bauch oder in Taschen am Bauch mit euch tragt, liegt hier euer Schwerpunkt, der euch nach unten zieht. Dadurch richtet sich der Körper automatisch auf.

 

Viele handelsübliche Jackets bieten sogenannte Trimm-Blei-Taschen im Schulter-Bereich. Versucht doch einfach mal, das ein oder andere Kilo dort zu platzieren.

 

Eine optimale Verteilung der Gewichte bieten sogenannte Wings. Diese bestehen aus einer Edelstahl-Rückenplatte und einem Auftriebskörper, der Flügeln ähnelt, die zwischen der Rückenplatte und der Flasche liegen. Dadurch wird das Gewicht auf der kompletten Länge des Rückens verteilt.

 

Flossenschläge

 

Im technischen Tauchen gibt es verschiedene Arten für Flossenschläge. Während man aus der klassischen Tauchausbildung nur den Beinschlag mit gestrecktem Bein kennt (ähnlich dem Beinschlag beim Kraul-Schwimmen), haben technische Taucher meist mehrere Flossenschläge im Repertoire. Der wohl bekannteste ist der so genannte „Frog Kick“. Dieser ähnelt dem Brustbeinschlag.

 

Vorteil hierbei ist, dass die Flossen zum einen nicht in Richtung Boden zeigen (eine horizontale Lage natürlich vorausgesetzt) und das verdrängte Wasser nach hinten und nicht nach oben und unten gedrückt wird. Dieser Flossenschlag kommt aus dem Höhlentauchen und ist dazu gedacht, möglichst kein Sediment aufzuwirbeln.

 

Üben, üben, üben

 

Wer einen anspruchsvollen technischen Tauchgang durchführen möchte, dem müssen die einzelnen Prozeduren unter Wasser fast automatisch von der Hand gehen. Sprich, wenn ein Automat abbläst, weiß der Taucher automatisch, welches Ventil er selbst schließen muss, und auf welchen Zweitautomat er dann wechseln muss, um wieder eine reibungslose Gasversorgung herzustellen.

 

Ich wage jetzt einfach mal zu behaupten, dass sich der durchschnittliche Sporttaucher zwar mit Übungen für den Notfall in seinen Kursen ausführlich beschäftigt, bei den anschließend aber stattfindenden Spaßtauchgängen nie wieder Übungen wiederholt. Wenn es dann wirklich mal zu einer „Keine-Luft-mehr-Situation“ kommt, ist sehr schnell Stress angesagt.

 

Hier wäre es durchaus sinnvoll, sich ab und an mit Freunden für einen Übungstauchgang zu verabreden und Schritt für Schritt die bereits bekannten Übungen zu wiederholen. Denn je besser man darauf vorbereitet ist, desto einfacher fällt es später, eine bestimmte Situation unter Wasser zu lösen.

 

Es gibt hier bestimmt noch weitere Themen, die man sich als Sporttaucher abschauen könnte. Aber als Einstieg sind die oben beschriebenen Punkte schon ganz gut. Solltet ihr euch für einen neuen Flossenschlag oder auch für den richtigen Trimm und Tarierung interessieren, fragt einfach bei Tauchern nach, die das im Alltag schon tauchen. Auch immer mehr Tauchshops bieten Weiterbildungskurse an, die sich mit diesen Themen beschäftigen.

 

Wir bedanken uns bei dem Autoren Stefan Franck!


Weitere Informationen zum Autor

 

Zur Person: Stefan Franck kommt aus der Region Karlsruhe und taucht seit zwölf Jahren. Seine Tauchausbildung hat als Bronze-Schüler beim VDTL begonnen. Dort hat er auch die komplette Ausbildungsschiene bis zum TL-Assistent durchlaufen (inklusive zwei Monaten Arbeit auf einer Tauchbasis auf Fuerteventura).

 

Technisches Tauchen: Im Jahr 2005 ist Stefan mit dem Tauchen nach DIR in Berührung bekommen – zu Beginn nur über das Internet, später dann auch durch Freunde, die schon in dieser Richtung tauchten. 2009 folgte dann mit dem Fundamentals Kurs von GUE (Global Underwater Explorers) der Grundstein für das technische Tauchen.

 

Tipps für Taucher: Seit Anfang 2011 schreibt Stefan auf seinem Blog tipps-fuer-taucher.de regelmäßig über Ausrüstungs- und Basteltipps speziell für Ausrüstung aus dem technischen Tauchen. Auch gibt es immer wieder (Einsteiger-)Serien zu Themen wie Trockentauchen, Arbeiten auf einer Tauchbasis oder ganz aktuell „Wie beginne ich mit dem technischen Tauchen“ sowie E-Books.

 

Zum Blog „Tipps für Taucher“ gibt’s auch eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account. Und: Stefan betreibt ein weiteres Tauchblog, mit dem Fokus auf seine Tauchgänge und allgemeine Tauchthemen.


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