Eintauchen und staunen: Besuch der "Tiefsee"-Ausstellung in Rosenheim


In die Dunkelheit der Tiefsee abtauchen und einen Blick hinter die Kulissen der Meeresforschung werfen können Besucher der „TIEFSEE“-Ausstellung in Rosenheim. Was dort zu sehen ist, sorgt bei vielen Besuchern für Verwunderung. Ich war dort und habe mitgestaunt.

Das Staunen geht schon kurz nach Betreten der Ausstellung los – und es steigert sich stetig bis zum Raum mit den tierischen Exponaten. Los geht es mit der Entstehung der Ozeane, den Mythen über die Tiefsee und den Anfängen der Tiefseeforschung. Auf einer riesigen, wellenförmigen Leinwand ist Meeres-Schnee aus Plankton zu sehen, kleinste Partikel und Lebewesen, die in die Tiefsee hinab rieseln. Ab und an schweben Quallen, Fische, Haie oder Wale über die Wand.

 

Ein Einblick in die Meeresforschung

 

Kurz darauf wird es technisch: Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Meeresforschung. Unterwasserfahrzeuge, Tauchroboter, Meeres-Gleiter und weitere hochspezialisierte Geräte, die Proben nehmen und Messungen durchführen, ermöglichen den Blick in die Tiefsee. Modelle und reale Exponate zeigen, wie durchdacht, robust und doch filigran die Geräte sind.

 

Es folgen Großmodelle von Forschungsschiffen wie der legendären „Trieste“, mit der 1960 die erste bemannte Tauchfahrt in den Marianengraben, den tiefsten Punkt der Erde, stattgefunden hat. Erst 52 Jahre später wagte sich erneut ein Mensch in diese Tiefe – James Cameron stellte sich am 25. März 2012 der „Deep Sea Challenge“. Staunen auch über die blaue Stahlkugel, der sogenannten „Bathysphäre“, mit der Forscher 1934 einen Tauchrekord bis in 923 Metern aufstellten. Ihre Beschaffenheit lässt erahnen, welchen Druck sie aushalten musste.

 

„Kathedrale der Tiefsee“ – Höhepunkt des Staunens

 

Den Höhepunkt erreicht das Staunen in der „Kathedrale der Tiefsee“. In einem großen, beinahe dunklen Raum lauern zahlreiche Modelle und Präparate von echten Tiefsee-Fischen. Sie stammen aus der einzigartigen Sammlung des Zoologischen Museums der Universität Hamburg. Beleuchtet sind in diesem Raum nur die Vitrinen, ein surreales Erlebnis. Hat man einen verrückten Fakt über eines der Urzeit-Monster entdeckt, folgt eine Vitrine weiter mit Sicherheit der nächste. Schon die Namen der Tiere lassen auf ein Kuriositäten-Kabinett schließen: Viperfisch, Teufelsangler, Dumbo-Oktopus, Kragenhai, Grubenaal und Eidechsenfisch gehören dazu.

 

Über den Besuchern schwebt ein Modell eines fünf Meter langen Riemenfisches – ein übergroßes Tier, das den furchterregenden, drachenartigen Fabelwesen, die frühe Seefahrer gesehen haben wollen, erstaunlich ähnelt. Bleibenden Eindruck hat bei mir ein 1,30 Meter riesiges, präpariertes Tiefseeangler-Weibchen ausgelöst. Die Angel mit dem leuchtenden Ende, Schuppen, Flossen und das riesige Maul sind deutlich zu erkennen. Leicht zu übersehen hingegen wäre das winzige Männchen, das sich am Bauch des Monster-Weibchens festgesetzt hat. Das Männchen verschmilzt bei einigen Arten geradezu mit dem Blutkreislauf des Weibchens, kann nicht mehr selbstständig leben und hat den einzigen Daseins-Zweck, das Weibchen zu befruchten. „Sexualparasitismus“ nennt man dieses unvorstellbare Phänomen. Einige Weibchen haben gleich mehrere Männchen am Körper. Manche davon bestehen nur noch aus Hoden! Egal, an welche Vitrine man hier kommt, überall warten fantastische Überraschungen. Kein einziges Tier wollte ich daher auslassen.

