Naturagart Tauchpark in Ibbenbüren - Auf Tuchfühlung mit riesigen Stören


Tauchen in einem untergegangenen Tempel, Wracktauchen, Höhlentauchen, Grottentauchen und Tauchen mit großen, neugierigen Fischen: Das geht in einem einzigen Tauchgang am Rande des Münsterlandes. Ich habe den Unterwasserpark von Naturagart für dekopause getestet.

Schon vor dem Abtauchen erwarten uns am Einstieg die ersten Fische. Was wir am liebsten sehen wollen, sind allerdings nicht Rotfedern und Brassen, sondern die großen Störe im Naturagart-Unterwasserpark. Dieser Tauchplatz in Ibbenbüren, ein überdimensional großer Teich, ist der weltweit größte neu angelegte Tauchsee auf einer Foliendichtung. Auf einer Länge von 120 Metern und einer Breite von maximal 60 Metern erstreckt sich ein Tauchgebiet, das weltweit seinesgleichen sucht. Wer das Gelände sieht, begreift, was es heißt, in großen Dimensionen zu denken und diese Ideen umzusetzen.

 

Zwei Meter Sichtweite

 

Wir tauchen durch eine Schlucht. Links und rechts von uns sind mehrere Meter hohe Mauern. Ich sehe allerdings nur die linke – und selbst das nur bedingt. Denn die Sichtweite beträgt an diesem Tag gerade einmal zwei Meter. In der grünen Suppe sieht man nicht viel von der vielfältigen Landschaft: den Grotten und Höhlen, den aus den Mauern wachsenden Seerosen, den Ein- und Durchgängen in verwinkelte Labyrinthe. Wir sehen uns kaum gegenseitig, müssen aufpassen, dass wir uns nicht verlieren. Ab und zu huschen kleine Fischschwärme vorbei. Alles, was um uns herum ist, nehmen wir erst wahr, wenn es direkt an uns vorbei zieht.

 

Das gilt auch für die Störe. Die haben uns längst bemerkt. Robert Höfer, Leiter des Unterwasserparks, sagte bei der Einweisung: „Die Störe sind so groß“ und zeigte mit den Händen einen etwa schulterbreiten Abstand. Dann allerdings schob er hinterher: „Körperbreite, nicht Länge.“ Breites Grinsen auf allen anwesenden Tauchergesichtern.

 

Kamera permanent im Anschlag

 

Plötzlich bewegt sich etwas sehr großes direkt neben uns. Ein Stör. Und er ist schneller weg, als ich fotografieren kann. Es folgen weitere Begegnungen. Ich habe die Kamera permanent im Anschlag, aber ich habe nur wenige Sekunden Zeit, dann verschwinden die torpedoförmigen Körper wieder im Grün. Einen ganzen Stör auf einmal sehen wir meist gar nicht, zu schlecht ist die Sicht. Schwanzflosse oder Kopf oder Körpermitte.

Eins der Tiere ist so riesig, es jagt mir einen Schrecken ein. Der massige Körper schlängelt sich plötzlich direkt hinter meiner Tauchpartnerin her. Das ermöglicht einen Vergleich: Das Tier muss ungefähr so groß sein wie sie. Unfassbar, in einem Teich. Prompt fühle ich mich beobachtet.

 

Wir haben längst die Orientierung verloren. Finden im Gegensatz zu zwei weiteren Tauchern im Wasser nicht einmal die Tempelplatte, auf denen etwa vier Meter hohe Katzenfiguren, die Tempelwächter, stehen. Dort wollten wir uns auf den Boden legen und auf die zutraulichen Störe warten. „Die können nicht rückwärts schwimmen und kommen sehr nahe“, sagte Robert Höfer. „Wenn einer direkt an eurem Kopf vorbei versucht, durch den Schlauch des Atemreglers zu schwimmen, nehmt den Atemregler kurz aus dem Mund. Sonst kommt der Stör nicht weiter und bleibt hängen.“ Klingt nach Spaß und nach einem spannenden Tauchgangs-Höhepunkt.

 

Orientierungslos durchs Grün

 

Ich bin zwischendurch sicher, wir wären ganz in Tempelnähe. Aber wo es in dem Fall schräg links hätte gehen müssen, versperrt uns eine Mauer den Weg. Wir holen die Geländekarte heraus, zeigen auf verschiedene Gebiete und zucken beide mit den Schultern. „Keine Ahnung, ob wir hier oder dort sind.“ Später stellen wir fest, dass wir auf der gegenüberliegenden Seite des Tauchparks gewesen sein müssen, wo wir gar nicht hin wollten.

 

Nach dem Tauchgang amüsantes Rätselraten zusammen mit den anderen zwei Tauchern. Alle viere fragen wir uns: „Wo waren wir eigentlich?“ Und suchen mit den Fingern die Karte ab – mit mäßigem Erfolg. Immerhin: Meine Tauchpartnerin und ich haben eine Punktlandung am Ausgang hingelegt, wie sie präziser kaum hätte sein können. Das war natürlich pure Absicht, ja ja. Nicht, dass noch jemand denkt, wir wären nur zufällig genau dort wieder aufgetaucht…

 

Fazit

 

Der Naturagart-Tauchpark lohnt einen Besuch. Allein schon die zutraulichen Störe haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und die Geschichte des Parks ist wahrlich imponierend. Die Sichtweite hat das Erlebnis allerdings buchstäblich etwas „getrübt“. Bei besserer Sicht komme ich gerne noch einmal wieder.

Fotos vom Naturagart Tauchpark


Weitere Informationen

 

Der Naturagart-Tauchpark war ein Bau-Projekt von ungewöhnlicher Größe. Auf der Website gibt es dazu zahlreiche Informationen, Videos und Fotos. Ein intensives Durchstöbern der Seite lohnt sich.

 

Hier werden die Unterwasser-Sehenswürdigkeiten vorgestellt: http://www.naturagart-tauchpark.de/tauchpark/tauchplaetze/tauchplaetze-start.html 

 

Unter dem Menüpunkt „Tauchen“ gibt es praktische Infos zur Anmeldung, Tauchausbildung, Voraussetzungen (die sind streng, aber allesamt nachvollziehbar), Events, Zeiten & Preise sowie aktuelle Informationen zur Sichtweite

 

Wer einen Tauchgang wegen schlechter Sichtweite stornieren will, kann dies im Vorfeld tun. Wichtig ist: Bescheid sagen! Auf Grund des großen Andrangs bei gutem Wetter am Wochenende empfiehlt es sich, den Termin auf einen Wochentag zu legen.

 

Wer einen günstigen Tauchanzug sucht, kann bei Naturagart fündig werden. Die gebrauchten Bare 7mm Alpine Anzüge werden regelmäßig mit EW80 desinfiziert und derzeit günstig weiterverkauft: http://www.naturagart.de/2012/04/groser-verkauf-gebrauchter-tauchanzuge-bei-naturagart-bare-7mm-alpine/


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