"Der Sport hat Suchtpotenzial" - Apnoe Rekordler Jonas Krahn über das Freitauchen


Jonas Krahn gilt als bester deutscher Apnoe-Taucher. Bei dekopause verrät er, wie lange er die Luft anhalten kann, warum ihn das Freitauchen glücklich macht und warum er in der Szene als „Seekönig“ bekannt ist.

Sonja Kaute: Hallo Jonas! Oder sollte ich sagen: Hallo „Seekönig“? Als der bist du ja in der Apnoe-Szene bekannt. Wie kommst du zu diesem Spitznamen?

 

Jonas Krahn: Ich denke, weil ich alle meine Tieftauchrekorde in Seen aufgestellt habe und viel im See trainiere. In Deutschland wird ja unterschieden zwischen Rekorden, die im Meer aufgestellt werden und denen in Seen. Das kommt daher, weil in einem See völlig andere Bedingungen herrschen als im Meer. Man muss sich vorstellen, dass in einem See die Temperatur ab circa 20 Metern durchgängig nur 4 Grad beträgt. Darüber hinaus ist es in vielen Seen ab einer bestimmten Tiefe extrem dunkel. Das heißt, ohne eine kleine Lampe an der Maske könnte ich das Führungsseil, das ich als Orientierung brauche, nicht mehr sehen. Das sind auf  jeden Fall Bedingungen, an die man sich erst einmal sehr gewöhnen muss und die in meinen Augen eine größere Herausforderung darstellen, als im Meer zu tauchen.

 

Wenn ich jetzt eine Stoppuhr laufen lassen würde – wie lange könntest du die Luft anhalten?

 

Na ja, so jetzt auf die Schnelle ohne Vorbereitung vielleicht so um die zwei Minuten. Normalerweise trainiere ich das im Wasser. Da geht es wesentlich leichter, weil da der sogenannte Tauchreflex einsetzt, der übrigens bei jedem Menschen vorhanden ist. Durch diesen Reflex verlangsamt sich der Herzschlag und demzufolge geht der Puls runter und man kann länger die Luft anhalten. Wenn du die Stoppuhr mit ins Schwimmbad nehmen würdest und mir vielleicht 15 Minuten Vorbereitung für die entsprechende Atmung gibst, dann würde ich so um die sieben Minuten schaffen.

 

Du hast vor acht Jahren mit dem Apnoetauchen angefangen. Heute giltst du als bester deutscher Apnoetaucher und hast in diesem Jahr schon einen deutschen Rekord aufgestellt. Wie sieht dein Trainingsalltag aus? 

 

Das ist ganz unterschiedlich. Doch in der Regel versuche ich, so drei Mal die Woche ins Schwimmbad zu kommen und zu trainieren. Ich habe keinen strengen Trainingsplan oder so etwas. Ich trainiere häufig sehr intuitiv und das, was mir am meisten Spaß macht.

 

Die Liste deiner Rekorde ist lang – zum Beispiel hast du in der Kategorie „Free Immersion“, in der man sich an einem Seil in die Tiefe und wieder herauf zieht, im See eine Tiefe von 80 Metern erreicht. Damit hast du im letzten Jahr einen deutschen Rekord aufgestellt. Welche sind deine eigenen Lieblingsrekorde?

 

Um genau zu sein dieser. Zum einen, weil es ein wirklich toller Wettkampf war und zum anderen hätte ich selber nicht gedacht, dass ich so tief tauchen werde. Ich bin bei diesem Wettkampf von Tag zu Tag immer tiefer getaucht und habe letztendlich den tiefsten Tauchgang meines Lebens gemacht. Das war schon ein tolles Gefühl. Außerdem habe ich den damaligen Rekord im Meer um 5 Meter überboten. Vor allen Dingen gehört „Free Immersion“ zu meiner Lieblingsdisziplin im Apnoetauchen.

 

Was fasziniert dich am Apnoetauchen?

 

Ich gebe es offen zu, der Sport  hat ein unheimliches Suchtpotenzial. Ich habe schon viele Sportarten in meinem Leben ausprobiert, doch kein Sport hat mich so gefesselt wie dieser. Seit ich etwa zehn Jahre alt war, war es schon immer mein geheimer Wunsch, ein Taucher zu werden, der ohne Pressluft taucht. Das hat mich schon damals fasziniert und es fasziniert mich heute noch. Für mich ist es ein schönes Gefühl, im Wasser zu sein und die Luft anzuhalten. Insbesondere das Tieftauchen ist einfach unbeschreiblich. Es ist eine Kombination aus körperlicher Fitness und extremer mentaler  Anspannung beziehungsweise Stärke. Manchmal kann ich selber gar nicht glauben, dass ich dazu in der Lage bin, so tief zu tauchen. Doch es funktioniert und es macht einen irgendwie glücklich. Gerade Anfänger machen mit dem richtigen Training zu Beginn große Leistungssprünge.

 

Tauchst du auch mit Pressluft? 

 

Nein ich tauche nicht mit Pressluft und habe auch keinen Tauchschein. Ich habe als Kind zwei, drei sogenannte Schnuppertauchgänge mit Pressluft gemacht, aber irgendwie hat es mich nicht so begeistert. Für Presslufttaucher klingt es vielleicht komisch, aber ich finde es ein seltsames Gefühl, unter Wasser zu Atmen. Irgendwie ist das nichts für mich.

 

Welches ist bisher dein persönlicher Unterwasser-Moment gewesen? 

 

Die Tauchgänge, die für mich am meisten in Erinnerung bleiben, sind die, wenn ich mich ohne Führungsseil an einer Steilwand in die Tiefe fallen lasse. Wenn man dann wieder zur Wasseroberfläche taucht und in das Licht, das von oben kommt, schaut, ist das für mich ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Das kann ich gut nachvollziehen. Und was machst du, wenn du nicht luftanhaltend unter Wasser bist? 

 

Meine zweite Leidenschaft ist Musik machen. Ich spiele Gitarre in einer Band. Beruflich arbeite ich als Erzieher.

 

Und welche Apnoe-Meisterschaft steht als nächstes an? 

 

Die nächste Meisterschaft ist die deutsche Tieftauchmeisterschaft. Ich werde auch versuchen, noch ein paar Hallenwettkämpfe im Strecken- und Zeittauchen mitzumachen.

 

Danke für das Interview.

Fotos von Jonas Krahn


Weitere Informationen

 

Jonas Krahn ist Mitglied bei den „Utopian Freedivers“. Dieses Team aus Apnoe-Tauchern hat sich intensivem Training und Leistungswachstum verschrieben.

 

Jonas Krahn bietet persönliches Freitauchtraining und Einführungskurse ins Freitauchen an. Wer sich dafür interessiert, kann sich per E-Mail bei ihm melden: jonas.freediving@gmx.de 

 

Jonas Krahn in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Jonas_Krahn

 

Einige der Fotos in diesem Beitrag wurden freundlicherweise vom Fotografen Jens Nieth zur Verfügung gestellt. Danke dafür!


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