Krake „Rosi“, Chimären und Schwarze Raucher

 

Im folgenden Raum geht es um den Meeresboden. Hier sind unter anderem Präparate und Modelle von Chimären, Grenadierfischen, Meersäuen, Riesenasseln, Borstenwürmern und Drei-Stelzen-Fischen zu sehen. In Aquarien werden die einzigen lebenden Bewohner der Ausstellung gezeigt: Krake „Rosi“, ein Anglerfisch, Leuchtaugen- und Tannenzapfenfische. Wenn „Rosi“ aus ihrem Versteck kommt und sich in voller Pracht zeigt, erntet auch sie von den Besuchern freudiges Staunen.

 

In einer großen Vitrine ist ein tolles Modell eines „Schwarzen Rauchers“, einer hydrothermalen Quelle, zu sehen. Drumherum wimmelt es von unechten Riesenwürmern, Krabben und Muscheln. Wenige Meter weiter gibt es einen Teil eines echten Rauchers aus der Tiefsee zu bewundern.

 

Schätze aus der Tiefsee

 

Anschließend dreht sich die Ausstellung um Rohstoffe aus der Tiefsee: Methanhydrate, Manganknollen, Kobalt zum Beispiel. Vorgestellt wird außerdem ein Modell der neuen Forschungsplattform „SeaOrbiter“. Die raumschiffartige, 51 Meter hohe Station soll in wenigen Monaten vom Stapel laufen und ein neues Kapitel der Meeresforschung eröffnen.

 

Die Ausstellung schließt mit einem oberflächlichen Blick auf den Klimawandel in den Meeren, auf ihre Versauerung und Erwärmung, auf den Anstieg des Meeresspiegels und die Vermüllung der Meere. Diese Themen wären eine eigene Ausstellung wert und würden den Rahmen dieser Ausstellung sprengen. Trotzdem schade, dass – so mein Eindruck – viele Besucher an diesem Teil der Ausstellung, der von allen am meisten mit uns Menschen zu tun hat, schnell vorbei in Richtung Ausgang gehen.


Weitere Informationen zur Ausstellung „Tiefsee“

 

Website zur Ausstellung: http://www.lokschuppen.de/tiefsee-ausstellung

 

In den Ausstellungsräumen läuft eine Klimaanlage, um die Ausstellungs-Objekte zu schützen. Man sollte sich entsprechend anziehen. Ein ausführlicher Rundgang dauert gut zwei Stunden.

 

Wann? Noch bis 2. Dezember 2012 (die Ausstellung ist verlängert worden), montags bis freitags 9-18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 10-18 Uhr. Jeden ersten Samstag im Monat ist Familientag.

 

Wo? Lokschuppen Rosenheim, Rathausstraße 24, 83022 Rosenheim

 

Preise: Erwachsene 12 Euro, es gibt Ermäßigungen und zahlreiche Extras wie Führungen, einen Audio-Guide, Workshops, Ferienprogramm für Kinder, Taschenlampen-Führung u.v.m. Infos: http://www.lokschuppen.de/info-service/oeffnungszeiten-preise.html

 

Buch zur Ausstellung: Für 19,90 Euro ist im Lokschuppen ein Begleitbuch zur Ausstellung erhältlich, das untertrieben als „Katalog“ bezeichnet wird. Es ist ein großformatiges Hardcover mit 252 Seiten Umfang, vielen, teilweise ganzseitigen Bildern, ansprechender Gestaltung und zahlreichen Kapiteln über die Tiefsee. Fundiert und ausführlich werden die Themen der Ausstellung von Meeres- und Polarforschern abgedeckt: Was die Ozeane zusammenhält (u.a. Geologie, Physik), Hightech in der Tiefsee, Forschen auf hoher See, Dunkelkammer des Lebens (Biologie) und ein Blick in die Zukunft (Klimawandel, Energiequelle Tiefsee, internationales Seerecht und SeaOrbiter). Das Buch ist sicher auch für Tiefsee-Liebhaber und -Neugierige interessant, die es nicht in die Ausstellung schaffen: „Tiefsee – Expeditionen zu den Quellen des Lebens“, Hrsg. Gerold Wefer, Frank Schmieder, Stephanie von Neuhoff, ISBN 978-3-00-037371-8


Sharen mit: